Neuseeland nach der Wahl

Historischer Sieg für Labour

Neuseeland hat gewählt und das Ergebnis war wirklich eindeutig. Die Kiwis haben ihrer Premierministerin Jacina Ardern und der Labour Partei mit 50 Prozent der Stimmen einen historischen Wahlsieg beschert.

Absolute Mehrheit bei Parlamentswahl

Seit 1996 gab es keine absolute Mehrheit für eine Partei in Neuseeland. Die junge, sympathische Premierministerin Jacinda Ardern, die nicht nur wegen ihrer erfolgreichen Corona-Politik weltweit Anerkennung findet, errang im Oktober bei den Parlamentswahlen den eindeutigen Wahlsieg. Mit 65 von 120 Sitzen im Parlament wird die 40jährige künftig Neuseeland mit ihrer sozialdemokratischen Labour Partei alleine regieren. „Ich möchte eine Premierministerin für alle Neuseeländer sein. In einer Welt, die sich polarisiert und nur noch wenige Menschen fähig sind, die Position des anderen zu sehen, ist es wichtig, zusammen zu halten!“ Mit diesen Worten trat die empathische Frau ans Mikrofon. „Wir hier in Neuseeland sind nicht so. Wir sind klein, wir können zuhören und als eine Nation diskutieren und werden deshalb die Perspektive unserer Mitbürger nicht aus dem Auge verlieren!“ Obwohl Labour alleine regieren kann, vergab Jacinda Ardern zwei Ministerposten an die Grünen. Sie setzte als Außenministerin erstmalig eine Frau mit traditionellem Moko, dem Gesichtstattoo der Ureinwohner, ein.

Dabei war Arderns Wahlsieg alles andere als gesichert. Sie stand vor allem wegen gebrochener Wahlversprechen in der Kritik, da sie 100.000 Häuser für sozial Schwache angekündigt aber nicht realisiert hatte. Als die Corona-Pandemie begann, machte sie jedoch als gekonnte Krisenmanagerin weltweit auf sich aufmerksam und setzte den strengsten Lockdown der Welt durch. Ihre Popularität stieg, denn mit nur 25 Todesopfern und nur einer ersten Welle manövrierte sie ihr Land glimpflich durch die Covid-19-Krise. Nahezu Corona-frei steckt das Land nun jedoch wie viele Länder in einer Wirtschaftskrise. Die internationale Tourismusbranche brach aufgrund der absoluten Abschottung zusammen, einen Teil der Umsätze werden jetzt jedoch durch die im Land reisenden Kiwis zurückgewonnen. Die Menschen in Neuseeland leben heute ohne Masken, ohne Schulschließungen, besuchen Sportveranstaltungen und Restaurants, während der Rest der Welt mit der zweiten Infektionswelle kämpft. Bis heute sind Neuseelands Grenzen jedoch geschlossen, um einen erneuten Ausbruch der Pandemie im Inselstaat zu verhindern.

Doch wie geht es nun in punkto Grenzschließungen und Einwanderungspolitik in Zeiten der Pandemie weiter? Kann man überhaupt nach Neuseeland einwandern momentan? Und wer wird künftig Chancen haben, seinen Traum vom Leben in Aotearoa zu verwirklichen? Lesen Sie im nächsten Artikel, wie Ihr Einwanderungsberater und sein Team live aus Wellington berichten, was die Regierung derzeit plant.

Wer darf nach Neuseeland reisen?

Übersicht für Touristen und Einwanderungsinteressierte

Grundsätzlich sind die Grenzen nach Neuseeland zu. Diese drastische Maßnahme hat zur erfolgreichen Unterdrückung der Pandemie in Neuseeland beigetragen. Der Alltag ist in Neuseeland zur Zeit normal, es gibt kaum Beschränkungen, an die man sich halten muß, Masken brauchen nirgendwo getragen zu werden und – ganz wichtig für die neuseeländische Psyche – die heiß geliebte All Blacks Rugby Nationalmannschaft konnte sogar in einem ausverkauften Stadion in Wellington gegen die Wallabies (Australische Nationalmannschaft) spielen.

Dass die australischen Rugbyspieler nach Neuseeland reisen durften, war allerdings eine von ganz wenigen Ausnahmen, wie zum Beispiel die Avatar Crew, die zum Filmen nach Neuseeland kommen durften. Andere internationale Events wie zum Beispiel das ASB Classics Tennis Turnier in Auckland mussten wegen Covid-19 abgesagt werden. Insoweit geht es den Tennisspielern daher wie allen anderen Touristen, die momentan eben einfach nicht nach Neuseeland reisen dürfen. Reingelassen werden nur Einheimische, also neuseeländische Staatsbürger und Resident Visa Halter. Der Rest muss schauen, ob sie durch das enge Nadelöhr der wenigen Ausnahmen passen.

Dass tatsächlich nur wenige internationale Passagiere ankommen, lässt sich anhand der öffentlich zugänglichen Statistik des neuseeländischen Zolls überprüfen. Vor dem Lockdown im März 2020 kamen in den Januar und Februar Monaten 741.574, bzw. 562.467 Passagiere in Neuseeland an. Im April 2020 waren es dann nur noch 6.386 und im Mai sogar nur 5.577. Seit dem steigen die Zahlen wieder langsam, aber im September 2020 lagen wir mit 11.483 Einreisenden immer noch weit hinter den üblichen Zahlen zurück. Kein Wunder also, dass der Tourismus in Neuseeland brach liegt!

Das ist Teil des Preises, den wir dafür zahlen, dass Neuseeland eines der wenigen Länder ist, das die Pandemie unter Kontrolle hat. Momentan sind alle aktiven Covid-19 Fälle importiert – also Neuankömmlinge, die seit März 2020 in Neuseeland eingereist sind. Die genauen Zahlen aktualisiert das Ministry of Health täglich.

Wieviel Passagiere nach Neuseeland reingelassen werden, hängt im Wesentlichen von den Quarantäne-Kapazitäten Neuseelands ab. Momentan gibt es nur 32 Quarantäne Stationen in Neuseeland. Das sind meist Hotels, die eigens dafür ausgerüstet wurden, die Bewohner zu isolieren, Tests durchzuführen und zu überwachen, dass niemand ausbricht. 14 Tage wird man quasi „eingesperrt“, wenn auch mit dem üblichen Luxus eines Hotels.

Die neuseeländische Regierung unter der Leitung der Pemier Ministerin Jacinda Ardern ist kompromisslos, wenn es darum geht die Bevölkerung vor dem Corana Virus zu schützen. Die heimische Wirtschaft leidet zwar unter der schlimmsten Rezession seit 1987 aber Unternehmer sind trotzdem in vielen Bereichen auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Dementsprechend hat die Regierung einige Türen geöffnet, die unter gewissen Voraussetzungen die Einreise von nicht Einheimischen erlaubt. Es müssen so genannte „critical purpose reasons vorliegen, um nach Neuseeland reisen zu dürfen:

  • Lebenspartner von Neuseeländern werden unter bestimmten Voraussetzungen reingelassen.
  • Work Visa Halter, die normalerweise in Neuseeland leben, also quasi Einheimische dürfen ebenso unter gewissen Voraussetzungen nach Neuseeland zurück.
  • Critical health workers, also zum Beispiel Ärzte, Krankenpfleger und andere Gesundheitsberufe.
  • Humanitäre Fälle, also zum Beispiel wenn enge Verwandtschaft hier im Sterben liegt oder ähnlich drastische Umstände
  • Other critical workers, also zum Beispiel Techniker und Ingenieure, die benötigt werden, um nach Neuseeland importierte Maschinen hier zu installieren.

Die Voraussetzungen, die für die oben genannten Ausnahmen verlangt werden, müssen 100 Prozent erfüllt werden. Ermessen wird kaum ausgeübt – wer nicht in die vorgegebenen Schablonen passt, muss zu Hause bleiben. Wie gesagt: kompromisslos!

In der Zukunft kann man damit rechnen, dass sich langsam weitere Türen öffnen. Aber eben nur solange die Quarantänekapazitäten nicht strapaziert werden. So erlaubt die Regierung seit kurzem gewissen Studenten, die hier schon einen Studienplatz haben, nach Neuseeand zurückzukehren. Der Druck der Universitäten, Polytechnics und Schulen auf die Regierung ist groß, denn die Institutionen sind sehr stark auf die International Student Fees angewiesen, um überleben zu können. Es wäre daher nicht überraschend, wenn Studenten als erste wieder nach Neuseeland kommen dürfen.

Vorerst ist aber Geduld angesagt, wie für fast alle, die sich Neuseeland als Reise- oder Auswanderungsland ausgesucht haben. Wenn Sie Ihre Pläne genauer besprechen wollen, können wir gerne ein Beratungsgespräch arrangieren!

Einwanderung bei Wahlen außen vor

Investoren sind die Gewinner in der Krise

Stand, 02. Oktober 2020

Die Wahlen in Neuseeland stehen bevor und die großen Parteien halten sich bezüglich der künftigen Immigrationspolitik in ihren Wahlprogrammen bedeckt. „Das gab es die letzten Jahrzehnte noch nie, dass die Politik in Schockstarre verfällt und sich niemand traut, neue Absichten oder mögliche Änderungen bezüglich der Einwanderung nach Neuseeland offiziell in seinem Wahlprogramm bekanntzugeben“, erklärt der Immigrationsberater Peter Hahn mit Kopfschütteln. Dennoch geht die Bearbeitung von einigen Anträgen im überlasteten System weiter. Investoren gehen momentan als Gewinner der Situation hervor.

 

Wahlprogramm ohne Einwanderungspolitik

Neuseeland befindet sich derzeit in einer Rezession und steht im Gegensatz zum Nachbarland Australien wirtschaftlich schlechter da. Mitte Oktober finden die Parlamentswahlen statt und weder Labour noch die National Partei gehen das Risiko ein, sich pro oder kontra Einwanderung festzulegen. Ein Wahlprogramm ohne das sonst so bedeutende Thema Immigrationspolitik ist ungewöhnlich. „Das Risiko durch die eine oder andere Tendenz Wählerstimmen zu verlieren, ist den Parteien scheinbar zu groß“, kommentiert Peter Hahn die Situation. Nur die rechtsgerichtete Partei NZ First erwähnt, dass die Einwanderungsquote auf 15.000 pro Jahr reduziert werden solle. Die Grünen haben immerhin ein zweiseitiges Dokument zur künftigen Migrationsabsicht in ihrem Manifest. „Es ist verrückt und enttäuschend zugleich“, erklärt auch David Cooper, von Malcom Pacific Immigration in den neuseeländischen Medien. Neuseeländische Firmen müssen wissen, ob sie nun Zugriff auf ausländische Fachkräfte bekommen können, wenn die notwendige Expertise in Neuseeland fehlt. Momentan wird nur eine Grenzkontrolle betrieben, das ist keine Einwanderungspolitik!“

 

Backlog und die Corona-Pandemie

Hinzu kommt, dass der Berg von unbearbeiteten Anträgen immer größer wird. „Schon jetzt ist der sogenannte Backlog groß genug, um eine typische Einwanderungsquote für zwölf Monate zu füllen. In den letzten zwei Jahren konnte man sich aber selbst innerhalb der Koalitionsregierung nicht auf eine neue Jahresquote einigen. So kann nicht weiter verfahren werden“, gibt auch der langjährige deutsche Immigrationsberater Peter Hahn zu bedenken. Solange NZ First mit in der Regierung sitzt, wird es schwierig werden für jede Partei, auf Herausforderungen der Migrationspolitik zu reagieren. Wird ein Problem gelöst, kreiert sich ein neues und so passiert gar nichts mehr.“

Durch den Lockdown nach Covid19 kam die Bearbeitung aller Anträge aus dem Ausland für viele Monate komplett zum Erliegen. Auf der anderen Seite gewinnt Neuseeland durch sein gutes Management in der Pandemie-Situation an Popularität. „Man hat die Situation hier gut im Griff und das Leben hier fühlt sich wirklich normal an. Restaurants und Schulen sind offen, nur die Grenzen sind eben zu“, beschreibt Peter Hahn die momentane Lage. Im Vergleich zum Rest der Welt führt diese Normalität zu großem Interesse an Aotearoa als Auswanderungsort. Seit April sind deshalb bereits mehr als 40.000 Neuseeländer, sogenannte Expats, im Ausland lebende Kiwis, in ihre Heimat zurückgekehrt. „Für uns als Einwanderungsberater ist es momentan jedoch wahnsinnig schwierig, die Interessierten wirklich zu beraten. Was heute Gesetzesgrundlage ist, kann sich in wenigen Monaten bereits geändert haben. Welche Regelungen gelten dann in ein paar Monaten? Selbst wenn man ein temporäres Arbeitsvisum bekommt, hat man damit auch langfristig die Möglichkeit zu bleiben? Diese Ungewissheit schreckt manche, dringend benötigte Fachkräfte, ab. Die Einwanderungspolitik ist nahezu unvorhersehbar geworden, keiner weiß wirklich, was passieren wird. Nicht einmal die Insider in der Regierung oder bei Immigration New Zealand wissen, wie es weitergeht.“

 

Investoren sind die Gewinner

Grundsätzlich werden derzeit nur Visa bearbeitet, die von Antragstellern eingereicht werden, die sich bereits in Neuseeland befinden. „Hierbei gibt es jedoch zwei Ausnahmen – Partnerschafts Visa und Investoranträge. Monatelang passierte gar nichts, jetzt haben wir gleich drei ‚Invitations to Apply‘ erhalten. Man kann dann offiziell alle nötigen Unterlagen einreichen. Das ist ein deutliches Zeichen, dass man sich doch um die finanzkräftigen Antragsteller bemüht hier in Neuseeland.“ Aus seinen über 25 Jahren Arbeitserfahrung weiß Peter Hahn auch, dass gerade diese Antragsteller eine Auswanderung oft langfristig planen. „Das passt jetzt natürlich super in die momentane Lage, denn wenn der Antrag bearbeitet wird, hat man letztendlich mehrere Jahre Zeit, bis man dann wirklich umzieht. Da die Grenzen ja zu sind, wird es jetzt so gehandhabt, dass wir für unsere Investorkunden zwar Anträge genehmigt bekommen, das eigentliche Visum aber erst erteilt wird, wenn sich die Grenzen irgendwann einmal wieder öffnen.“ Dennoch bedeutet das für alle Interessierten, die mit Hilfe ihres Kapitals auswandern können: Momentan stehen die Chancen deutlich besser nach Neuseeland einwandern zu können als für viele andere.

Neuseelands Zukunftsaussichten

Covid19 – Der Einfluss der Pandemie auf  Einwanderung und Neuwahlen

Stand 17. August 2020

Neuseeland als Einwanderungs-Domizil wird immer attraktiver. Es ist das einzige Land, welches Covid19 tatsächlich im Griff zu haben scheint. In Aotearoa fand sogar das Leben über 100 Tage lang ganz normal statt, die Schulen waren geöffnet, es gab keine Abstandsregelungen, keine Maskenpflicht. Egal ob ein entspannter Restaurantbesuch, ein Abend beim beliebten Rugbyspiel oder ein Konzertevent – alles war möglich. Vor wenigen Tagen wurden dann vier neue Corona-Fälle in Auckland entdeckt. Jetzt ändert sich das Leben auch für die Neuseeländer wieder. Doch der Einfluss der Covid19-Pandemie auf Neuseelands Alltag ist viel geringer als in Deutschland. Nur beim Thema Einwanderung und die anstehenden Parlamentswahlen sieht es schwieriger aus.

„Normalerweise konkurrieren die USA, Kanada und Australien um die begehrten Einwanderer, Neuseeland liegt nur an vierter Stelle“, erklärt der Neuseeland-Experte und langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington. „Durch das gute Corona-Management unserer Premierministerin Jacinda Ardern haben wir ganz wenige Corona-Fälle im Land und damit steigt der Beliebtheitsgrad von Neuseeland in Zeiten der weltweiten Katastrophenmeldungen über die Pandemie deutlich.“

 

Neue Covid19-Fälle im Corona-freien Land

Jetzt nach Monaten des Corona-freien Alltags in Aotearoa sind erneut vier Fälle von Betroffenen in Auckland aufgetaucht. Doch das könnte erst der Anfang sein, denn Experten vermuten, dass das Virus bereits einige Wochen in der Millionenmetropole vorhanden ist. Die Zahl der infizierten stieg binnen 48 Stunden bereits auf 17 an. Die Quelle des Erregers ist noch nicht ganz klar, doch die Vermutung liegt nahe, dass es Einreisende waren, die unerlaubter Weise aus Quarantänehotels ausgebrochen waren, Sicherheitspersonal an Flughäfen oder Quarantäneunterkünften oder andere Personen, die mit den Reisenden oder Kiwi-Rückkehrern in Berührung kamen. Immer wieder sorgen Ausnahmeregelungen für Unmut und machen Negativ-Publicity in der Presse. Ein Flugzeug voll Animationsspezialisten, die für die Avatar-Filme von James Cameron eingeflogen wurden, Immigranten mit Sondergenehmigungen, Bauexperten – obwohl offiziell im Augenblick nur neuseeländische Staatsbürger und Residents einreisen dürfen, kamen über die letzten Wochen unzählige Menschen ins Land. Das Inseldasein und somit die Grenzkontrollen sind in Neuseeland sicherlich einfacher durchzuführen als beispielsweise in Deutschland, doch ganz verschließen kann auch das kleine Land seine Tore zur Welt nicht. Auckland bekam jetzt erneut den Lock down in Alert Level 3, der Rest Neuseelands verharrt nun für zwei Wochen in Alert Level 2. Wo man noch vor Tagen die Grenzen für Cook Island-Bewohner öffnen wollte, um die Erntehilfe der kommenden Saison sicher zu stellen, ist jetzt an Einwanderung, auch temporärer Migranten, erst einmal nicht mehr zu denken.

 

Status Quo der Einwanderung im August 2020

Schon lange stand die neuseeländische Einwanderungsbehörde unter Beschuss. Der Immigrationsminister Ian Lees-Galloway wurde mittlerweile durch Chris Faafoi ersetzt. „Die wichtigste Information für Einwanderungsinteressierte ist: Derzeit werden nur Anträge von Personen bearbeitet, die bereits vor Ort in Neuseeland sind“, berichtet Peter Hahn von der aktuellen Einwanderungssituation in Neuseeland. „Das sind beispielsweise Leute, deren Arbeitsvisum ausläuft oder die mit einem Arbeitsvisum im Land sind und die Residency (uneingeschränkte Aufenthaltserlaubnis) beantragt haben.“ Zudem existiert seit 2018 aus diversen Gründen bei Immigration New Zealand ein Backlog, ein Rückstau von Skilled Migrant Anträgen, deren Zahl sich mittlerweile auf über 38.000 beläuft. Neuseeland kämpfte schon vor der Corona-Pandemie mit Altlasten. „Viele dieser oft über eineinhalb Jahre alten Anträge in der Warteschleife sind von ehemaligen Studenten aus China oder Indien. Mit einem Student Visa konnten seit der Einführung vor 15 bis 20 Jahren bis vor rund einem Jahr viele junge Menschen relativ einfach nach Neuseeland kommen, hier studieren, dann arbeiten und letztendlich auf diesem Weg auch einwandern. Das waren allerdings häufig unerfahrene Arbeiter, die oft auf nicht so hohem Bildungslevel standen“, weiß der Einwanderungsberater. Durch diverse Änderungen im Immigrationsrecht gelten ähnliche Regelungen jetzt nur noch für Studenten, die an den Universitäten ihre Ausbildung machen und mindestens mit einem Bachelor abschließen.

 

Geplante Änderungen im Zuge der Neuwahlen

Viele Anzeichen sprechen dafür, dass die Labour-Premierministerin Jacina Ardern bei den Neuwahlen Mitte September wiedergewählt wird. „Ein Blick in ihr Wahlprogramm gibt uns Einwanderungsberatern dann auch einen groben Kurs für die nächsten Monate und Jahre an“, verrät Peter Hahn. „Wo man früher eher auf junge Einwanderer setzte, würde Labour dann die Punkteanzahl für die unterschiedlichen Alterskategorien verändern. So hofft man in Kombination eines Mindestgehalts von 25,50 NZ$ pro Stunde auf erfahrenere und qualifiziertere Immigranten in der Skilled Migrant Kategorie. Bisher stuft man beispielsweise das Alter der Bewerber bis 39 Jahre ein und vergibt dafür 30 Punkte, 40 bis 44-Jährige erhalten 20 Punkte, danach gibt es nur noch zehn Punkte und so weiter. Der neue Plan wäre, den Antragstellern bis 45 Jahre einheitlich Punkte zu geben, also keine Jüngeren mehr zu bevorzugen.“ Auch ein Studium soll dann keine Bonuspunkte mehr bringen. Die Listen der gesuchten Berufe würden nach Wunsch von Labour zudem regionaler werden, damit die ausländischen Fachkräfte tatsächlich dort ankommen, wo sie dringend gebraucht werden.

 

Aussichten für deutsche Einwanderer

„Eigentlich sind die geplanten Änderungen im Einwanderungsrecht, die Labour bei einer Wiederwahl umsetzen möchte, ganz im Sinne meiner deutschen Kunden“, berichtet Peter Hahn. „Wir haben so gut wie keine Klienten, die nicht die erforderlichen Mindestgehälter verdienen und Alter und Berufserfahrung erfüllen sie zumeist auch. Insofern sieht es langfristig gar nicht schlecht aus!“ Der einzige Negativaspekt im Augenblick ist die anhaltende Schließung der neuseeländischen Grenzen. „Momentan kommen weder Touristen noch deutsche Bewerber ins Land, die noch in Europa oder sonst irgendwo auf der Welt sind. Wie schon erwähnt, werden momentan deshalb auch nur Anträge von Leuten der langen Warteliste abgearbeitet, mit Priorisierung der Antragsteller, die sich bereits in Neuseeland befinden. Häufig beantragen wir das Work Visa und das Residence Visa gleichzeitig, denn ein Arbeitsvisum geht immer noch viel schneller als die Bearbeitung eines Residence Antrags. Im Moment werden aber leider keinerlei Anträge aus Deutschland bearbeitet – auch wenn es immer wieder Ausnahmen und umstrittene Sondergenehmigungen gibt. Für meine deutschen Kunden heißt das im Augenblick, Geduld haben und einfach schon mal vorbereitende Maßnahmen für die Einwanderung treffen“, so der Neuseeland-Experte. „Da kann man in vielen Fällen schon einiges hinter den Kulissen unternehmen und die Zeit sinnvoll nutzen.“

 

Einreise trotz Grenzschließung

„Trotz der Grenzschließungen können Expats, also Kiwis, die im Ausland gelebt haben (davon gibt es rund eine Million), zurück in ihre Heimat kommen“, erklärt Peter Hahn. „Und das tun aufgrund der weltweiten Lage mit Covid19 auch sehr viele. Neuseeland ist und bleibt beliebt. Die Regierung regelt jedoch strikt, wer wann einreisen darf, denn die Gesamtzahl ist derzeit auf 228 in Auckland und Wellington begrenzt. Jeder Einreisende muss für zwei Wochen in streng überwachte Quarantäne-Einrichtungen und wird mehrfach auf das Corona-Virus getestet. „Bislang zahlte diesen Aufenthalt die Regierung, künftig müssen viele der Einreisenden jedoch rund 3.100 NZ$ (etwa die Hälfte) aus eigener Tasche begleichen“, erklärt der Neuseeland-Experte die aktuelle Entwicklung. Immer wieder bringen Einreisende Covid19 in die Quarantäneunterkünfte. Bislang glaubte man, durch die verschärfte Überwachung und die strikten Regulierungen das Virus auf diese Weise sehr gut isolieren zu können, so dass keine wirkliche Bedrohung für den Rest des Landes bestehe. „Allerdings zeigt der aktuelle Ausbruch nun wieder ein ganz anderes Bild“, gibt Peter Hahn zu bedenken. „Immigranten sind in so einer Situation natürlich das letzte, woran die Regierung denkt. Sie konkurrieren mit Neuseeländern auf dem ohnehin schon angespannten Arbeitsmarkt und bergen das Risiko, das Virus immer wieder erneut mit ins Land zu bringen. Auch wenn das natürlich langfristig kurzsichtig gedacht ist, spiegelt das leider die momentane Lage wider.“

Die neuseeländische Regierung möchte die Pandemie um jeden Preis kontrollieren, sogar ganz ausmerzen, weshalb auch nur bei einer verhältnismäßig kleinen Anzahl voll Fällen sofort scharf reagiert wird. „Und für Einwanderungsinteressierte, bedeutet das erst einmal Ausharren und nur im Hintergrund die Immigrationspläne vorzubereiten“, resümiert der erfahrene Einwanderungsberater. Offiziell bleiben die Grenzen weiterhin für die breite Masse geschlossen.

Neuseeland hat die Nase vorne

Weltvergleich: 4. Platz bei OECD-Länder-Studie

Stand Juni 2019

Was macht Neuseeland so attraktiv für Einwanderer, Geschäftsleute und Studenten aus aller Welt? Die neuste OECD-Länder-Studie nimmt die unterschiedlichsten Gesichtspunkte unter die Lupe. Doch häufig unterscheiden sich die rein statistischen Faktoren für viele Deutsche von den wahren Einwanderungsgründen.

OECD ist die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, in der 36 Mitgliedstaaten zusammengeschlossen sind.

In Kooperation mit der Bertelsmann-Stiftung erstellte die OECD nun erneut eine Studie, in welchen Ländern hochqualifizierte Zuwanderer die besten Chancen vorfinden, wo sie besonders willkommen sind und wo man mit seinen Qualifikationen am ehesten Fuß fassen kann. Das kleine Neuseeland liegt in vielen Punkten weit vor Deutschland.

Zu Migranten werden in der Studie sowohl Arbeitskräfte wie auch Unternehmer und Studenten gezählt. Im Verfahren werden bestimmte Bedingungen für talentierte Einwanderer in den Mitgliedstaaten verglichen, sowie deren Attraktivität für verschiedene Migrantengruppen. Bewertet wurden unter anderem die Aufstiegschancen, das Einkommen und die Steuern, die Zukunftsperspektiven für Migranten, das soziale und Familienumfeld, Bildungs- und Qualifikationsmöglichkeiten im Land, sowie die gesellschaftlichen Integrationschancen und ganz generell, die Lebensqualität. Jeder der sieben Indikatoren wurde wiederum in bestimmte Bewertungsfaktoren unterteilt, wie beispielsweise die Arbeitslosenquote, die Steuerrate für Großverdiener, die Ergebnisse der Pisa-Studie im Bereich Mathematik oder die Gleichberechtigung der Geschlechter.

In der Gesamtauswertung liegt so Australien im Ländervergleich auf Rang 1 vor Schweden, der Schweiz und Neuseeland auf Platz 4. Deutschland hat es nur auf den 12. Platz geschafft.

„Wenn wir Deutsche fragen, wohin sie am liebsten auswandern, dann spielen ganz andere Faktoren eine Rolle“, erklärt der deutsche Einwanderungsberater Peter Hahn. „Zunächst einmal spielt die Sprache eine Rolle. Insofern kommen meist überhaupt nur englischsprachige Länder in Frage. Dann sollte eine stabile Wirtschaftslage gegeben sein, und die Kultur sich nicht gänzlich von unserer westlichen Lebensweise unterscheiden. So sind die Favoriten neben den USA und Kanada, eben Australien und Neuseeland.“

Im Ländervergleich werden auch die verschiedenen Migrantengruppen unter die Lupe genommen. Für Studierende ist beispielsweise die Schweiz am attraktivsten, gefolgt von Norwegen und Deutschland.

Aufgrund der hohen Studiengebühren für Ausländer landen hingegen Kanada, Australien, Neuseeland und Großbritannien weiter hinten. Dies ist jedoch die einzige Sparte, in der Deutschland besser abschneidet als Neuseeland.

Es wird beispielsweise auch in potenzielle Migranten mit Master oder Doktortitel unterschieden. Für Unternehmer und Existenzgründer sieht das Ranking ganz anders aus als bei Studierenden. Hier finden Bewerber in Kanada die besten Voraussetzungen, dicht gefolgt von Neuseeland, der Schweiz, Schweden und Norwegen. „Neuseeland macht man es Geschäftsgründern wirklich sehr einfach, ein Business zu eröffnen. Auch die Steuergesetzgebung ist wesentlich unkomplizierter als in Deutschland“, weiß Peter Hahn.

Mit dem Vergleich der OECD-Länder nach den unterschiedlichsten Indikatoren können Interessierte nun die Stärken und Schwächen jedes einzelnen Landes aus der Sicht der Zuwanderer kennenlernen. Die Webseite der OECD-Studie erlaubt sogar eine eigene Gegenüberstellung zweier ausgewählter Länder im direkten Vergleich.

„So eine Studie ist aber natürlich eine sehr nüchterne Betrachtung bestimmter Faktoren. Für viele Deutsche zählen da wesentlich subjektivere Beweggründe, wie beispielsweise die atemberaubenden Landschaften, die eindrucksvolle Natur und die freundlichen, offenen Menschen hier. Die wenigsten deutschen Einwanderer kommen wohl nach Neuseeland, um Karriere oder das große Geld zu machen“, erklärt Peter Hahn aus seiner Erfahrung. „Wer allerdings genügend Geld, so rund 3 Millionen NZD, etwa 1,8 Millionen Euro mitbringt und hier anlegt, der kann so sogar über die Investor Kategorie einwandern und durch die hohen Zinserträge im Land bequem davon leben.“

Mittlerweile gibt es einen internationalen Wettkampf um die Talente auf dem Weltmarkt. „Dieser Trend wird sich bei besonders cleveren Migranten aus gefragten Zukunftsbranchen in den nächsten Jahren auch noch verstärken“, erklärt auch der langjährige Einwanderungsberater aus Wellington. Die Forscher fordern deshalb eine genaue Beobachtung der weltweiten Migration von hochqualifizierten Arbeitskräften. Denn wenn viele schlauen Köpfe ihr Herkunftsland verlassen, kann das schwerwiegende Folgen für die ursprüngliche Heimat haben, besonders wenn es sich um weniger entwickelte Länder handelt. Bei Bedarf müssten dann die OECD-Staaten besondere Instrumente entwickeln, um die internationale Mobilität und die gerechte Verteilung der Talente auf dem Weltmarkt besser steuern zu können.

Das wichtigste Ergebnis der OECD Studie zeigt im Fazit, dass hochqualifizierte Arbeitskräfte die besten Arbeits- und Lebensbedingungen in Australien, Schweden, der Schweiz, Neuseeland und Kanada finden. Am unattraktivsten hingegen sind Israel, Japan und die Türkei.