Einwanderungsland Neuseeland

Neuseeland war schon immer ein Einwanderungsland. Selbst die Maori sind, streng genommen, Einwanderer von den polynesischen Inseln. Sie haben Neuseeland nachweislich erstmals vor ca. 800 Jahren besiedelt. Die ersten Europäer kamen im Dezember 1642. Allerdings war der erste Aufenthalt der Europäer nur sehr kurz, denn der Holländer Abel Tasman und seine Besatzung kamen mit den Einheimischen nicht zurecht. Die Einheimischen Maori hatten dann über 126 Jahre Ruhe, bis der Brite, James Cook, und seine Crew von Wissenschaftlern und Seeleuten Neuseeland im Juli 1769 wiederentdeckte, erforschte und kartographierte. In den folgenden 100 Jahren ließen sich einige wenige Abenteurer und Missionare in Neuseeland nieder. Erst ab rund 1850 kann man aber von einer nennenswerten Besiedlung durch Europäer reden.

Initiator und Organisator der systematischen Besiedlung von den britischen Inseln aus, war die New Zealand Company, dessen Gründer, Edward Gibbon Wakefield, nach dem hier in Neuseeland viele Strassen benannt sind, Unternehmer und Geschäftsmann war. Als Geschäftsmann wollte Wakefield natürlich Profite machen. Die wurden durch den Verkauf von Land generiert, das die New Zealand Company vorher von den Maori billig erworben hatte. Da es in Großbrittannien zu der Zeit einen Überschuss an Kapital und guten Arbeitskräften gab, sprach er mit seiner Auswanderungskampagne gezielt Investoren und qualifizierte Arbeitskräfte an. Die Überfahrt für die ausgewählten Arbeiter war umsonst – finanziert durch die Profite des Landverkaufs.

Das war der Anfang der sog. “assisted migration”, die in unterschiedlichen Formen bis 1975 überlebte. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es in Neuseeland großen Bedarf für Arbeitskräfte. Zwischen 1947 und 1971 liessen sich über 76.000 Einwanderer aus Großbrittanien in Neuseeland nieder. In den 50er Jahren wurde die assisted migration auch auf andere europäische Länder ausgeweitet. Die meisten Einwanderer kamen aus Holland (über 6000 zwischen 1951 und 1963) aber auch die Deutschen, Österreicher und Schweizer waren vertreten. Aus Deutschland kamen zwischen 1957 und 1969 250 Einwanderer, aus Österreich sogar über 300 und aus der Schweiz über 200.

Seit 1987 gilt ein Einwanderungsrecht, das nicht mehr nach den verschiedenen Herkunftsländern differenziert. Gleichgültig, ob man aus China, England oder Deutschland kommt, die Einwanderungsbedingungen sind dieselben. Lediglich Australier und Polynesier werden bevorzugt behandelt. Das hat dazu geführt, dass die Mischung der Einwanderer sich seit den 90iger Jahren deutlich verändert hat. Neuseeland hat sich von einer bikulturellen Gesellschaft (Maori und Engländer) zu einer multikulturellen Gesellschaft entwickelt. 23 % der neuseeländischen Bevölkerung ist (laut World Migration Report, 2018) im Ausland geboren und fast jeder vierte aller Berufstätigen sind Migranten (laut Briefing for the Incoming Minister of Immigration, 26 October 2017). Neuseeländer sind selber auch begeisterte Migranten. Nach Schätzungen sollen über 1 Million Neuseeländer im Ausland leben – eine beachtliche Zahl, bei einer Gesamtbevölkerung von nur cirka 4,7 Millionen! Nur die irische Diaspora ist größer als die Neuseelands. 14,1 % der neuseeländischen Bevölkerung lebt im Ausland, während es bei den Iren sogar 17,5% sind (Quelle).