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Einwander-Versuch in Corona-Zeiten

Möglich oder sinnlos?

 Mit geschlossenen Grenzen, nur wenigen internationalen Flügen und limitierten Plätzen in dezidierten Quarantäneeinrichtungen scheint es zunächst schier unmöglich, nach Neuseeland einzureisen. Dennoch bearbeitet Peter Hahn derzeit Visa- und Resident-Anträge von Deutschen, die gerne nach Neuseeland einwandern möchten. Die Lage scheint also nicht gänzlich aussichtslos, denn wie immer gibt es Ausnahmen.

Drei Unbekannte für Einwanderungsinteressierte

Derzeit gibt es drei Unbekannte, welche die Einschätzung der Einwanderungschancen für Interessierte schwierig gestalten.

Zunächst hat das Immigrationssystem mit vielen Altlasten der vorangegangenen Legislaturperiode zu kämpfen. „Durch die Koalition von Labour mit der NZ First Partei ist in den vergangenen zwei Jahren in Sachen Einwanderung nahezu nichts passiert“, erklärt Peter Hahn die momentane Situation. „Normalerweise wird alle zwei Jahre von der Regierung eine Einwanderungsquote festgelegt. Doch die Parteien konnten sich auf nichts einigen, unter anderem deshalb blieben viele Anträge einfach liegen. Momentan dauert die Bearbeitung eines Residence Antrags an die zwei Jahre!“ Der sogenannte Backlog, führt zu erheblichen Wartezeiten und seit der Wahl ist noch keine neue Einwanderungsquote festgelegt worden.

Eine weitere Unbekannte für Einwanderungsinteressierte ist der Stand der Immigrationsregularien, welche die Labour-Regierung nach und nach neu erarbeiten möchte. So sollen 2021 die Work Visa Policy, die Investor Category und auch das Punktesystem überarbeitet werden. „Wir können zum jetzigen Zeitpunkt nur in die Wahlprogramme der Labour Partei blicken, um zu erahnen, in welche Richtung die neue Regierung entscheiden wird“, erklärt der Einwanderungsberater mit seinen über 25 Jahren Berufserfahrung. „Die angestrebten Regelungen haben jedoch keinen großen Einfluss auf die meisten meiner Kunden“, kann er beruhigen. „Viele Maßnahmen zielen auf weniger qualifizierte Antragsteller ab, für welche es dann schwieriger werden wird, nach Neuseeland einzuwandern. Die meisten Deutschen haben gute Qualifikationen, eine solide Ausbildung und bringen entsprechende Berufserfahrung mit, so dass sie von geplanten Änderungen im Wesentlichen unberührt sein sollten.“

Das dritte große Fragezeichen derzeit ist die Covid-19-Pandemie. Wie lange werden die Grenzschließungen noch andauern und wann wird es für Ausländer wieder möglich sein, ohne Sonderregelungen nach Neuseeland einzureisen? „Dies sind Faktoren, die von niemandem beeinflussbar sind und somit zu mehr Unplanbarkeit in den einzelnen Einwanderungsverfahren führen können“, so Peter Hahn stirnrunzelnd.

Ausnahmen bestätigen die Regel

„Ich habe einige wenige Kunden, für die es trotz Grenzschließung möglich ist, von Deutschland nach Neuseeland einzureisen und dann sogar entsprechende Visa-Anträge zu stellen.“ Experten, deren Arbeitskraft dringend im Gesundheitswesen gebraucht wird, haben derzeit in Ausnahmefällen die Möglichkeit, per Sonderreisegenehmigung nach Neuseeland einzureisen. „Zunächst benötigen die Antragsteller eine neuseeländische Berufszulassung, die dann mit recht großem Aufwand von Deutschland aus organisiert werden muss. Dann können sich die Gesundheitsexperten, wie in einigen Fällen beispielsweise Ergotherapeuten oder Nuklearmediziner, einen Job in Neuseeland organisieren. Das ist das geringste Problem“, erklärt der Einwanderungsberater. Auch qualifizierte Veterinäre werden dringend gesucht. „Mit diesen Papieren in der Tasche reiche ich zunächst ein sogenanntes Request for travel to New Zealand ein, woraufhin wir dann eine Invitation to Apply für ein sogenanntes Critical Purpose Visitor Visa erhalten, mit welchem die Personen dann einreisen können. Erst wenn sie hier vor Ort sind, kann ich dann ein Work Visa für sie beantragen.

Quarantäne-Debakel

Eine Hürde bei den Reisevorbereitungen ist jedoch das Management eines Fluges in Kombination mit einer Sonderreisegenehmigung und im gleichen Zeitraum die Organisation eines Platzes in einer der gemanagten Quarantäne-Einrichtungen. Denn jede Person, die einreist, muss in Neuseeland zunächst zwei Wochen in Quarantäne. In den Medien wird immer wieder berichtet, dass Fachpersonal nicht einreisen kann, weil über Monate keine freien Quarantäne-Zimmer mehr buchbar seien. Reisende scheinen aus Panik gleich mehrere Plätze zu buchen, andere Einreisende treten den geplanten Flug erst gar nicht an. So blieben täglich zwischen acht und sechzehn der wenigen heiß umkämpften Zimmer leer. „Diese Meldungen wiederholen sich hier in den Medien ständig. Allerdings hatte ich auch schon einige Kunden, wie beispielsweise Installateure einer österreichischen Fabrikbaufirma, die mit Sondergenehmigung temporär einreisen und hier arbeiten durften. Keiner von ihnen hatte Probleme bei der Organisation der Quarantäneplätze“, berichtet Peter Hahn aus seiner Erfahrung. „Vielleicht gibt es Probleme, wenn man an bestimmten Tagen einen Platz braucht und daher unflexibler suchen muss.“

Zudem kommen etwa 3.600 NZD an Kosten für den vierzehntägigen Aufenthalt in den überwachten Einrichtungen auf die ausländischen Passagiere zu.

Partnership Visa für Multikulti-Paare

Auch für Deutsche, die seit längerem eine feste Beziehung mit einem neuseeländischen Partner haben, gibt es gute Chancen, trotz Grenzschließung nach Neuseeland zu gelangen. „Ganz wichtig ist, dass die Beziehung nicht ‚frisch‘ sein sollte. Also wenn beispielsweise ein Neuseeländer mit seiner deutschen Freundin schon lange Zeit zusammenlebt und gerade in Deutschland ist, kann das Paar auch mit ihren Kindern, nach Neuseeland umziehen“, weiß der Einwanderungsberater. „Zunächst gilt es, das Request for travel to New Zealand zu beantragen. Das ist kein Visum! Danach erhält man eine sogenannte Invitation to apply für ein Critical Purpose Visitor Visa. Das eigentliche Partnerschafts-, Work- oder Resident Visa können wir dann erst beantragen, wenn die Kunden hier in Neuseeland sind!“

Ein Plus für interessierte Investoren

Die Unterlagen von Investoren sind derzeit die einzigen Visa-Anträge von Personen, die sich außerhalb Neuseelands befinden, die überhaupt bei der Immigrationsbehörde bearbeitet werden. „Wer also noch in Deutschland lebt und über entsprechende finanzielle Mittel verfügt, der kann sein Einwanderungsverfahren jederzeit starten oder vorantreiben. Denn bis zur Erteilung der Visa kann es einige Zeit dauern. Selbst wenn das Verfahren genehmigt wird, werden die eigentlichen Visa ausgesetzt und erst dann erteilt, wenn die Grenzen Neuseelands wieder aufmachen und eine Einreise möglich wird“, erklärt Peter Hahn. „Insofern machen hier vorbereitende Maßnahmen absolut Sinn momentan.“

Studenten, Hängengebliebene und langfristige Einwanderer

Wer plant, nach Neuseeland zurück zu gehen, um ein Studium fortzusetzen, kann ebenfalls schon entsprechende Vorbereitungen treffen. „Momentan liegt der Fokus ausschließlich auf Studenten, die schon oder noch ein gültiges Student Visa haben und hier schon angefangen hatten, zu studieren. Viele sind aus den unterschiedlichsten Gründen vor dem Lockdown im Ausland hängen geblieben. Diese sollen nach und nach wieder reingelassen werden. Ob und wann neue Studenten wieder einreisen dürfen, ist momentan noch reine Spekulation. Es spricht dafür, dass Studenten bessere Chancen auf eine frühere Einreise als Touristen haben, denn die Unis und Polytechnics und zum Teil auch Secondary Schools hatten sich sehr an die hohen Studiengebühren der Ausländer gewöhnt, die nun fehlen. Zudem sind die Zahlen der Studenten überschaubarer als die etwaiger Touristen aus aller Welt“, so der Einwanderungsberater.

Peter Hahn kümmert sich derzeit auch um einige Antragsteller, die durch den strengen Lock down in Neuseeland hängengeblieben sind. „Wer hier in Neuseeland hängengeblieben ist, weil die Grenzen geschlossen wurden, bekam sein Besuchervisum immer wieder verlängert. Ich habe mehrere Kunden mittlerweile, die beispielsweise auf Weltreise waren und so nun schon seit über einem Jahr in Neuseeland sind. Einige davon haben sich entschlossen, aufgrund der drastischen Corona-Situation in Deutschland und der entsprechenden Ansteckungsgefahr, hierzubleiben.“ Da die Kunden bereits vor Ort sind, werden ihre Visa-Anträge von Immigration New Zealand bearbeitet.

Für alle andere Interessierten heißt es, erst einmal mit Geduld abzuwarten. „Für mache Bewerber kann es sich lohnen, zumindest vorbereitende Maßnahmen für die Einwanderung zu treffen“, erklärt der Neuseeland-Experte. „Dazu kann beispielsweise gehören, jetzt schon einmal seine Ausbildung bewerten zu lassen.“

Die Aussichten, nach Neuseeland einzuwandern, um der Pandemie zu entkommen, sind derzeit nicht für Jedermann rosig. Doch einige Bewerber haben tatsächlich ganz gute Chancen. „Gemessen an der Tatsache, dass viele Verfahren derzeit nicht möglich sind und einzelne Schritte und Regularien zum jetzigen Zeitpunkt schwer planbar sind, habe ich verhältnismäßig viele Anfragen momentan. Das Interesse an Neuseeland ist ungebrochen!“

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