Die Aussichten für 2022 sind positiv

Visa-Anträge werden wieder bearbeitet

Neuseeland hat mittlerweile ein Impfquote von gut 90 Prozent wie von der Regierung prognostiziert. Die Arbeitslosenquote ist extrem niedrig und überall fehlt es an Fachpersonal. Positiv nun, die ersten Visa-Anträge im Ausland lebender Antragsteller werden derzeit von der Immigrationsbehörde nach langen Verzögerungen wieder bearbeitet. „Die Zeichen stehen positiv für 2022, dass Einwanderungsinteressierte auch wieder die Möglichkeit bekommen werden, in Neuseeland zu arbeiten oder sogar langfristig einzuwandern“, erklärt der langjährige Immigrationsberater Peter Hahn mit Blick auf das kommende Jahr.

Inländische Anträge im Schnellverfahren bearbeitet

Derzeit werden nur Visa bearbeitet, deren Antragsteller sich bereits in Neuseeland befinden. Die Einwanderungsbehörde bearbeitet seit  1. Dezember Residency-Anträge innerhalb des neu installierten Online-Residence-Schemes. Für manche Immigranten, die bereits in Neuseeland leben, kam diese Nachricht wie ein Lottogewinn. Viele blieben bis nach Mitternacht auf, um ihre Papiere bereits mit der Datumsgrenze und Öffnung des Online-Portals einzureichen. So auch Aucklander Jason Warwick aus Südafrika: „Ich dachte, es würde dann ohnehin Monate dauern, bis Immigration New Zealand meinen Antrag bearbeiten würde.“ Anstelle der angedachten zehn Minuten Bearbeitungszeit, hing er über zwei Stunden über seinem Antrag. Die Webseite der Behörde war durch den großen Ansturm derart überlastet, dass sie zeitweise zusammenbrach, das Laden einzelner Seiten dauerte Minuten. Für viele User war es gänzlich unmöglich, ihre Formulare zu bearbeiten und abzuschicken. So fordern einige Stimmen nun sogar, die Sachlage offiziell untersuchen zu lassen. Umso mehr überraschte es viele Antragsteller, dass ihr Verfahren dann binnen 24 Stunden bearbeitet und die Visa genehmigt wurden. „Es war unglaublich und nach Jahren der Unsicherheit ein echtes Aufatmen“, schließt Jason Warwick. Laut der Behörde bearbeite man die Anträge zuerst, welche zeitkritisch seien, also beispielsweise, wenn bestehende Visa ausliefen. Insgesamt sind bereits rund 6000 inländische Residency Anträge eingegangen und werden von rund 100 Mitarbeitern bearbeitet, erklärte General Manager von Immigration NZ, Geoff Scott.

High Court Urteil erzwingt Antragsbearbeitung auch aus dem Ausland

Per Gerichtsbeschluss stellte unterdessen das High Court in Neuseeland fest, dass es gesetzlich unrechtmäßig gewesen sei, während der Corona Pandemie die Bearbeitung der Resident Visa Anträge vieler Einwanderer einfach auszusetzen und Einwanderern, die Ihr Resident Visa erhielten, während sie im Ausland waren, die Einreise nicht zu erlauben. Ein positives Ergebnis für rund 4000 Residents, denn ihnen ist es jetzt erlaubt, mit ihren Visa nach Neuseeland einzureisen, sofern sie einen Platz in einer der gemanagten Quarantäneeinrichtungen ergattern. Ansonsten müssen sie auf die Öffnung der Grenzen im Februar beziehungsweise April warten. Natürlich müssen auch alle geforderten Covid Auflagen wie Impfung, negativer PCR Test und anderes erfüllt sein.

Ebenso gibt es positive Nachrichten für alle, die noch auf die Bearbeitung ihrer Residence Anträge aus dem Ausland warten. Denn Immigration New Zealand muss nun die offenen Verfahren weiterbearbeiten, noch bevor die Grenzen nächstes Jahr öffnen. So stehen alleine noch rund 2300 Entscheidungen von Resident Visa Anträgen aus dem Ausland zur Bearbeitung aus, die bereits vor der Grenzschließung im März 2020 eingereicht wurden. Die Regierung erklärte zudem, sie werde überlegen, wie man die rund 3000 Menschen nach Neuseeland bringen könnte, die nach den Grenzschließungen ihre Anträge gestellt hatten. „Die Sachbearbeiter von Immigration haben versprochen, uns binnen der nächsten Tage über den Bearbeitungsstand der offenen Verfahren zu unterrichten“, bestätigt auch der deutsche Einwanderungsberater Peter Hahn. Der Immigrationsanwalt Stewart Dalley repräsentiert momentan weitere Antragsteller und hofft, dass das High Court in einer zweiten Anhörung demnächst auch grünes Licht für die zügige Wiederaufnahme der Bearbeitung temporärer Visa gebe. Die Verfahrenswelle hatten ursprünglich mehrere Afghanen losgetreten, die bereits seit über zwei Jahren aufgrund der Pandemie und der mit ihr eingesetzten Restriktionen von ihren Familien getrennt leben. „Es gibt derzeit auch weitere Klagen von Einzelpersonen, die ihre Partner oder Familien seit der Grenzschließung nicht ins Land bringen konnten“, gibt Peter Hahn zu bedenken. „Da passiert gerade eine Menge und die Einwanderungsbehörde gerät unter Zugzwang. Allerdings muss man auch ganz klar sagen, dass sie, selbst wenn sie wollen würden, gar nicht so viele Visa Anträge bearbeiten können momentan. Die Büros in China sind seit Covid19 geschlossen worden, durch die Pandemie wurden weitere qualifizierte Mitarbeiter entlassen. Es fehlt der Behörde derzeit einfach an geschultem Personal!“

August im Kalender notieren

Wann genau welche Personengruppen wieder ins Land dürfen, ist noch nicht klar. Vor allem der finanzielle Druck auf die öffentlichen und privaten Universitäten steigt. Seit Beginn der Pandemie sind nur noch ein Drittel der ursprünglich in Neuseeland Studierenden im Land. Der Bildungssektor ist durch die Grenzschließungen regelrecht eingebrochen. Im April 2020 waren es noch 10.500 ausländische Studenten pro Jahr, Zahlen jetzt zeigten nur noch 4197 zahlende Studierende aus dem Ausland. Insider bemängeln, dass es noch keine offiziellen Aussichten gäbe, wann ausländische Studenten wieder nach Neuseeland einreisen könnten.

Anders sieht es bei der Bearbeitung von internationalen Visa aus. Als offizieller Start der Bearbeitung von Anträgen aus dem Ausland wurde August 2022 genannt. „Es werden hier wirklich in vielen Sektoren dringend Mitarbeiter gesucht, vor allem in Jobs, für die eine höhere Qualifikation gefordert ist. Da gibt es in Neuseeland einfach nicht genügend Fachpersonal“, erklärt Peter Hahn. „So dürfte es auch nicht schwierig werden, wenn ein Antragsteller entsprechende Ausbildung und Erfahrung mitbringt“, wagt der Einwanderungsberater zu spekulieren. Auch wenn sich August 2022 noch nach einer langen Durststrecke anhört, wer zu bestimmte Berufsgruppen gehört, muss gar nicht so lange warten.

Für Eilige – Per Ausnahmeregelung nach Neuseeland

Die Personalknappheit ist vor allem im Landwirtschaftssektor, im Gesundheitswesen und in Tech-Berufen derart drastisch, dass die Regierung nun für hunderte von Facharbeiter per Ausnahmeregelung den Weg nach Neuseeland ebnen will. Mit Hilfe von sogenannten Border Exeptions soll das dringend benötige Personal ins Land gelangen können, wo die Grenzen sonst für Ausländer immer noch geschlossen sind. „Ich habe auch gerade mehrere Kunden, die im IT-Bereich oder in der Gaming Industrie arbeiten und in Neuseeland einen Job gefunden haben. Solche Leute bekommt man auch jetzt gleich ins Land – und zwar auch mit Frau und Kindern“, erklärt Peter Hahn. „Die Border Exeption ist eine Art Besuchergenehmigung, enthält jedoch schon ein Arbeitsrecht und ermöglicht die Einreise nach Neuseeland. Natürlich müssen die Antragsteller geimpft sein, und alle anderen Pandemie-Einreiseauflagen erfüllen und in einer der gemanagten Quarantäneeinrichtungen (MIQ) einen Platz ergattern“, berichtet der Einwanderungsberater. „Sobald sie dann im Land sind, kann ich ein Work Visa für sie organisieren, so kann die Person arbeiten gehen, sobald die 14tägige Quarantäne vorbei ist. Die Kinder können dann in Neuseeland auch schon in die Schule gehen.“ Ob und wann dann die Antragstellung eines Resident Visa möglich ist, kann noch nicht vom Immigrationsberater abgeschätzt werden, denn hier soll es neue Regularien in der Skilled Migrant Kategory geben. „Welche Auflagen es genau sein werden, ist noch nicht bekannt, aber ich gehe mal schwer davon aus, dass die Kategorie nicht abgeschafft wird und die angekündigten Verschärfungen auch eher Lower Level Jobs betreffen werden. Das heißt Ingenieure oder andere hochqualifizierte Arbeitskräfte aus gefragten Branchen werden davon vermutlich nicht betroffen sein. Was allerdings sehr wahrscheinlich ist – es wird eine Mindestlohnforderung geben. Wer weniger verdient in seinem Job, hat dann schlechte Karten.“

Aussichten auf 2022

Die eigentliche Grenzöffnung soll im nächsten Jahr in drei Phasen vonstatten gehen. Im Januar 2022 sollen nach heutigem Stand Neuseeländer selbst wieder ohne zweiwöchige Quarantäne einreisen können, wenn sie zuvor mindestens zwei Wochen in Australien waren. Es steht dann nur noch eine siebentägige Selbstisolation an. Ab Februar gilt gleiches Prozedere für alle Neuseeländer und Permanent Residents, die aus anderen Teilen der Welt einreisen möchten. Die Grenzöffnung für alle anderen ist theoretisch nach dem 30. April wieder möglich. „Ob dann allerdings auch schon wieder Touristen einreisen dürfen unter bestimmten Voraussetzungen und wie sich die Pläne der neuseeländischen Regierung hinsichtlich der neuen Omicron Variante noch verschärfen könnten, ist zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht abzusehen“, gibt Peter Hahn zu bedenken. „Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass die Grenzöffnung wohl gestaffelt nach priorisierten Visa-Kategorien und Berufsgruppen vonstatten gehen wird. Wer also in einem der gesuchten Berufe tätig ist, hat in 2022 mehr als gute Aussichten auf Erfolg, seine Neuseelandpläne in die Realität umzusetzen. Das sind doch gar nicht so schlechten Aussichten für das kommende Jahr!“, schließt der Einwanderungsberater.

Ampelsystem soll Pandemie-Restriktionen regeln

Neuseelands Regierung führt Drei-Phasen-Plan ein

Durch den letzten großen Corona-Ausbruch mit der Delta-Variante in Neuseeland, hat die Regierung nun reagiert und weicht von ihrer einstigen Eliminierungsstrategie ab. Wie das Land mittels eines Ampelsystems in der Pandemie in Zukunft gemanagt werden soll und was das für die Grenzöffnung und neu geplante Einwanderungsrichtlinien bedeutet, erklärt der langjährige Immigrationsberater und Neuseelandexperte Peter Hahn aus Wellington.

„In einer Welt, in der es immer mehr Covid-Fälle gibt, aber auch immer mehr Geimpfte, müssen wir unsere Strategie an die Lage anpassen“, erklärte Chris Hipkins, der eigens für die Bekämpfung von Covid19 eingesetzte Minister. Besonders hart und am längsten hat der letzte Lock down die Millionenmetropole Auckland getroffen, wo es die meisten Erkrankten gab. Derzeit werden immer noch rund 100 neue Fälle pro Tag bekannt, davon 90 in Auckland. „Es ist ein unrealistisches Ziel, weiter auf die Eliminierungsstrategie zu bauen“, weiß auch der Neuseeland-Experte Peter Hahn. „Wir haben hier im Gegensatz zu Deutschland schon eine gute Impfquote erreicht, Tendenz steigend. Das muss natürlich bei den Maßnahmen und neuen Gesetzgebungen in Bezug auf die Bekämpfung des Corona-Virus mit bedacht werden.“

Impfbereitschaft & Impfquote spielen eine entscheidende Rolle

Natürlich gibt es in Neuseeland wie überall auf der Welt auch Impfgegner, dennoch ist die Quote der Immunisierten im kleinen Land mittlerweile deutlich höher als in Deutschland. Und das, obwohl man hier erst im September angefangen hatte, auch nicht priorisierte Personen ab zwölf Jahren zu impfen. 79 Prozent der Bevölkerung sind bereits doppelt geimpft, 88 Prozent haben ihre erste Dosis erhalten. Im Vergleich dazu sind es in Deutschland nur 66 Prozent. Niedrige Impfraten verzeichnet Neuseeland vor allem in abgelegenen Communities, unter Maori, Desinteressierten und Gang-Mitgliedern. Natürlich gibt es auch Debatten um die umstrittenen Impfregeln – vor allem zwischen den Gewerkschaften der Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Verbände. Bei Firmen, die zu sogenannten ‚Close-Contact Businesses‘ gehören, wie Cafés, Restaurants, Friseuren und Fitnessstudios aber auch in Kirchen oder bei Events, müssen die Beschäftigten nun per Gesetz, genauso wie die Kunden geimpft sein, um Zutritt zu erhalten. Es mache keinen Sinn, die Impfung von der Kundschaft zu erwarten aber das eigene Personal nicht geimpft bedienen zu lassen, begrüßte der Arbeitgeberverband die Entscheidung. Dieses Impfmandat betrifft rund 25 Prozent aller Arbeitnehmer in Neuseeland, bestätigte Arbeitsplatz-Minister Michael Wood. Zusätzlich gäbe es rund 15 Prozent Beschäftigte in den Berufen Lehrer, Mitarbeiter des Gesundheitsdienstes oder Beschäftigte, die an den Grenzen tätig seien. Mit dieser gesetzlichen Regelung wird vielen Bevölkerungsgruppen die Debatte ‚Für oder gegen die Impfung‘ von vornherein abgenommen und bei rund 40 Prozent aller Arbeitnehmer in ganz Neuseeland wird die Impfung schlichtweg Pflicht. „Es müssen Arbeitsverträge rechtlich angepasst werden, denn diese Impfpflicht wurde ja meist bei Abschluss nicht in die Arbeitsverträge integriert“, warnt Arbeitsrechtlerin Barbara Buckett. „Aber ein Arbeitsvertrag unterliegt einfach dem Gesetz.“ Für das Hotel-, Tourismus- und Gaststättengewerbe bedeute das eventuell den Verlust von noch mehr Personal, ein echter Rückschlag für die ohnehin schon geplagte Branche. In der Millionenmetropole ist die Bereitschaft, solche Gesetze leichter in Kauf zu nehmen, mittlerweile größer. „Auckland hat ja besonders unter dem Lock down gelitten, hier ist sogar die Impfbereitschaft noch einmal deutlich höher als im Rest des Landes. Man kratzt hier bereits ganz dicht an der gewünschten 90 Prozent-Hürde“, berichtet Peter Hahn. „Und dann wird es interessant, denn in Auckland, wo es die meisten und längsten Beschränkungen gab, könnte die Bevölkerung dann am ehesten die Lockerungen des geplanten neuen Ampelsystems genießen und vom Lock down direkt auf ‚Phase rot‘ gehen.“

Geplantes Ampelsystem als neue Antwort auf die Pandemie

In Kraft tritt die neue Drei-Stufen-Warnregelung tatsächlich erst, wenn in einer Region eine Impfquote von 90 Prozent erreicht ist, so der Plan der neuseeländischen Regierung. Die Einteilung der einzelnen Regionen und die eigene Zugehörigkeit ist durch die Lock downs für die Bevölkerung bereits klar. Auch die eingerichteten Kontrollen zwischen den jeweils definierten Grenzen der Regionen bestehen bereits. Auf dieser Grundlage wird schließlich eine Region künftig in Rot, Orange oder Grün eingestuft, was der Bevölkerung deutlich mehr Freiheiten geben soll als ein Lock down oder das bisherige Warnlevel-System. Offiziell nennt die Regierung es ‚Covid-19 Schutz Framework‘. Eine wichtige Grundlage für alle drei Phasen werden die Impfzertifikate sein, die nahezu überall vorgezeigt werden müssen, außer bei absolut lebensnotwendigen Services wie beispielsweise in Apotheken, Supermärkten oder beim Arzt. Auf welche Farbstufe eine Region eingestuft wird, entscheiden Faktoren wie die Impfquote in der Region, die Kapazität der gesundheitlichen Versorgung, die Durchführung von Tests, die Möglichkeiten der Nachverfolgung von Krankheitsfällen sowie der momentane Inzidenzwert und dessen Einfluss auf die Bevölkerung.

Einstufung auf Grün

Die Einstufung auf Grün wird erfolgen, wenn nur sporadisch eingeschleppte Covid-Fälle messbar sind, die sich nur bedingt auf die Bevölkerung übertragen. Die Anzahl schwerer Verläufe hält sich in Grenzen und führt zu keiner Überlastung des Gesundheitssystems. In dieser Phase wären alle öffentlichen Einrichtungen und Geschäfte, sowie Arbeitsplätze und Schulen offen. Sogar Events im Freien sind erlaubt. Wer geimpft ist, kann in Hotels und Gaststätten gehen, zu Events wie Hochzeiten und in die sogenannten Close-Contact Businesses oder ins Fitnessstudio. Für nicht Geimpfte gilt dann einen Meter Abstand beispielsweise im Restaurant. Bei Veranstaltungen oder im Fitnesscenter dürfen dann nur 100 Menschen zusammenkommen und neben dem Abstand gilt beispielsweise beim Friseur dann auch die Maskenpflicht.

Orangefarbene Warnstufe

Grundlage wird hier sein: Die Verbreitung des Corona Virus innerhalb einer Region nimmt zu und somit steigt auch der Druck auf Ärzte, das öffentliche Gesundheitswesen und die Krankenhäuser. Besonders für Risikogruppen besteht jetzt erhöhte Vorsicht. Gleichzeitig gilt nun die Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr, auf Flügen, in Taxis, Geschäften und auf öffentlichen Plätzen. Geschäfte, Schulen und Arbeitsplätze bleiben offen, es gelten jedoch unter anderem begrenzten Personenzahlen pro Fläche und der gewohnte Sicherheitsabstand. Sogar einige Outdoor-Events in der Region sind dann noch erlaubt. Für Geimpfte gibt es somit kaum Einschränkungen. Restaurants oder Hotels, Events, Close-Contact Businesses, Fitnesscenter und sogar Hochzeiten können besucht und abgehalten werden. Für nicht Geimpfte sieht die Situation dann schon schlechter aus. Überall gilt die Abstandsregelung, auf Familienfeiern beispielsweise gilt eine Begrenzung auf 50 Personen, während der Besuch von Events, Fitnesscenter oder der Friseurbesuch dann gar nicht mehr möglich sind.

Ampelsystem auf Rot

Selbst die Stufe Rot soll den Kiwis mehr Freiheiten in der Pandemie zugestehen als vorher ein Lock Down. Doch um das Gesundheitssystem nicht gänzlich zu überlasten und Risikogruppen besser schützen zu können, treten eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen und Einschränkungen in Kraft. Es herrscht dann eine grundsätzliche Maskenpflicht, in öffentlichen Einrichtungen und Geschäften gilt der Mindestabstand und eine Obergrenze von 100 Personen. Wo es möglich ist, sollten die Menschen von zu Hause arbeiten, Schulen werden mit Sicherheitsmaßnahmen ausgestattet aber bleiben offen. Sogar einige Outdoor-Events werden weiterhin mit einer limitierten Anzahl von Besuchern möglich sein. Wer geimpft ist, wird auch hier weiterhin von mehr Freiheiten profitieren können, so dass in Gaststätten und Hotels bis zu 100 Menschen mit Sicherheitsabstand zusammenkommen können, ebenso wie in Kirchen, im Marae oder auf Hochzeiten. Die gleiche Regel gilt für Events und Fitnesscenter. Close-contact Businesses müssen bestimmte Hygienepläne aufstellen. Höhere Schulen wie Universitäten dürfen nur von Geimpften besucht werden, für alle anderen gilt Distanzunterricht. Menschen, die nicht geimpft sind, dürfen sich nur zu zehnt treffen, Friseure und Fitnessstudios bleiben für diese Bevölkerungsgruppe geschlossen und auch Restaurants liefern dann nur noch kontaktlos zum Mitnehmen.

Grundsätzlich wird es so sein, dass Unternehmen, die entsprechende Impfzertifikate ihrer Belegschaft vorweisen können, in allen drei Stufen weiter operieren dürfen. Für Firmen mit nicht geimpfter Belegschaft, können Schließungen angeordnet werden und sogar offizielle Geschäftsunterstützung verweigert werden.
Die Regierung hofft nun zunächst auf eine landesweite Etablierung des Ampel-Systems noch vor Weihnachten, damit die neuseeländische Sommerzeit mit mehr Freiheiten genossen werden kann. Dafür wurde die Impfkampagne ‚Das 90 Prozent Projekt‘ ins Leben gerufen, welche alle Kiwis auffordert „Lasst uns Neuseeland noch vor Weihnachten impfen.“ Die Premierministerin Jacinda Ardern setzt damit ein klares Zeichen. Wer sich nicht impfen lässt, wird künftig wesentlich weniger Freiheiten genießen können im alltäglichen Leben als Geimpfte.

Grenzöffnung und Einwanderungsaussichten

Mit einer höheren Impfquote rücken auch die Grenzöffnung und die Möglichkeiten der Einwanderung nach Neuseeland wieder näher. Zunächst soll das umstrittene System der Vergabe der Quarantäneplätze MIQ (Managed Isolation Quarantine) noch einmal neu überdacht werden. Viele Kiwis sind außerhalb Neuseelands gestrandet und können aufgrund des großen Andrangs auf die sehr begrenzten, aber notwendigen Quarantäneeinrichtungen keinen Platz buchen, um wieder nach Hause zu fliegen – vor allem jetzt in Hinblick auf Weihnachten. „Wir hatten zehntausende Menschen, die dieses Jahr durch MIQ eingereist sind, aber es waren immer noch deutlich zu wenig Plätze“, bemängelte Chris Bishop, Sprecher der oppositionellen National Party für Covid19-Themen. Die Regierung will nun in Kürze Änderungen für das Quarantäneprozedere bei der Einreise bekanntgeben. Eine Möglichkeit könnte sein, dass sich doppelt geimpfte Neuseeländer mit negativem Testergebnis nach der Einreise in Selbstquarantäne begeben dürften, um MIQ Plätze für andere freizuhalten.

„Das Land bewegt sich hin zu einer Grenzöffnung im kommenden Jahr. Allerdings wird man nicht ganz so früh aufmachen können, wie Australien, das vorhat“, erklärt der Neuseeland-Experte Peter Hahn. „Begründet wird das damit, dass es in Neuseeland viel weniger Intensivbetten und geschultes Personal in den Krankenhäusern gibt. Deshalb wird hier eine hohe Impfquote verlangt, mit dem Ziel die Bevölkerung ausreichend schützen zu können.“

Selbst Permanent Residents dürfen derzeit nur ins Land reisen, wenn sie bereits doppelt geimpft sind. „Diese Regelung wird sicherlich auch in Zukunft bestehen bleiben“, resümiert der Einwanderungsberater die momentanen Entwicklungen. „Egal ob Tourist, Visahalter oder Resident, wer nicht geimpft ist, wird den neuseeländischen Boden in Zukunft so schnell nicht betreten.“ Auch die Fluggesellschaften werden vermutlich eine ähnliche Regelung anstreben, so dass eine Neuseelandreise für nicht Geimpfte erst einmal nicht möglich sein wird. „Wer Geimpft ist, hat also die besten Karten, wenn die nächsten Schritte in Neuseeland entschieden werden“, schließt Peter Hahn. Sobald es weitere Details gibt, wird der Einwanderungsberater Sie informieren.

Stimmungswechsel birgt neue Chancen für Einwanderer

Neuseelands Regierung gerät unter Druck

Wie lange kann man an der derzeitigen Eliminierungsstrategie während der Corona Pandemie festhalten? Wann müssen die Grenzen öffnen, um zumindest dringend benötigte Arbeitskräfte in einigen Wirtschaftssektoren ins Land zu lassen? Und was muss geschehen, dass der Unmut in Neuseelands Bevölkerung nicht ins Negative kippt? Premierministerin Jacinda Ardern und die Regierung des kleinen Landes stehen derzeit vor vielen Fragen, die schnellstmöglich geklärt werden sollten. Auch für Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington ist diese Entwicklungsphase spannend, denn mit neuen Regierungsplänen, Erklärungen und Strategien kann auch er nach Zeiten der Ungewissheit dann seine einwanderungsinteressierten Kunden wieder realistischer beraten.

Die Auswirkungen des Lockdowns in der Bevölkerung

Der strikte Lockdown in Neuseeland nach dem letzten größeren Corona-Ausbruch trübt die Stimmung in der Bevölkerung. Das, was Europäer seit vielen Monaten durchhalten müssen und was bei vielen für zermürbende Stimmung und eine gespaltene Gesellschaft sorgt, hat nun auch das kleine Land am Ende der Welt getroffen: Geschlossene Schulen und Geschäfte, abgesagte Veranstaltungen, Bürger, denen nach Tagen Zwangsaufenthalt zu Hause, die Decke auf den Kopf fällt. Der Winter mit kurzen Tagen und schlechtem Wetter, trägt zum Unmut vieler zusätzlich bei. Wo viele Neuseeländer und Staatschefs noch vor zwei Monaten ihre Premierministerin für ein hervorragendes Management der Krise hoch gelobt haben, kippt mittlerweile bei vielen die Stimmung. Rufe aus der Bevölkerung nach Grenzöffnung oder einer anderen Strategie im Umgang mit der Pandemie werden lauter. Denn die Eliminierungs-Linie der Premierministerin scheint nicht mehr alle zu überzeugen. „Es stellt sich einfach die Frage, ob diese Strategie noch realistisch durchzuführen ist“, gibt der Neuseeland-Experte Peter Hahn zu bedenken. Der jüngste und größte Corona-Ausbruch wurde durch erneute Verstöße gegen das vierzehntägige Aussitzen in einer überwachten Quarantäne-Einrichtung in Auckland ausgelöst.

Druck auf die Politik auch aus der Wirtschaft

Die Gaming Industrie in Wellington ist nur ein Beispiel für den enormen Bedarf an Fachkräften, die immer schwieriger zu rekrutieren sind. A44, PikPok und andere Mitspieler entwickeln sich gerade prognostiziert bis 2025 zur Milliarden-Dollar-Industrie. Doch wenn Haus- und Mietpreise zu hoch sind und kein neues Personal gefunden werden kann, lastet enormer Arbeitsdruck und große Unzufriedenheit auf den vorhandenen Mitarbeitern. Die fatale Folge, noch mehr Spezialisten wandern wieder ab, zurück in ihre Heimatländer. Auch in anderen Sektoren auf dem Arbeitsmarkt gibt es große Engpässe: im Gesundheitswesen, im Technologiesektor, beim Garten- und Landschaftsbau und in der IT. Die Medien publizieren immer neue Beispiele von hoch dotierten Jobs, auf die sich binnen Wochen kein einziger Kiwi bewirbt. So wird beispielsweise in Taupo ein Job für einen Hydro-Ingenieur für die Wasserkrafterzeugung gesucht: Jahresgehalt 140.000 NZD – keine Bewerber.

Unter Druck stehende Firmen und Wirtschaftsbosse fordern nun von der Politik eine bessere Möglichkeit, ausländische Fachkräfte ins Land holen zu können. Dafür müssten die Grenzen öffnen oder eine vereinfachte Möglichkeit der Einreise und der Visa Vergabe, zumindest für diese Personen geschaffen werden. „Momentan gibt es nur das sogenannte Critical Purpose Visitor Visa, mit dem wenige Antragsteller in einer absoluten Ausnahmesituation ins Land gelangen und dann vor Ort ein temporäres Arbeitsvisum beantragen können“, so der Einwanderungsberater Peter Hahn.

Ausländische Medienkritik nimmt zu

Auch die ausländischen Medien, die über das letzte Jahr immer wieder Neuseelands positives Agieren in der Pandemie als Vorbildrolle lobten, springen nun auf den Zug der Kritik auf. Als bekannt wurde, dass es einen Coronafall im Land gab und die Premierministerin einen Lockdown anordnete, gab es große Schlagzeilen. Doch die neuseeländische Regierung behielt mit ihrer Reaktion recht, denn der nur EINE Fall, entpuppte sich schnell als nicht zu vernachlässigender Ausbruch im Land, welches bis dahin als Corona-frei galt.

In Deutschland wurde aufgrund eines Übersetzungsfehlers und schlechter Recherchen sogar vom ‚Zwangslager‘ gesprochen, als es um die Quarantäneeinrichtungen ging. Die deutsche Korrespondentin in Christchurch Anke Richter, musste in ihren unzähligen Berichten in Neuseeland und Deutschland hier einiges richtigstellen.

Reaktion der Regierung

Der Druck auf die neuseeländische Regierung von allen Seiten nimmt unweigerlich zu. Selbst aus den eigenen Reihen und in Korrespondenz mit der Wissenschaft gibt es keine klare Einheit mehr. Ehemaliger Premierminister und Vorgänger von Jacinda Ardern, John Key von der National Partei, hat seinen ganz eigenen Ansatz und verurteilt Arderns Politik, wie er in einem Meinungsbericht den Medien mitteilt. Ein konkreter Plan muss her und genau das ist der momentane Fokus der Landesspitze. „Die Frage, die sich stellt, ist, welchen Weg gehen wir, um zur Normalität zurückzukehren?“, formuliert Peter Hahn die Frage, die in aller Munde ist.

Rein faktisch sind derzeit rund 75 Prozent der Bevölkerung in Neuseeland geimpft, mehr als in Deutschland. „Eine angestrebte Rate von 90 Prozent, wird jedoch nur schwer zu erreichen sein“, so Peter Hahn. „Hinzu kommt, dass die Wirtschaftszahlen wirklich gut aussehen, trotz der Grenzschließung. Und das, obwohl sich die Millionenmetropole Auckland momentan immer noch im Lockdown befindet. Allerdings läuft auch in allen anderen Ländern der Erde, die sich im vergangenen Jahr immer wieder im Lockdown befanden, nun die Wirtschaft wieder mehr oder minder normal.“

Der langfristige Plan der Regierung ist die Grenzöffnung mittels einer Art Ampelsystem. Dabei sollen zehn Faktoren bei der wöchentlichen Einstufung der Länder in Low Risk, Medium Risk und High Risk Country helfen. Entsprechend der Herkunft sind dann Einreisen unter bestimmten Voraussetzungen wieder möglich. Untersucht werden so beispielsweise die aktuellen Inzidenzwerte und die Geschwindigkeit des An- oder Abstiegs der Zahlen, die erreichte Impfquote eines Landes, das Fabrikat des Impfstoffs, wie ein Reisender vor dem Abflug getestet wird, die Todesraten im Heimatland und einige andere. „Ich rechne allerdings nicht damit, dass es vor Weihnachten zum Einsatz dieses Verfahrens kommen wird. Realistischer ist da schon März oder April 2022“, gibt Peter Hahn seine Einschätzung.

Residency-Anträge für einige Visa-Halter wieder möglich

Und die ersten positiven Anzeichen für eine Kehrtwende von der Abschottung weg, hin zu Grenzöffnung und Einwanderungsmöglichkeiten gibt es bereits. Gänzlich unerwartet geht die Regierung nun ganz konkret die ersten Schritte. Kürzlich wurde bekannt, dass die neue Residency Category, das 2021 Resident Visa, in der ersten Phase ab dem 1. Dezember 2021 für bestimmte Work Visa Halter wieder öffnet. Es sei ein sogenannter ‚One-off Residence Visa Pathway‘. „Hier ist ganz wichtig zu beachten, dass diese Möglichkeit NUR für Bewerber gilt, die sich bereits seit 29. September dieses Jahres in Neuseeland aufhalten“, erklärt Peter Hahn die ersten konkreten News in dieser Richtung. „Bewerben können sich zunächst Personen, die bereits am 29. September ein Arbeitsvisum hatten oder beantragt hatten. Auch einige Halter von Critical Purpose Visa könnten in diese Kategorie fallen“, so der langjährige Einwanderungsberater. Die Voraussetzungen sind schnell aufgelistet: „Entweder man lebt bereits seit drei oder mehr Jahren in Neuseeland, ODER man verdient mindestens das sogenannte ‚Median Wage‘ von 27 NZD pro Stunde, ODER man arbeitet in einer Branche, die auf der Scarce Liste aufgeführt ist.“ Welche Visa Typen genau sich bewerben dürfen, steht auf dieser Seite der Einwanderungsbehörde. Besonders positiv ist die Prognose, dass diese Residence Visa Anträge dann auf dem ‚fast track‘ binnen zwölf Monaten bearbeitet werden, ‚in der Regel sogar schneller‘, steht auf der Webseite der neuseeländischen Einwanderungsbehörde. Von dieser neuen Regelung könnten dann bis zu 165.000 Bewerber profitieren.

 

„Für mich sind das ganz deutliche Zeichen, dass man jetzt durch den erhöhten Druck von allen Seiten und dem monatelangen Stillstand, die Einwanderung nach Neuseeland wieder langsam ankurbelt. Das sind für viele Interessenten natürlich super Neuigkeiten!“, resümiert Peter Hahn die momentane Lage.

Auch wenn es für Bewerber aus Deutschland noch nicht ganz so weit ist, sieht Peter Hahn künftig gute Chancen für Investoren und Fachkräfte. Wenn die Grenzen 2022 wieder aufgehen, werden die dringend benötigten Arbeitskräfte eine Möglichkeit erhalten, in Neuseeland die Lücken auf dem Arbeitsmarkt zu füllen und damit langfristig auch wieder einwandern zu können. Und interessierte Investoren können sich sogar jetzt schon bewerben. Das zwar noch zarte Pflänzchen der neuen Einwanderungsmöglichkeiten nach Neuseeland sprießt – langsam aber stetig.

Skilled Migrant Kategorie auf dem Prüfstand

Regierung kündigt Änderungen an

Nach langem Stillstand bei der Einwanderung nach Neuseeland und den noch anhaltenden Grenzschließungen scheint sich jetzt in der Regierungsbehörde langsam etwas zu bewegen. Der Immigrationsminister Chris Faafoi kündigte an, die Skilled Migrant Kategorie als erstes unter die Lupe zu nehmen. Gleichzeitig machte er klar, dass es die hohen Einwanderungszahlen wie vor Covid19-Zeiten nicht mehr geben wird. Einwanderungsinteressierte weltweit warten nun ungeduldig, denn welche neuen Regularien es tatsächlich geben wird, darüber kann momentan nur spekuliert werden. Die Skilled Migrant Kategorie ist nun wieder einmal auf dem Prüfstand, denn dies ist die Einwanderungsschiene, über welche die meisten Migranten den Weg nach Neuseeland wählen.

Die Migrationszahlen sind mit den Grenzschließungen drastisch eingebrochen. Wo normalerweise um diese Zeit rund 20.000 neue Einwanderer ins Land gekommen wären, sind es momentan nur noch 2.500. Auch im Refugee Programm sank die Zahl der Asylsuchenden, die einwandern durften, von 1.500 Personen auf nur 200. Während Kanada erst kürzlich 27.000 temporäre Arbeiter einlud, sich für die Residency zu bewerben, hat Australien eine eigene Untersuchung ihres Skilled Migrant Programms begonnen. Auch der neuseeländische Einwanderungsminister Chris Faafoi kündigte an, die neuseeländische Skilled Migrant Kategorie neu unter die Lupe nehmen zu wollen. Das habe oberste Priorität, so der Minister. Seit über einem Jahr wurden keine Expression of Interest-Anträge mehr selektiert.

Status Quo

Und mit dieser Entscheidung scheint der Immigrationsminister endlich einen Weg zu gehen, der schon lange aussteht. 1.100 Familien sind seit Monaten durch die Grenzschließung und die Stagnation der Antragsbearbeitung zerrissen. So arbeitet beispielsweise eine indische  Krankenschwester in Neuseeland, während ihre fünfjährige Tochter auch nach einem Jahr der Trennung von der Mutter noch in der alten Heimat warten muss. „Das grenzt schon nahe an Diskriminierung und wenn im April immer noch nichts passiert ist, schmeiße ich hier den Job hin und gehe zurück zu meiner Familie nach Indien“, erklärt Neethu Johnly. Doch das ist nicht das einzige Problem. Durch den Stillstand hat sich auch ein großes Loch in den Kassen der Einwanderungsbehörde gebildet. Rund 135 Millionen NZD fehlen bereits. „Ein Stellenabbau würde den sogenannten Backlog, den Rückstau an unbearbeiteten Anträgen nur noch vergrößern“, erklärt der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington. Ebenso führte der kürzlich ausgerufene Lock down in Auckland nach einem kleinen Corona-Ausbruch durch Einreisende, die sich zum Einkaufen unerlaubt aus der Quarantäne-Einrichtung entfernt hatten, zu erneuten Verzögerungen bei der Einwanderungsbehörde. Die Mitarbeiter mussten ins Home Office und konnten keine Unterlagen zur Bearbeitung mitnehmen.

Skilled Migrants benötigt

Dass Neuseeland qualifizierte Einwanderer benötigt, ist unumstritten. Nur in welcher Zahl und mit welchen Voraussetzungen? Erst kürzlich ging wieder ein Aufschrei durch die Presse, dass beispielsweise in der Altenpflege dringend Personal gesucht werde. „Ich habe sogar jetzt, während der Grenzschließungen Kunden, die über ein aufwendiges Prozedere einwandern können“, berichtet Peter Hahn. „Vor allem im Gesundheitssektor fehlt es an allen Ecken und Enden.“ Obwohl weit über 16.000 Neuseeländer 2020 durch die Pandemie aus dem Ausland in ihre Heimat zurückkehrten, sind Fachkräfte wie IT-ler oder Ingenieure auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor gesucht. Auch gut ausgebildete, erfahrene Handwerker sind gefragt. „Und wie in jedem Land gibt es natürlich unzählige Gast- und Saisonarbeiter, deren Jobs kein Neuseeländer machen will – so beispielsweise bei der Obsternte. Also auch in bestimmten Niedriglohnsektoren werden dringend Arbeitskräfte gesucht“, erläutert der Einwanderungsberater die momentane Lage.

Analyse der drei Skill Level

„Ich sehe die Einwanderung in drei Ebenen aufgeteilt. Zum einen gibt es die weniger qualifizierten, aber dennoch wichtigen Einwanderer. Sie arbeiten in Sektoren, in denen es kaum Neuseeländer gibt, welche diese Arbeiten pflichtbewusst mit Fürsorge, Ernsthaftigkeit und so einer eigenen Anspruchslosigkeit durchführen würden“, so Peter Hahn. Dazu gehört beispielsweise die Arbeit auf Obstplantagen, sowie in der Alten- und Krankenpflege. „Dieser Einwanderungsbereich hat einen großen Anteil an den Gesamtzahlen. Sollte man den Sektor schließen, kommt es sicherlich zu Problemen auf dem Arbeitsmarkt. Auf Plantagen könnte man noch mehr automatisieren, anstatt Saisonarbeiter oder Work-and-Traveller anzustellen. Aber in der Pflege? Die Labour-Partei will ja Ausbeute vermeiden und Fairness gegenüber Migranten hochhalten. Lässt man die Gastarbeiter beispielsweise aus den Philippinen nur temporär ins Land ohne Aussicht auf ein Bleiberecht, hat das mit Fairness nicht mehr allzu viel zu tun“, vertritt Peter Hahn seine Meinung.

„Dann gibt es Immigranten, die im Mittelfeld mitspielen. Sie fallen gerade noch unter Skilled Employment, kommen oft aus Indien mit Management-Studiengängen und machen dann in Neuseeland ein kleines Business auf. Ich erwarte eigentlich, dass es hier die meisten Einschränkungen geben wird, denn diese Leute werden nicht unbedingt gebraucht. Zumindest würde hier eine Begrenzung der Zuwanderung am meisten Sinn machen“, meint der Einwanderungsberater aus seinen über 25 Jahren Berufserfahrung.

Die meisten seiner Kunden kommen aus dem Level der Top Skills. „Das sind Einwanderer, die aufgrund ihrer Ausbildung und Berufserfahrung einfach qualifizierte Fachkräfte darstellen, die überall gesucht werden. Egal ob IT oder Handwerk, ich gehe davon aus, dass geplante Änderungen hier kaum Auswirkungen auf diese Klientel haben wird. Solche Leute sind einfach gesucht und werden auch in vielen Sektoren dringend gebraucht.“

Mögliche Änderungen

„Es wird schwierig werden, diese Level genau zu unterscheiden und dann Policies zu stricken, die jeden Kandidaten eindeutig einer Kategorie eindeutig zuordnen lässt“, gibt Peter Hahn zu bedenken. „Da wird es immer Grenzfälle und Grauzonen geben. „Aus der Vergangenheit heraus will die Labour Partei aber genau das erreichen, genauste Regeln, um NUR die Lücken auf dem Arbeitsmarkt zu füllen. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass Fachkräfte einwandern und am Ende doch eine Blaubeerfarm aufmachen und gar nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten. So theoretisch kann man die Einwanderung einfach nicht planen!“ In den letzten 25 Jahren wurden schon viele Richtlinien geändert, viel diskutiert und rund alle vier Jahre erklärt, man wolle jetzt Fachkräfte im Land selbst ausbilden. Passiert sind große Änderung bislang noch nicht. „Es ist schwer vorherzusagen, was genau geändert wird, aber ich bin zuversichtlich, dass neue Regularien meine Kunden nicht so stark betreffen werden. Ein simpler, aber effektiver Eingriff wäre beispielsweise, den momentanen Mindeststundenlohn von derzeit 25.50 NZD weiter zu erhöhen. Ein guter Arbeitgeber, der sein Personal halten will, bezahlt dann eben auch mehr. Das würde die Löhne im Allgemeinen anheben und da will man ja schon lange hin – weg von der Ausbeute und hin zu fairen Bedingungen“, resümiert Peter Hahn. „Für die Erntehelfer oder Pflegepersonal wäre das jedoch ein echtes Problem. Hier müsste man entweder auf temporären Arbeitsvisa bleiben oder gerade im Pflegebereich einfach eigene Sonder-Visa kreieren.“

Zukunftsausblick

In jedem Fall müssen dringend Entscheidungen gefällt werden. Ein Anfang wäre, zumindest die Anträge der Menschen, die bereits vor Ort in Neuseeland sind, zu bearbeiten. Wie das Beispiel der indischen Krankenschwester zeigt, werden sonst Fachkräfte auch wieder abwandern. Und wenn die Grenzen erst einmal wieder offen sind, könnten auch die qualifizierten Neuseeland-Heimkehrer schnell wieder reisewütig werden und das Weite suchen. Neuseeland hat schon immer Einwanderer benötigt und wird sie auch in Zukunft weiter brauchen!

Einwander-Versuch in Corona-Zeiten

Möglich oder sinnlos?

 Mit geschlossenen Grenzen, nur wenigen internationalen Flügen und limitierten Plätzen in dezidierten Quarantäneeinrichtungen scheint es zunächst schier unmöglich, nach Neuseeland einzureisen. Dennoch bearbeitet Peter Hahn derzeit Visa- und Resident-Anträge von Deutschen, die gerne nach Neuseeland einwandern möchten. Die Lage scheint also nicht gänzlich aussichtslos, denn wie immer gibt es Ausnahmen.

Drei Unbekannte für Einwanderungsinteressierte

Derzeit gibt es drei Unbekannte, welche die Einschätzung der Einwanderungschancen für Interessierte schwierig gestalten.

Zunächst hat das Immigrationssystem mit vielen Altlasten der vorangegangenen Legislaturperiode zu kämpfen. „Durch die Koalition von Labour mit der NZ First Partei ist in den vergangenen zwei Jahren in Sachen Einwanderung nahezu nichts passiert“, erklärt Peter Hahn die momentane Situation. „Normalerweise wird alle zwei Jahre von der Regierung eine Einwanderungsquote festgelegt. Doch die Parteien konnten sich auf nichts einigen, unter anderem deshalb blieben viele Anträge einfach liegen. Momentan dauert die Bearbeitung eines Residence Antrags an die zwei Jahre!“ Der sogenannte Backlog, führt zu erheblichen Wartezeiten und seit der Wahl ist noch keine neue Einwanderungsquote festgelegt worden.

Eine weitere Unbekannte für Einwanderungsinteressierte ist der Stand der Immigrationsregularien, welche die Labour-Regierung nach und nach neu erarbeiten möchte. So sollen 2021 die Work Visa Policy, die Investor Category und auch das Punktesystem überarbeitet werden. „Wir können zum jetzigen Zeitpunkt nur in die Wahlprogramme der Labour Partei blicken, um zu erahnen, in welche Richtung die neue Regierung entscheiden wird“, erklärt der Einwanderungsberater mit seinen über 25 Jahren Berufserfahrung. „Die angestrebten Regelungen haben jedoch keinen großen Einfluss auf die meisten meiner Kunden“, kann er beruhigen. „Viele Maßnahmen zielen auf weniger qualifizierte Antragsteller ab, für welche es dann schwieriger werden wird, nach Neuseeland einzuwandern. Die meisten Deutschen haben gute Qualifikationen, eine solide Ausbildung und bringen entsprechende Berufserfahrung mit, so dass sie von geplanten Änderungen im Wesentlichen unberührt sein sollten.“

Das dritte große Fragezeichen derzeit ist die Covid-19-Pandemie. Wie lange werden die Grenzschließungen noch andauern und wann wird es für Ausländer wieder möglich sein, ohne Sonderregelungen nach Neuseeland einzureisen? „Dies sind Faktoren, die von niemandem beeinflussbar sind und somit zu mehr Unplanbarkeit in den einzelnen Einwanderungsverfahren führen können“, so Peter Hahn stirnrunzelnd.

Ausnahmen bestätigen die Regel

„Ich habe einige wenige Kunden, für die es trotz Grenzschließung möglich ist, von Deutschland nach Neuseeland einzureisen und dann sogar entsprechende Visa-Anträge zu stellen.“ Experten, deren Arbeitskraft dringend im Gesundheitswesen gebraucht wird, haben derzeit in Ausnahmefällen die Möglichkeit, per Sonderreisegenehmigung nach Neuseeland einzureisen. „Zunächst benötigen die Antragsteller eine neuseeländische Berufszulassung, die dann mit recht großem Aufwand von Deutschland aus organisiert werden muss. Dann können sich die Gesundheitsexperten, wie in einigen Fällen beispielsweise Ergotherapeuten oder Nuklearmediziner, einen Job in Neuseeland organisieren. Das ist das geringste Problem“, erklärt der Einwanderungsberater. Auch qualifizierte Veterinäre werden dringend gesucht. „Mit diesen Papieren in der Tasche reiche ich zunächst ein sogenanntes Request for travel to New Zealand ein, woraufhin wir dann eine Invitation to Apply für ein sogenanntes Critical Purpose Visitor Visa erhalten, mit welchem die Personen dann einreisen können. Erst wenn sie hier vor Ort sind, kann ich dann ein Work Visa für sie beantragen.

Quarantäne-Debakel

Eine Hürde bei den Reisevorbereitungen ist jedoch das Management eines Fluges in Kombination mit einer Sonderreisegenehmigung und im gleichen Zeitraum die Organisation eines Platzes in einer der gemanagten Quarantäne-Einrichtungen. Denn jede Person, die einreist, muss in Neuseeland zunächst zwei Wochen in Quarantäne. In den Medien wird immer wieder berichtet, dass Fachpersonal nicht einreisen kann, weil über Monate keine freien Quarantäne-Zimmer mehr buchbar seien. Reisende scheinen aus Panik gleich mehrere Plätze zu buchen, andere Einreisende treten den geplanten Flug erst gar nicht an. So blieben täglich zwischen acht und sechzehn der wenigen heiß umkämpften Zimmer leer. „Diese Meldungen wiederholen sich hier in den Medien ständig. Allerdings hatte ich auch schon einige Kunden, wie beispielsweise Installateure einer österreichischen Fabrikbaufirma, die mit Sondergenehmigung temporär einreisen und hier arbeiten durften. Keiner von ihnen hatte Probleme bei der Organisation der Quarantäneplätze“, berichtet Peter Hahn aus seiner Erfahrung. „Vielleicht gibt es Probleme, wenn man an bestimmten Tagen einen Platz braucht und daher unflexibler suchen muss.“

Zudem kommen etwa 3.600 NZD an Kosten für den vierzehntägigen Aufenthalt in den überwachten Einrichtungen auf die ausländischen Passagiere zu.

Partnership Visa für Multikulti-Paare

Auch für Deutsche, die seit längerem eine feste Beziehung mit einem neuseeländischen Partner haben, gibt es gute Chancen, trotz Grenzschließung nach Neuseeland zu gelangen. „Ganz wichtig ist, dass die Beziehung nicht ‚frisch‘ sein sollte. Also wenn beispielsweise ein Neuseeländer mit seiner deutschen Freundin schon lange Zeit zusammenlebt und gerade in Deutschland ist, kann das Paar auch mit ihren Kindern, nach Neuseeland umziehen“, weiß der Einwanderungsberater. „Zunächst gilt es, das Request for travel to New Zealand zu beantragen. Das ist kein Visum! Danach erhält man eine sogenannte Invitation to apply für ein Critical Purpose Visitor Visa. Das eigentliche Partnerschafts-, Work- oder Resident Visa können wir dann erst beantragen, wenn die Kunden hier in Neuseeland sind!“

Ein Plus für interessierte Investoren

Die Unterlagen von Investoren sind derzeit die einzigen Visa-Anträge von Personen, die sich außerhalb Neuseelands befinden, die überhaupt bei der Immigrationsbehörde bearbeitet werden. „Wer also noch in Deutschland lebt und über entsprechende finanzielle Mittel verfügt, der kann sein Einwanderungsverfahren jederzeit starten oder vorantreiben. Denn bis zur Erteilung der Visa kann es einige Zeit dauern. Selbst wenn das Verfahren genehmigt wird, werden die eigentlichen Visa ausgesetzt und erst dann erteilt, wenn die Grenzen Neuseelands wieder aufmachen und eine Einreise möglich wird“, erklärt Peter Hahn. „Insofern machen hier vorbereitende Maßnahmen absolut Sinn momentan.“

Studenten, Hängengebliebene und langfristige Einwanderer

Wer plant, nach Neuseeland zurück zu gehen, um ein Studium fortzusetzen, kann ebenfalls schon entsprechende Vorbereitungen treffen. „Momentan liegt der Fokus ausschließlich auf Studenten, die schon oder noch ein gültiges Student Visa haben und hier schon angefangen hatten, zu studieren. Viele sind aus den unterschiedlichsten Gründen vor dem Lockdown im Ausland hängen geblieben. Diese sollen nach und nach wieder reingelassen werden. Ob und wann neue Studenten wieder einreisen dürfen, ist momentan noch reine Spekulation. Es spricht dafür, dass Studenten bessere Chancen auf eine frühere Einreise als Touristen haben, denn die Unis und Polytechnics und zum Teil auch Secondary Schools hatten sich sehr an die hohen Studiengebühren der Ausländer gewöhnt, die nun fehlen. Zudem sind die Zahlen der Studenten überschaubarer als die etwaiger Touristen aus aller Welt“, so der Einwanderungsberater.

Peter Hahn kümmert sich derzeit auch um einige Antragsteller, die durch den strengen Lock down in Neuseeland hängengeblieben sind. „Wer hier in Neuseeland hängengeblieben ist, weil die Grenzen geschlossen wurden, bekam sein Besuchervisum immer wieder verlängert. Ich habe mehrere Kunden mittlerweile, die beispielsweise auf Weltreise waren und so nun schon seit über einem Jahr in Neuseeland sind. Einige davon haben sich entschlossen, aufgrund der drastischen Corona-Situation in Deutschland und der entsprechenden Ansteckungsgefahr, hierzubleiben.“ Da die Kunden bereits vor Ort sind, werden ihre Visa-Anträge von Immigration New Zealand bearbeitet.

Für alle andere Interessierten heißt es, erst einmal mit Geduld abzuwarten. „Für mache Bewerber kann es sich lohnen, zumindest vorbereitende Maßnahmen für die Einwanderung zu treffen“, erklärt der Neuseeland-Experte. „Dazu kann beispielsweise gehören, jetzt schon einmal seine Ausbildung bewerten zu lassen.“

Die Aussichten, nach Neuseeland einzuwandern, um der Pandemie zu entkommen, sind derzeit nicht für Jedermann rosig. Doch einige Bewerber haben tatsächlich ganz gute Chancen. „Gemessen an der Tatsache, dass viele Verfahren derzeit nicht möglich sind und einzelne Schritte und Regularien zum jetzigen Zeitpunkt schwer planbar sind, habe ich verhältnismäßig viele Anfragen momentan. Das Interesse an Neuseeland ist ungebrochen!“

Neuseeland nach der Wahl

Historischer Sieg für Labour

Neuseeland hat gewählt und das Ergebnis war wirklich eindeutig. Die Kiwis haben ihrer Premierministerin Jacina Ardern und der Labour Partei mit 50 Prozent der Stimmen einen historischen Wahlsieg beschert.

Absolute Mehrheit bei Parlamentswahl

Seit 1996 gab es keine absolute Mehrheit für eine Partei in Neuseeland. Die junge, sympathische Premierministerin Jacinda Ardern, die nicht nur wegen ihrer erfolgreichen Corona-Politik weltweit Anerkennung findet, errang im Oktober bei den Parlamentswahlen den eindeutigen Wahlsieg. Mit 65 von 120 Sitzen im Parlament wird die 40jährige künftig Neuseeland mit ihrer sozialdemokratischen Labour Partei alleine regieren. „Ich möchte eine Premierministerin für alle Neuseeländer sein. In einer Welt, die sich polarisiert und nur noch wenige Menschen fähig sind, die Position des anderen zu sehen, ist es wichtig, zusammen zu halten!“ Mit diesen Worten trat die empathische Frau ans Mikrofon. „Wir hier in Neuseeland sind nicht so. Wir sind klein, wir können zuhören und als eine Nation diskutieren und werden deshalb die Perspektive unserer Mitbürger nicht aus dem Auge verlieren!“ Obwohl Labour alleine regieren kann, vergab Jacinda Ardern zwei Ministerposten an die Grünen. Sie setzte als Außenministerin erstmalig eine Frau mit traditionellem Moko, dem Gesichtstattoo der Ureinwohner, ein.

Dabei war Arderns Wahlsieg alles andere als gesichert. Sie stand vor allem wegen gebrochener Wahlversprechen in der Kritik, da sie 100.000 Häuser für sozial Schwache angekündigt aber nicht realisiert hatte. Als die Corona-Pandemie begann, machte sie jedoch als gekonnte Krisenmanagerin weltweit auf sich aufmerksam und setzte den strengsten Lockdown der Welt durch. Ihre Popularität stieg, denn mit nur 25 Todesopfern und nur einer ersten Welle manövrierte sie ihr Land glimpflich durch die Covid-19-Krise. Nahezu Corona-frei steckt das Land nun jedoch wie viele Länder in einer Wirtschaftskrise. Die internationale Tourismusbranche brach aufgrund der absoluten Abschottung zusammen, einen Teil der Umsätze werden jetzt jedoch durch die im Land reisenden Kiwis zurückgewonnen. Die Menschen in Neuseeland leben heute ohne Masken, ohne Schulschließungen, besuchen Sportveranstaltungen und Restaurants, während der Rest der Welt mit der zweiten Infektionswelle kämpft. Bis heute sind Neuseelands Grenzen jedoch geschlossen, um einen erneuten Ausbruch der Pandemie im Inselstaat zu verhindern.

Doch wie geht es nun in punkto Grenzschließungen und Einwanderungspolitik in Zeiten der Pandemie weiter? Kann man überhaupt nach Neuseeland einwandern momentan? Und wer wird künftig Chancen haben, seinen Traum vom Leben in Aotearoa zu verwirklichen? Lesen Sie im nächsten Artikel, wie Ihr Einwanderungsberater und sein Team live aus Wellington berichten, was die Regierung derzeit plant.

Einwandern in der Corona-Krise?

Überblick: Immigrations-Situation Neuseeland in der Corona-Krise

Stand 05. Juni 2020

Neuseelands Führungsspitze mit Jacinda Ardern als junger und dynamischer Premierministerin wird weltweit für das Krisenmanagement in Zeiten der Corona-Pandemie gelobt. Man hätte vorbildlich gehandelt und es auf diese Weise sogar geschafft, das Corona-Virus nahezu ganz aus dem Land zu verdrängen. Jedoch muss auch Neuseeland für die drastischen Maßnahmen einen teuren Preis bezahlen. Der Tourismus kam gänzlich zum Erliegen und auch viele andere Teile der Wirtschaft sind drastisch eingebrochen. Doch was bedeutet die Corona-Krise nun für viele Deutsche, die eigentlich nach Neuseeland einwandern wollten?

Rückblick

Nur 22 Tote in ganz Neuseeland, die mit aber nicht zwingend durch Corona verstorben sind. Mit so einer niedrigen Zahl können nur wenige Länder der Welt in den schwierigen Zeiten der Corona-Krise aufwarten. „Die neuseeländische Regierung hielt sich sehr genau an die Empfehlungen des Director of Health, Ashley Bloomfield, so dass teilweise der Eindruck entstand, dass alle Amtsgeschäfte während der Krise auf ihn übertragen wurden. Er lebt hier bei mir um die Ecke“, berichtet der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington. „Hier in Neuseeland war der sogenannte Lock down auf der höchsten Stufe, Level 4, strenger als in Deutschland und alle Kiwis haben sich irgendwie damit abgefunden, ohne auf die Straßen zu gehen und zu demonstrieren“, so Peter Hahn über die letzten Wochen downunder.

Mittlerweile ist das kleine Land im Pazifik mit seinen nur rund fünf Millionen Einwohnern fast wieder bei einer gefühlten Normalität angelangt. Stand 3. Juni 2020 gibt es nur einen aktiven Fall und seit 10 Tagen keine neuen Infizierten. Ab nächster Woche dürfen die Restaurants deshalb ihre Gäste mit weniger Einschränkungen begrüßen und die meisten Unternehmen laufen bereits wieder. „Bei uns gab es auch nie eine offizielle Maskenpflicht wie in Deutschland“, so Peter Hahn. „Allerdings sind das nur die augenscheinlichen Lockerungen für uns hier im Alltag. Ein ganz entscheidender Punkt ist, die Grenzen sind und bleiben auf unbestimmte Zeit zu!“

Einreise-Stopp für Touristen

Derzeit wird diskutiert, ob man zunächst ein Abkommen mit anderen nahen Inselstaaten trifft und beispielsweise Australier und Bewohner von den Pazifischen Inseln zuerst wieder ins Land lässt. Kürzlich wurde auch eine umstrittene Sonderregelung getroffen, bei der seit Monaten das erste Langstreckenflugzeug aus Los Angeles mit Sondergenehmigung in Wellington landete. An Bord waren nur Filmleute, die dringend für die Produktion der Avatar-Verfilmungen von James Cameron gebraucht werden. Alle Passagiere, Facharbeiter, die in der Filmindustrie tätig sind, müssen sich jedoch zunächst für zwei Wochen in Quarantäne begeben. „Dieser Zug der neuseeländischen Regierung war natürlich sehr umstritten, denn viele Arbeitgeber hier warten verzweifelt auf die Rückkehr ihrer Angestellten, die sich zum Zeitpunkt des Lock downs im Ausland aufhielten“, erläutert der Immigrations-Berater die momentane Lage. „Ich habe auch deutsche Kunden, die jetzt in Deutschland festhängen, da sie mit ihren Arbeitsvisum für Neuseeland hier nicht wieder einreisen dürfen.“ Nur die sogenannten Residents (Personen mit der neuseeländischen Aufenthaltsgenehmigung) und neuseeländische Bürger haben in der jetzigen Situation überhaupt die Möglichkeit, mit zweiwöchiger Quarantäne nach Neuseeland einzureisen – wenn überhaupt ein Flugzeug fliegt. Die meisten internationalen Maschinen stehen derzeit am Boden. Auch für wenige humanitäre Fälle gibt es Ausnahmen. Anders als in Europa oder in den USA sind die Grenzen sogar für andere Visahalter, wie Studenten und natürlich Touristen nach wie vor geschlossen.

Priorisierung von Anträgen

„Während des Lock downs kam so auch die neuseeländische Einwanderungsbehörde komplett zum Erliegen“, weiß Peter Hahn. „Sämtliche Zweigstellen in China, Indien, anderen Ländern und natürlich hier in Neuseeland waren dicht. Bearbeitet wurden nur noch Notfälle, wie beispielsweise Arbeitsvisa von Personen, die hier im Gesundheitswesen tätig sind. Wenn deren Work Visa in dieser Zeit ausliefen und dringend Verlängerungen benötigten, wurden sie bearbeitet. Alle anderen Anträge, die sich ja ohnehin über die letzten Monate extrem verzögerten, wurden nun gar nicht mehr angesehen.“ Seit 14. Mai sind nun einige Branchen von Immigration New Zealand wieder geöffnet, dennoch liegt die Kapazität momentan vermutlich bei nur rund 50 Prozent. „Im Augenblick werden Anträge jeglicher Art priorisiert, bei denen sich die Antragsteller bereits in Neuseeland befinden, denn die Grenzen sind ja dicht“, erläutert Peter Hahn die Lage aus seinem Erfahrungsumfeld. „Ich vermute mal, man debattiert gerade wohl auch, dass zuerst wieder Studenten mit Student Visa ins Land gelassen werden könnten. Bei diesem Szenario würden dann vermutlich die internationalen Studenten mit einem gesonderten Charterflug ins Land gelangen, die Universitäten müssten sich um die Einhaltung der Quarantäne kümmern“, mutmaßt der Einwanderungsberater mögliche Lockerungen. „Das würde laut Medien pro Student rund 80.000 NZD in Aucklands Kassen bringen, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.“

Jobsuche wird schwieriger

Ganz anders sieht es bei anderen Einwanderungsanträgen aus. „Alle Personen, die auf ein Jobangebot in Neuseeland angewiesen sind, um einzuwandern, für die sieht es im Augenblick schwieriger aus“, erklärt der Einwanderungsberater. „Für meine Kunden, deren Verfahren gerade am Laufen sind, geht die Betreuung natürlich weiter und für die, die am Anfang stehen, können wir momentan nur vorbereitende Maßnahmen treffen“, so Peter Hahn. Die Problematik liegt auf der Hand, viele Neuseeländer entdecken ihre recht sichere Heimat in Pandemiezeiten neu und entschließen sich, ins Inselidyll zurückzukehren. Zudem brachen viele Wirtschaftszweige wie die Gastronomie oder die Tourismusbranche komplett zusammen.

„Derzeit stehen viele Neuseeländer auf der Straße und machen so Migranten bei der Jobsuche Konkurrenz. Immigration New Zealand vergibt Work Visa grundsätzlich nur, wenn nachweislich keine Neuseeländer für die Stelle zur Verfügung standen“, erklärt Peter Hahn die Misere. „Allerdings muss man auch sagen, dass beispielsweise ein Koch eben nur wieder als Koch eine Stelle finden kann und nicht als IT-ler. Und einige Technik- und IT-Bereiche sind jetzt schon überlastet. Auch hochqualifizierte Handwerker gibt es nicht genug im Land. Insofern wird der Punkt irgendwann kommen, wo man solche Fachkräfte auch wieder aus dem Ausland holen muss“, prognostiziert der Neuseeland-Experte.

Gute Chancen für Investoren

Eine Ausnahme bilden momentan allerdings Investoren, die nach Neuseeland einwandern wollen. Gerade durch das gute Krisenmanagement während der Corona-Pandemie und das nun sichere, nahezu virenfreie Umfeld mit atemberaubender Naturkulisse, macht Neuseeland für viele Anleger interessant. Der gute Ruf eilt dem kleinen Land voraus. „Ich habe derzeit einige Investor-Kunden, die jetzt überlegen, sich aufgrund der internationalen Krisen-Situation in Neuseeland niederzulassen. Dementsprechend bereiten wir derzeit einige Investor Anträge vor und haben diese zum Teil auch schon während des Lock downs eingereicht.“

Die große Frage für viele Einwanderungsinteressierte bleibt, wie es in den nächsten Monaten weitergehen wird. „Das ist genau der Preis, den wir hier alle gerade bezahlen, denn diese Prognose, wagt keiner zu stellen in der jetzigen Situation. Die Grenzen sind und bleiben offiziell erst einmal zu. Und wie sich die Lage bei den Einwanderungsbehörden entwickelt, die ohnehin schon mit einem Rückstau von hunderten von Anträgen aus der Zeit vor der Krise kämpfen müssen, ist derzeit überhaupt nicht absehbar. Wir beobachten die Situation jedoch für unsere Kunden genau und werden jede Lücke und Lockerung in den nächsten Wochen versuchen, zu nutzen“, so das Fazit des Einwanderungsberaters.

Wer auf dem aktuellen Stand gehalten werden will und immer über die neusten Geschehnisse in Sachen Einwanderung nach Neuseeland informiert werden will, kann hier auf der Homepage unverbindlich den Newsletter von Peter Hahn abonnieren.
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