Skilled Migrant Kategorie auf dem Prüfstand

Regierung kündigt Änderungen an

Nach langem Stillstand bei der Einwanderung nach Neuseeland und den noch anhaltenden Grenzschließungen scheint sich jetzt in der Regierungsbehörde langsam etwas zu bewegen. Der Immigrationsminister Chris Faafoi kündigte an, die Skilled Migrant Kategorie als erstes unter die Lupe zu nehmen. Gleichzeitig machte er klar, dass es die hohen Einwanderungszahlen wie vor Covid19-Zeiten nicht mehr geben wird. Einwanderungsinteressierte weltweit warten nun ungeduldig, denn welche neuen Regularien es tatsächlich geben wird, darüber kann momentan nur spekuliert werden. Die Skilled Migrant Kategorie ist nun wieder einmal auf dem Prüfstand, denn dies ist die Einwanderungsschiene, über welche die meisten Migranten den Weg nach Neuseeland wählen.

Die Migrationszahlen sind mit den Grenzschließungen drastisch eingebrochen. Wo normalerweise um diese Zeit rund 20.000 neue Einwanderer ins Land gekommen wären, sind es momentan nur noch 2.500. Auch im Refugee Programm sank die Zahl der Asylsuchenden, die einwandern durften, von 1.500 Personen auf nur 200. Während Kanada erst kürzlich 27.000 temporäre Arbeiter einlud, sich für die Residency zu bewerben, hat Australien eine eigene Untersuchung ihres Skilled Migrant Programms begonnen. Auch der neuseeländische Einwanderungsminister Chris Faafoi kündigte an, die neuseeländische Skilled Migrant Kategorie neu unter die Lupe nehmen zu wollen. Das habe oberste Priorität, so der Minister. Seit über einem Jahr wurden keine Expression of Interest-Anträge mehr selektiert.

Status Quo

Und mit dieser Entscheidung scheint der Immigrationsminister endlich einen Weg zu gehen, der schon lange aussteht. 1.100 Familien sind seit Monaten durch die Grenzschließung und die Stagnation der Antragsbearbeitung zerrissen. So arbeitet beispielsweise eine indische  Krankenschwester in Neuseeland, während ihre fünfjährige Tochter auch nach einem Jahr der Trennung von der Mutter noch in der alten Heimat warten muss. „Das grenzt schon nahe an Diskriminierung und wenn im April immer noch nichts passiert ist, schmeiße ich hier den Job hin und gehe zurück zu meiner Familie nach Indien“, erklärt Neethu Johnly. Doch das ist nicht das einzige Problem. Durch den Stillstand hat sich auch ein großes Loch in den Kassen der Einwanderungsbehörde gebildet. Rund 135 Millionen NZD fehlen bereits. „Ein Stellenabbau würde den sogenannten Backlog, den Rückstau an unbearbeiteten Anträgen nur noch vergrößern“, erklärt der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington. Ebenso führte der kürzlich ausgerufene Lock down in Auckland nach einem kleinen Corona-Ausbruch durch Einreisende, die sich zum Einkaufen unerlaubt aus der Quarantäne-Einrichtung entfernt hatten, zu erneuten Verzögerungen bei der Einwanderungsbehörde. Die Mitarbeiter mussten ins Home Office und konnten keine Unterlagen zur Bearbeitung mitnehmen.

Skilled Migrants benötigt

Dass Neuseeland qualifizierte Einwanderer benötigt, ist unumstritten. Nur in welcher Zahl und mit welchen Voraussetzungen? Erst kürzlich ging wieder ein Aufschrei durch die Presse, dass beispielsweise in der Altenpflege dringend Personal gesucht werde. „Ich habe sogar jetzt, während der Grenzschließungen Kunden, die über ein aufwendiges Prozedere einwandern können“, berichtet Peter Hahn. „Vor allem im Gesundheitssektor fehlt es an allen Ecken und Enden.“ Obwohl weit über 16.000 Neuseeländer 2020 durch die Pandemie aus dem Ausland in ihre Heimat zurückkehrten, sind Fachkräfte wie IT-ler oder Ingenieure auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor gesucht. Auch gut ausgebildete, erfahrene Handwerker sind gefragt. „Und wie in jedem Land gibt es natürlich unzählige Gast- und Saisonarbeiter, deren Jobs kein Neuseeländer machen will – so beispielsweise bei der Obsternte. Also auch in bestimmten Niedriglohnsektoren werden dringend Arbeitskräfte gesucht“, erläutert der Einwanderungsberater die momentane Lage.

Analyse der drei Skill Level

„Ich sehe die Einwanderung in drei Ebenen aufgeteilt. Zum einen gibt es die weniger qualifizierten, aber dennoch wichtigen Einwanderer. Sie arbeiten in Sektoren, in denen es kaum Neuseeländer gibt, welche diese Arbeiten pflichtbewusst mit Fürsorge, Ernsthaftigkeit und so einer eigenen Anspruchslosigkeit durchführen würden“, so Peter Hahn. Dazu gehört beispielsweise die Arbeit auf Obstplantagen, sowie in der Alten- und Krankenpflege. „Dieser Einwanderungsbereich hat einen großen Anteil an den Gesamtzahlen. Sollte man den Sektor schließen, kommt es sicherlich zu Problemen auf dem Arbeitsmarkt. Auf Plantagen könnte man noch mehr automatisieren, anstatt Saisonarbeiter oder Work-and-Traveller anzustellen. Aber in der Pflege? Die Labour-Partei will ja Ausbeute vermeiden und Fairness gegenüber Migranten hochhalten. Lässt man die Gastarbeiter beispielsweise aus den Philippinen nur temporär ins Land ohne Aussicht auf ein Bleiberecht, hat das mit Fairness nicht mehr allzu viel zu tun“, vertritt Peter Hahn seine Meinung.

„Dann gibt es Immigranten, die im Mittelfeld mitspielen. Sie fallen gerade noch unter Skilled Employment, kommen oft aus Indien mit Management-Studiengängen und machen dann in Neuseeland ein kleines Business auf. Ich erwarte eigentlich, dass es hier die meisten Einschränkungen geben wird, denn diese Leute werden nicht unbedingt gebraucht. Zumindest würde hier eine Begrenzung der Zuwanderung am meisten Sinn machen“, meint der Einwanderungsberater aus seinen über 25 Jahren Berufserfahrung.

Die meisten seiner Kunden kommen aus dem Level der Top Skills. „Das sind Einwanderer, die aufgrund ihrer Ausbildung und Berufserfahrung einfach qualifizierte Fachkräfte darstellen, die überall gesucht werden. Egal ob IT oder Handwerk, ich gehe davon aus, dass geplante Änderungen hier kaum Auswirkungen auf diese Klientel haben wird. Solche Leute sind einfach gesucht und werden auch in vielen Sektoren dringend gebraucht.“

Mögliche Änderungen

„Es wird schwierig werden, diese Level genau zu unterscheiden und dann Policies zu stricken, die jeden Kandidaten eindeutig einer Kategorie eindeutig zuordnen lässt“, gibt Peter Hahn zu bedenken. „Da wird es immer Grenzfälle und Grauzonen geben. „Aus der Vergangenheit heraus will die Labour Partei aber genau das erreichen, genauste Regeln, um NUR die Lücken auf dem Arbeitsmarkt zu füllen. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass Fachkräfte einwandern und am Ende doch eine Blaubeerfarm aufmachen und gar nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten. So theoretisch kann man die Einwanderung einfach nicht planen!“ In den letzten 25 Jahren wurden schon viele Richtlinien geändert, viel diskutiert und rund alle vier Jahre erklärt, man wolle jetzt Fachkräfte im Land selbst ausbilden. Passiert sind große Änderung bislang noch nicht. „Es ist schwer vorherzusagen, was genau geändert wird, aber ich bin zuversichtlich, dass neue Regularien meine Kunden nicht so stark betreffen werden. Ein simpler, aber effektiver Eingriff wäre beispielsweise, den momentanen Mindeststundenlohn von derzeit 25.50 NZD weiter zu erhöhen. Ein guter Arbeitgeber, der sein Personal halten will, bezahlt dann eben auch mehr. Das würde die Löhne im Allgemeinen anheben und da will man ja schon lange hin – weg von der Ausbeute und hin zu fairen Bedingungen“, resümiert Peter Hahn. „Für die Erntehelfer oder Pflegepersonal wäre das jedoch ein echtes Problem. Hier müsste man entweder auf temporären Arbeitsvisa bleiben oder gerade im Pflegebereich einfach eigene Sonder-Visa kreieren.“

Zukunftsausblick

In jedem Fall müssen dringend Entscheidungen gefällt werden. Ein Anfang wäre, zumindest die Anträge der Menschen, die bereits vor Ort in Neuseeland sind, zu bearbeiten. Wie das Beispiel der indischen Krankenschwester zeigt, werden sonst Fachkräfte auch wieder abwandern. Und wenn die Grenzen erst einmal wieder offen sind, könnten auch die qualifizierten Neuseeland-Heimkehrer schnell wieder reisewütig werden und das Weite suchen. Neuseeland hat schon immer Einwanderer benötigt und wird sie auch in Zukunft weiter brauchen!

Einwander-Versuch in Corona-Zeiten

Möglich oder sinnlos?

 Mit geschlossenen Grenzen, nur wenigen internationalen Flügen und limitierten Plätzen in dezidierten Quarantäneeinrichtungen scheint es zunächst schier unmöglich, nach Neuseeland einzureisen. Dennoch bearbeitet Peter Hahn derzeit Visa- und Resident-Anträge von Deutschen, die gerne nach Neuseeland einwandern möchten. Die Lage scheint also nicht gänzlich aussichtslos, denn wie immer gibt es Ausnahmen.

Drei Unbekannte für Einwanderungsinteressierte

Derzeit gibt es drei Unbekannte, welche die Einschätzung der Einwanderungschancen für Interessierte schwierig gestalten.

Zunächst hat das Immigrationssystem mit vielen Altlasten der vorangegangenen Legislaturperiode zu kämpfen. „Durch die Koalition von Labour mit der NZ First Partei ist in den vergangenen zwei Jahren in Sachen Einwanderung nahezu nichts passiert“, erklärt Peter Hahn die momentane Situation. „Normalerweise wird alle zwei Jahre von der Regierung eine Einwanderungsquote festgelegt. Doch die Parteien konnten sich auf nichts einigen, unter anderem deshalb blieben viele Anträge einfach liegen. Momentan dauert die Bearbeitung eines Residence Antrags an die zwei Jahre!“ Der sogenannte Backlog, führt zu erheblichen Wartezeiten und seit der Wahl ist noch keine neue Einwanderungsquote festgelegt worden.

Eine weitere Unbekannte für Einwanderungsinteressierte ist der Stand der Immigrationsregularien, welche die Labour-Regierung nach und nach neu erarbeiten möchte. So sollen 2021 die Work Visa Policy, die Investor Category und auch das Punktesystem überarbeitet werden. „Wir können zum jetzigen Zeitpunkt nur in die Wahlprogramme der Labour Partei blicken, um zu erahnen, in welche Richtung die neue Regierung entscheiden wird“, erklärt der Einwanderungsberater mit seinen über 25 Jahren Berufserfahrung. „Die angestrebten Regelungen haben jedoch keinen großen Einfluss auf die meisten meiner Kunden“, kann er beruhigen. „Viele Maßnahmen zielen auf weniger qualifizierte Antragsteller ab, für welche es dann schwieriger werden wird, nach Neuseeland einzuwandern. Die meisten Deutschen haben gute Qualifikationen, eine solide Ausbildung und bringen entsprechende Berufserfahrung mit, so dass sie von geplanten Änderungen im Wesentlichen unberührt sein sollten.“

Das dritte große Fragezeichen derzeit ist die Covid-19-Pandemie. Wie lange werden die Grenzschließungen noch andauern und wann wird es für Ausländer wieder möglich sein, ohne Sonderregelungen nach Neuseeland einzureisen? „Dies sind Faktoren, die von niemandem beeinflussbar sind und somit zu mehr Unplanbarkeit in den einzelnen Einwanderungsverfahren führen können“, so Peter Hahn stirnrunzelnd.

Ausnahmen bestätigen die Regel

„Ich habe einige wenige Kunden, für die es trotz Grenzschließung möglich ist, von Deutschland nach Neuseeland einzureisen und dann sogar entsprechende Visa-Anträge zu stellen.“ Experten, deren Arbeitskraft dringend im Gesundheitswesen gebraucht wird, haben derzeit in Ausnahmefällen die Möglichkeit, per Sonderreisegenehmigung nach Neuseeland einzureisen. „Zunächst benötigen die Antragsteller eine neuseeländische Berufszulassung, die dann mit recht großem Aufwand von Deutschland aus organisiert werden muss. Dann können sich die Gesundheitsexperten, wie in einigen Fällen beispielsweise Ergotherapeuten oder Nuklearmediziner, einen Job in Neuseeland organisieren. Das ist das geringste Problem“, erklärt der Einwanderungsberater. Auch qualifizierte Veterinäre werden dringend gesucht. „Mit diesen Papieren in der Tasche reiche ich zunächst ein sogenanntes Request for travel to New Zealand ein, woraufhin wir dann eine Invitation to Apply für ein sogenanntes Critical Purpose Visitor Visa erhalten, mit welchem die Personen dann einreisen können. Erst wenn sie hier vor Ort sind, kann ich dann ein Work Visa für sie beantragen.

Quarantäne-Debakel

Eine Hürde bei den Reisevorbereitungen ist jedoch das Management eines Fluges in Kombination mit einer Sonderreisegenehmigung und im gleichen Zeitraum die Organisation eines Platzes in einer der gemanagten Quarantäne-Einrichtungen. Denn jede Person, die einreist, muss in Neuseeland zunächst zwei Wochen in Quarantäne. In den Medien wird immer wieder berichtet, dass Fachpersonal nicht einreisen kann, weil über Monate keine freien Quarantäne-Zimmer mehr buchbar seien. Reisende scheinen aus Panik gleich mehrere Plätze zu buchen, andere Einreisende treten den geplanten Flug erst gar nicht an. So blieben täglich zwischen acht und sechzehn der wenigen heiß umkämpften Zimmer leer. „Diese Meldungen wiederholen sich hier in den Medien ständig. Allerdings hatte ich auch schon einige Kunden, wie beispielsweise Installateure einer österreichischen Fabrikbaufirma, die mit Sondergenehmigung temporär einreisen und hier arbeiten durften. Keiner von ihnen hatte Probleme bei der Organisation der Quarantäneplätze“, berichtet Peter Hahn aus seiner Erfahrung. „Vielleicht gibt es Probleme, wenn man an bestimmten Tagen einen Platz braucht und daher unflexibler suchen muss.“

Zudem kommen etwa 3.600 NZD an Kosten für den vierzehntägigen Aufenthalt in den überwachten Einrichtungen auf die ausländischen Passagiere zu.

Partnership Visa für Multikulti-Paare

Auch für Deutsche, die seit längerem eine feste Beziehung mit einem neuseeländischen Partner haben, gibt es gute Chancen, trotz Grenzschließung nach Neuseeland zu gelangen. „Ganz wichtig ist, dass die Beziehung nicht ‚frisch‘ sein sollte. Also wenn beispielsweise ein Neuseeländer mit seiner deutschen Freundin schon lange Zeit zusammenlebt und gerade in Deutschland ist, kann das Paar auch mit ihren Kindern, nach Neuseeland umziehen“, weiß der Einwanderungsberater. „Zunächst gilt es, das Request for travel to New Zealand zu beantragen. Das ist kein Visum! Danach erhält man eine sogenannte Invitation to apply für ein Critical Purpose Visitor Visa. Das eigentliche Partnerschafts-, Work- oder Resident Visa können wir dann erst beantragen, wenn die Kunden hier in Neuseeland sind!“

Ein Plus für interessierte Investoren

Die Unterlagen von Investoren sind derzeit die einzigen Visa-Anträge von Personen, die sich außerhalb Neuseelands befinden, die überhaupt bei der Immigrationsbehörde bearbeitet werden. „Wer also noch in Deutschland lebt und über entsprechende finanzielle Mittel verfügt, der kann sein Einwanderungsverfahren jederzeit starten oder vorantreiben. Denn bis zur Erteilung der Visa kann es einige Zeit dauern. Selbst wenn das Verfahren genehmigt wird, werden die eigentlichen Visa ausgesetzt und erst dann erteilt, wenn die Grenzen Neuseelands wieder aufmachen und eine Einreise möglich wird“, erklärt Peter Hahn. „Insofern machen hier vorbereitende Maßnahmen absolut Sinn momentan.“

Studenten, Hängengebliebene und langfristige Einwanderer

Wer plant, nach Neuseeland zurück zu gehen, um ein Studium fortzusetzen, kann ebenfalls schon entsprechende Vorbereitungen treffen. „Momentan liegt der Fokus ausschließlich auf Studenten, die schon oder noch ein gültiges Student Visa haben und hier schon angefangen hatten, zu studieren. Viele sind aus den unterschiedlichsten Gründen vor dem Lockdown im Ausland hängen geblieben. Diese sollen nach und nach wieder reingelassen werden. Ob und wann neue Studenten wieder einreisen dürfen, ist momentan noch reine Spekulation. Es spricht dafür, dass Studenten bessere Chancen auf eine frühere Einreise als Touristen haben, denn die Unis und Polytechnics und zum Teil auch Secondary Schools hatten sich sehr an die hohen Studiengebühren der Ausländer gewöhnt, die nun fehlen. Zudem sind die Zahlen der Studenten überschaubarer als die etwaiger Touristen aus aller Welt“, so der Einwanderungsberater.

Peter Hahn kümmert sich derzeit auch um einige Antragsteller, die durch den strengen Lock down in Neuseeland hängengeblieben sind. „Wer hier in Neuseeland hängengeblieben ist, weil die Grenzen geschlossen wurden, bekam sein Besuchervisum immer wieder verlängert. Ich habe mehrere Kunden mittlerweile, die beispielsweise auf Weltreise waren und so nun schon seit über einem Jahr in Neuseeland sind. Einige davon haben sich entschlossen, aufgrund der drastischen Corona-Situation in Deutschland und der entsprechenden Ansteckungsgefahr, hierzubleiben.“ Da die Kunden bereits vor Ort sind, werden ihre Visa-Anträge von Immigration New Zealand bearbeitet.

Für alle andere Interessierten heißt es, erst einmal mit Geduld abzuwarten. „Für mache Bewerber kann es sich lohnen, zumindest vorbereitende Maßnahmen für die Einwanderung zu treffen“, erklärt der Neuseeland-Experte. „Dazu kann beispielsweise gehören, jetzt schon einmal seine Ausbildung bewerten zu lassen.“

Die Aussichten, nach Neuseeland einzuwandern, um der Pandemie zu entkommen, sind derzeit nicht für Jedermann rosig. Doch einige Bewerber haben tatsächlich ganz gute Chancen. „Gemessen an der Tatsache, dass viele Verfahren derzeit nicht möglich sind und einzelne Schritte und Regularien zum jetzigen Zeitpunkt schwer planbar sind, habe ich verhältnismäßig viele Anfragen momentan. Das Interesse an Neuseeland ist ungebrochen!“

Neuseeland nach der Wahl

Historischer Sieg für Labour

Neuseeland hat gewählt und das Ergebnis war wirklich eindeutig. Die Kiwis haben ihrer Premierministerin Jacina Ardern und der Labour Partei mit 50 Prozent der Stimmen einen historischen Wahlsieg beschert.

Absolute Mehrheit bei Parlamentswahl

Seit 1996 gab es keine absolute Mehrheit für eine Partei in Neuseeland. Die junge, sympathische Premierministerin Jacinda Ardern, die nicht nur wegen ihrer erfolgreichen Corona-Politik weltweit Anerkennung findet, errang im Oktober bei den Parlamentswahlen den eindeutigen Wahlsieg. Mit 65 von 120 Sitzen im Parlament wird die 40jährige künftig Neuseeland mit ihrer sozialdemokratischen Labour Partei alleine regieren. „Ich möchte eine Premierministerin für alle Neuseeländer sein. In einer Welt, die sich polarisiert und nur noch wenige Menschen fähig sind, die Position des anderen zu sehen, ist es wichtig, zusammen zu halten!“ Mit diesen Worten trat die empathische Frau ans Mikrofon. „Wir hier in Neuseeland sind nicht so. Wir sind klein, wir können zuhören und als eine Nation diskutieren und werden deshalb die Perspektive unserer Mitbürger nicht aus dem Auge verlieren!“ Obwohl Labour alleine regieren kann, vergab Jacinda Ardern zwei Ministerposten an die Grünen. Sie setzte als Außenministerin erstmalig eine Frau mit traditionellem Moko, dem Gesichtstattoo der Ureinwohner, ein.

Dabei war Arderns Wahlsieg alles andere als gesichert. Sie stand vor allem wegen gebrochener Wahlversprechen in der Kritik, da sie 100.000 Häuser für sozial Schwache angekündigt aber nicht realisiert hatte. Als die Corona-Pandemie begann, machte sie jedoch als gekonnte Krisenmanagerin weltweit auf sich aufmerksam und setzte den strengsten Lockdown der Welt durch. Ihre Popularität stieg, denn mit nur 25 Todesopfern und nur einer ersten Welle manövrierte sie ihr Land glimpflich durch die Covid-19-Krise. Nahezu Corona-frei steckt das Land nun jedoch wie viele Länder in einer Wirtschaftskrise. Die internationale Tourismusbranche brach aufgrund der absoluten Abschottung zusammen, einen Teil der Umsätze werden jetzt jedoch durch die im Land reisenden Kiwis zurückgewonnen. Die Menschen in Neuseeland leben heute ohne Masken, ohne Schulschließungen, besuchen Sportveranstaltungen und Restaurants, während der Rest der Welt mit der zweiten Infektionswelle kämpft. Bis heute sind Neuseelands Grenzen jedoch geschlossen, um einen erneuten Ausbruch der Pandemie im Inselstaat zu verhindern.

Doch wie geht es nun in punkto Grenzschließungen und Einwanderungspolitik in Zeiten der Pandemie weiter? Kann man überhaupt nach Neuseeland einwandern momentan? Und wer wird künftig Chancen haben, seinen Traum vom Leben in Aotearoa zu verwirklichen? Lesen Sie im nächsten Artikel, wie Ihr Einwanderungsberater und sein Team live aus Wellington berichten, was die Regierung derzeit plant.

Einwandern in der Corona-Krise?

Überblick: Immigrations-Situation Neuseeland in der Corona-Krise

Stand 05. Juni 2020

Neuseelands Führungsspitze mit Jacinda Ardern als junger und dynamischer Premierministerin wird weltweit für das Krisenmanagement in Zeiten der Corona-Pandemie gelobt. Man hätte vorbildlich gehandelt und es auf diese Weise sogar geschafft, das Corona-Virus nahezu ganz aus dem Land zu verdrängen. Jedoch muss auch Neuseeland für die drastischen Maßnahmen einen teuren Preis bezahlen. Der Tourismus kam gänzlich zum Erliegen und auch viele andere Teile der Wirtschaft sind drastisch eingebrochen. Doch was bedeutet die Corona-Krise nun für viele Deutsche, die eigentlich nach Neuseeland einwandern wollten?

Rückblick

Nur 22 Tote in ganz Neuseeland, die mit aber nicht zwingend durch Corona verstorben sind. Mit so einer niedrigen Zahl können nur wenige Länder der Welt in den schwierigen Zeiten der Corona-Krise aufwarten. „Die neuseeländische Regierung hielt sich sehr genau an die Empfehlungen des Director of Health, Ashley Bloomfield, so dass teilweise der Eindruck entstand, dass alle Amtsgeschäfte während der Krise auf ihn übertragen wurden. Er lebt hier bei mir um die Ecke“, berichtet der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington. „Hier in Neuseeland war der sogenannte Lock down auf der höchsten Stufe, Level 4, strenger als in Deutschland und alle Kiwis haben sich irgendwie damit abgefunden, ohne auf die Straßen zu gehen und zu demonstrieren“, so Peter Hahn über die letzten Wochen downunder.

Mittlerweile ist das kleine Land im Pazifik mit seinen nur rund fünf Millionen Einwohnern fast wieder bei einer gefühlten Normalität angelangt. Stand 3. Juni 2020 gibt es nur einen aktiven Fall und seit 10 Tagen keine neuen Infizierten. Ab nächster Woche dürfen die Restaurants deshalb ihre Gäste mit weniger Einschränkungen begrüßen und die meisten Unternehmen laufen bereits wieder. „Bei uns gab es auch nie eine offizielle Maskenpflicht wie in Deutschland“, so Peter Hahn. „Allerdings sind das nur die augenscheinlichen Lockerungen für uns hier im Alltag. Ein ganz entscheidender Punkt ist, die Grenzen sind und bleiben auf unbestimmte Zeit zu!“

Einreise-Stopp für Touristen

Derzeit wird diskutiert, ob man zunächst ein Abkommen mit anderen nahen Inselstaaten trifft und beispielsweise Australier und Bewohner von den Pazifischen Inseln zuerst wieder ins Land lässt. Kürzlich wurde auch eine umstrittene Sonderregelung getroffen, bei der seit Monaten das erste Langstreckenflugzeug aus Los Angeles mit Sondergenehmigung in Wellington landete. An Bord waren nur Filmleute, die dringend für die Produktion der Avatar-Verfilmungen von James Cameron gebraucht werden. Alle Passagiere, Facharbeiter, die in der Filmindustrie tätig sind, müssen sich jedoch zunächst für zwei Wochen in Quarantäne begeben. „Dieser Zug der neuseeländischen Regierung war natürlich sehr umstritten, denn viele Arbeitgeber hier warten verzweifelt auf die Rückkehr ihrer Angestellten, die sich zum Zeitpunkt des Lock downs im Ausland aufhielten“, erläutert der Immigrations-Berater die momentane Lage. „Ich habe auch deutsche Kunden, die jetzt in Deutschland festhängen, da sie mit ihren Arbeitsvisum für Neuseeland hier nicht wieder einreisen dürfen.“ Nur die sogenannten Residents (Personen mit der neuseeländischen Aufenthaltsgenehmigung) und neuseeländische Bürger haben in der jetzigen Situation überhaupt die Möglichkeit, mit zweiwöchiger Quarantäne nach Neuseeland einzureisen – wenn überhaupt ein Flugzeug fliegt. Die meisten internationalen Maschinen stehen derzeit am Boden. Auch für wenige humanitäre Fälle gibt es Ausnahmen. Anders als in Europa oder in den USA sind die Grenzen sogar für andere Visahalter, wie Studenten und natürlich Touristen nach wie vor geschlossen.

Priorisierung von Anträgen

„Während des Lock downs kam so auch die neuseeländische Einwanderungsbehörde komplett zum Erliegen“, weiß Peter Hahn. „Sämtliche Zweigstellen in China, Indien, anderen Ländern und natürlich hier in Neuseeland waren dicht. Bearbeitet wurden nur noch Notfälle, wie beispielsweise Arbeitsvisa von Personen, die hier im Gesundheitswesen tätig sind. Wenn deren Work Visa in dieser Zeit ausliefen und dringend Verlängerungen benötigten, wurden sie bearbeitet. Alle anderen Anträge, die sich ja ohnehin über die letzten Monate extrem verzögerten, wurden nun gar nicht mehr angesehen.“ Seit 14. Mai sind nun einige Branchen von Immigration New Zealand wieder geöffnet, dennoch liegt die Kapazität momentan vermutlich bei nur rund 50 Prozent. „Im Augenblick werden Anträge jeglicher Art priorisiert, bei denen sich die Antragsteller bereits in Neuseeland befinden, denn die Grenzen sind ja dicht“, erläutert Peter Hahn die Lage aus seinem Erfahrungsumfeld. „Ich vermute mal, man debattiert gerade wohl auch, dass zuerst wieder Studenten mit Student Visa ins Land gelassen werden könnten. Bei diesem Szenario würden dann vermutlich die internationalen Studenten mit einem gesonderten Charterflug ins Land gelangen, die Universitäten müssten sich um die Einhaltung der Quarantäne kümmern“, mutmaßt der Einwanderungsberater mögliche Lockerungen. „Das würde laut Medien pro Student rund 80.000 NZD in Aucklands Kassen bringen, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.“

Jobsuche wird schwieriger

Ganz anders sieht es bei anderen Einwanderungsanträgen aus. „Alle Personen, die auf ein Jobangebot in Neuseeland angewiesen sind, um einzuwandern, für die sieht es im Augenblick schwieriger aus“, erklärt der Einwanderungsberater. „Für meine Kunden, deren Verfahren gerade am Laufen sind, geht die Betreuung natürlich weiter und für die, die am Anfang stehen, können wir momentan nur vorbereitende Maßnahmen treffen“, so Peter Hahn. Die Problematik liegt auf der Hand, viele Neuseeländer entdecken ihre recht sichere Heimat in Pandemiezeiten neu und entschließen sich, ins Inselidyll zurückzukehren. Zudem brachen viele Wirtschaftszweige wie die Gastronomie oder die Tourismusbranche komplett zusammen.

„Derzeit stehen viele Neuseeländer auf der Straße und machen so Migranten bei der Jobsuche Konkurrenz. Immigration New Zealand vergibt Work Visa grundsätzlich nur, wenn nachweislich keine Neuseeländer für die Stelle zur Verfügung standen“, erklärt Peter Hahn die Misere. „Allerdings muss man auch sagen, dass beispielsweise ein Koch eben nur wieder als Koch eine Stelle finden kann und nicht als IT-ler. Und einige Technik- und IT-Bereiche sind jetzt schon überlastet. Auch hochqualifizierte Handwerker gibt es nicht genug im Land. Insofern wird der Punkt irgendwann kommen, wo man solche Fachkräfte auch wieder aus dem Ausland holen muss“, prognostiziert der Neuseeland-Experte.

Gute Chancen für Investoren

Eine Ausnahme bilden momentan allerdings Investoren, die nach Neuseeland einwandern wollen. Gerade durch das gute Krisenmanagement während der Corona-Pandemie und das nun sichere, nahezu virenfreie Umfeld mit atemberaubender Naturkulisse, macht Neuseeland für viele Anleger interessant. Der gute Ruf eilt dem kleinen Land voraus. „Ich habe derzeit einige Investor-Kunden, die jetzt überlegen, sich aufgrund der internationalen Krisen-Situation in Neuseeland niederzulassen. Dementsprechend bereiten wir derzeit einige Investor Anträge vor und haben diese zum Teil auch schon während des Lock downs eingereicht.“

Die große Frage für viele Einwanderungsinteressierte bleibt, wie es in den nächsten Monaten weitergehen wird. „Das ist genau der Preis, den wir hier alle gerade bezahlen, denn diese Prognose, wagt keiner zu stellen in der jetzigen Situation. Die Grenzen sind und bleiben offiziell erst einmal zu. Und wie sich die Lage bei den Einwanderungsbehörden entwickelt, die ohnehin schon mit einem Rückstau von hunderten von Anträgen aus der Zeit vor der Krise kämpfen müssen, ist derzeit überhaupt nicht absehbar. Wir beobachten die Situation jedoch für unsere Kunden genau und werden jede Lücke und Lockerung in den nächsten Wochen versuchen, zu nutzen“, so das Fazit des Einwanderungsberaters.

Wer auf dem aktuellen Stand gehalten werden will und immer über die neusten Geschehnisse in Sachen Einwanderung nach Neuseeland informiert werden will, kann hier auf der Homepage unverbindlich den Newsletter von Peter Hahn abonnieren.
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