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Einwanderung ist positiv für die Wirtschaft

Productivity Commission legt ihren Bericht vor

Die Productivity Commission ist ein von der neuseeländischen Regierung beauftragter unabhängiger Ausschuss, der sich mit der Wirtschaftsproduktivität Neuseelands beschäftigen sollte. Einen großen Faktor innerhalb der Arbeit der Kommission bildete das Thema Immigration. Jetzt veröffentlichte die Productivity Commission ihren finalen Bericht und kommt klar zu dem Ergebnis: Einwanderung ist für Neuseelands Wirtschaft positiv. Das dürfte alle Einwanderungsinteressierten aufatmen lassen. Der langjährige Immigrationsberater Peter Hahn stimmt den Resultaten in vielen Punkten zu und hofft nun, auf einen positiven Effekt auf die künftige Einwanderungspolitik der Labour-Regierung.

„Man muss verstehen, dass diese unabhängige Kommission nicht eingerichtet wurde, um das Thema Immigration zu untersuchen, sondern der Fokus lag darauf, die Produktivität Neuseelands zu beleuchten“, erklärt Peter Hahn die Hintergründe. „Welche Faktoren dienen dem Wirtschaftswachstum, welche mindern es.“ Er selbst in von dem Report sehr angetan, denn hier werden einige Punkte aufgedeckt, die der Immigrationsberater bereits seit vielen Jahren bemängelt. Dr. Ganesh Nana, der Vorsitzende der Productivity Commission erklärt zusammengefasst: „Die Einwanderung muss transparenter werden für die Bewerber und die Bevölkerung. Ganz wichtig ist es endlich zu erkennen, dass alle Änderungen, die gemacht werden, nicht nur zu kurzfristigen Zielen führen sollten, sondern die Planung deutlich langfristiger erfolgen muss.

Einwanderung & Wirtschaft

Die Kommission hat herausgefunden, dass Einwanderer eine wichtige Diversität und wirklich dringend benötigte Fähigkeiten und Wissen an die Arbeitsplätze in Neuseeland bringen. „Sie spielen so eine wichtige Rolle, neue Jobs für Neuseeländer zu kreieren und auf diese Weise tragen sie wiederum einen großen Teil zur neuseeländischen Wirtschaftsentwicklung bei. Das darf nicht unterschätzt werden“, so Dr. Nana über seine Untersuchungsergebnisse. Peter Hahn sieht das ähnlich: „Die Arbeitsplätze werden also nicht weniger durch Migranten, sondern es entsteht oft ein Arbeitsplatzwachstum“, berichtet auch er aus seinen über 25 Jahren Berufserfahrung. „Natürlich kann es einmal sein, dass ein besser ausgebildeter Einwanderer einem Neuseeländer vorgezogen wird, wenn es an die Vergabe eines Arbeitsplatzes geht. Aber wenn man das mal genauer betrachtet, ist da ja nicht die Einwanderung an sich zu kritisieren, sondern eigentlich die Tatsache, dass Neuseeland in vielen Bereichen wenig oder nicht gut ausbildet. Es sollte also, anstelle die Einwanderung zu verdammen, ein Umdenken passieren und gute Ausbildungsmöglichkeiten für Neuseeländer geschaffen werden!“, gibt Peter Hahn zu bedenken.

Einwanderung & Infrastruktur

Ein weiterer Punkt, der immer auf die hohen Einwanderungszahlen abgeschoben wird, ist die problematische Belastung der neuseeländischen Infrastruktur. Zu wenig Wohnraum, nicht genügend Straßen für die Bevölkerungsmassen in den Großstädten, ein Hintertreffen im Bau von Schulen, Wasserversorgung und vielem mehr. „Ich sehe hier die Schuld an dem Dilemma nicht etwa bei den Einwanderern, sie haben das bereits bestehende Problem nur eskaliert“, beteuert der Neuseeland-Experte. „Die mangelhafte Infrastruktur für die wachsende Bevölkerung, auch ohne Einwanderer, muss an anderer Stelle angegangen werden. Die Freimachung von Land für den Hausbau könnte beispielweise unbürokratischer vonstatten gehen.“

Einwanderung & Transparenz

„Einwanderung hat einen enormen Effekt auf Familien, Gemeinden, Unternehmen und alle, die Aotearoa ihr Zuhause nennen“, zitiert Dr. Nana aus dem Bericht der Productivity Commission. „Und dennoch scheint die Einwanderungspolitik in einer Art ‚Black Box‘ zu erfolgen, abgeschirmt von der Öffentlichkeit und hieb- und stichfesten Untersuchungen, die es sonst für viele anderen öffentlichen Politentscheidungen gibt.“ Gefordert wird ganz klar mehr Transparenz und eine höhere Qualität, wenn es um das Thema Einwanderungspolitik geht. „Für mich war schnell klar, als Labour an die Regierung kam, dass diese Führung die Einwanderungspolitik auf ganz niedriger Priorität sieht. Dann kam die Pandemie und man vernachlässigte das Thema gänzlich. Das fällt der Behörde und auch der Regierung natürlich jetzt auf den Kopf“, versucht Peter Hahn die Lage zu erklären. „Die Premierministerin fordert eigentlich immer ‚Be kind!‘. Wenn ich mir allerdings ansehe, welche unzureichenden Möglichkeiten sie in den letzten beiden Jahren der Pandemie geschaffen hat, um beispielsweise Familien wieder zusammen zu führen, dann war das alles andere als ‚kind‘. Insofern würde mehr Transparenz und eine klarere Linie der Einwanderungspolitik nur guttun“, bestärkt Peter Hahn auch diesen Punkt im Productivity Report. Gefordert wird vor allem mehr Transparenz für Migranten, ob sie langfristig über das Punktesystem der Skilled Migrant Category eine Chance auf die Residency haben, oder nicht.

Einwanderung langfristig planen

Ein großes Problem, welches die Productivity Commission ganz klar herausgearbeitet hat, ist die Planungskurzfristigkeit in der Einwanderungspolitik. „Man versucht hier immer nur direkt auf die aktuelle Lage zu reagieren und irgendwelche ‚Löcher‘ zu stopfen, aber das bringt dann natürlich auch nur kurzfristige Erfolge oder bewirkt sogar langfristig noch mehr Probleme“, kritisiert auch Peter Hahn. Anstelle sich nur Einzelfälle anzusehen und mit Shortlists zu arbeiten, die den momentanen Stand wiedergäben, müsse das Thema Einwanderung viel langfristiger angesehen werden. „Ich habe Klienten, die sind Kinderärzte und werden hier dringend gebraucht. Allerdings stehen Kinderärzte gerade nicht auf der Prioritätenliste für den Pathway to Residence, wie alle anderen Arztberufe. Warum? Das weiß kein Mensch. Zu kleinteilig und wirr sind die Listen, da wird schon einmal ein Berufssektor vergessen“, bemängelt er. Der Einwanderungsberater geht sogar noch einen Schritt weiter, wenn es um die langfristige Planung geht: „Einwanderung funktioniert über Generationen“, stellt er in den Raum. „Ich sehe immer nur Versuche, Immigranten zu knebeln, wie beispielsweise an einen Arbeitgeber zu binden. Das öffnet dann natürlich Tür und Tor für die Ausbeutung der ausländischen Arbeitskräfte und kann nicht der richtige Weg sein. Die Regierung muss hier einmal von ihrem kleinbürgerlichen Denken wegkommen“, fordert der Einwanderungsberater. Immigranten kommen mit vielen Ambitionen hierher und ein Knebelvertrag hilft weder ihnen noch den nächsten Generationen, sich zu entfalten und ihr volles Potenzial zu nutzen.“

Verbesserungsvorschläge & Empfehlungen

Neben mehr Transparenz und einer langfristigeren Planung in der Einwanderungspolitik, werden in dem Bericht der Productivity Commission 24 verschiedene Empfehlungen ausgesprochen. Eine der Hauptforderungen ist es, ein sogenanntes GPS, ein Immigration Government Policy Statement zu etablieren. „Die Regierung muss eine klare strategische Richtung anzeigen, wie es in der Einwanderungspolitik künftig weitergeht. In diesem Zug müsste dann auch reflektiert werden, wie viele temporäre und permanente Visahalter das Land in Hinblick auf die vorhandenen Kapazitäten stemmen könnte“, erklärt der Vorsitzende der Productivity Commission Dr. Nana. „Dabei könnten dann nötige Investitionen, um die Kapazitäten zu erweitern, gleich mit bedacht werden, ebenso wie Ausbildung und Training der eigenen Bürger.“

Peter Hahn sieht diese Forderung in der Realität als schwierig umsetzbar. „Die Regierung hat es die vergangenen Jahre nicht einmal geschafft, sich auf eine Einwanderungsquote festzulegen, so wie das sonst immer alle zwei Jahre passiert ist. Wie sollen sie nun ein komplettes Statement mit Richtungsweisung und unter Einbeziehung der Meinung eines Maori-Ausschusses hinbekommen? Das hört sich für mich als schwer realisierbar an.“

Die Einwanderungspolitik ist gerade eine große Baustelle, so das Resümee. Sie ist nur noch ein Stückwerk und nun ist auch noch der Einwanderungsminister zurückgetreten. Kris Faafoi habe schon in der letzten Amtsperiode vor den Neuwahlen geplant, seinen Posten zu verlassen und alle politischen Ämter aufzugeben, um mehr für seine Familie da zu sein. „Ich frage mich hier, wie viele Journalisten auch geschrieben haben, ist das der Grund, warum nichts mehr passiert in Sachen Einwanderung?“, bringt Peter Hahn die Frage ganz klar auf den Tisch. Als „dead man in the office“ haben es viele Kiwis beschrieben. „Die Regierung ist zögerlich, doch der Druck der Öffentlichkeit und der unterschiedlichsten Business Groups steigt. Nun kommt auch noch der Druck der eigens ins Leben gerufenen und beauftragten Productivity Commission hinzu.

Ich denke also schon, dass demnächst etwas passiert“, schließt der Einwanderungsberater. „So wie es momentan aussieht, müssen sich die ja meist gut qualifizierten deutschen Interessenten keine Sorgen machen, dass sie in Zukunft nicht mehr nach Neuseeland einwandern können. Es bleibt nur die Frage über welchen Weg, Zeitraum, mit welchem Aufwand und mit welchen Unsicherheiten.“

Neuseeland verkündet Stufenplan zur Grenzöffnung

Wer kann wann wieder einreisen?

Nach vielen wissenschaftlichen Expertenmeinungen und Beratungen der neuseeländischen Regierung, hat Premierministerin Jacinda Ardern nun innerhalb kürzester Zeit Strategien und einen Stufenplan veröffentlicht, wie man künftig die Einreise nach Neuseeland wieder langsam ermöglichen könnte. Auch wenn einige Details noch nicht konkret sind und viele Punkte flexibel gehalten werden sollen, zeichnet sich doch eine Vorgehensweise zu einer Grenzöffnung Anfang 2022 und so ein Hoffnungsschimmer für viele Interessierte ab. Gleichzeitig befindet sich das Land nach langer Zeit ohne Ausbruch gerade im Lock Down – wenige mysteriöse COVID-Fälle sind aufgetreten.

Strategie 1 – Impfkampagne in Neuseeland beschleunigen

Ein Land ist in Aufruhr, Geschäfte geschlossen, Schulen gesperrt. Was für die meisten Länder der Welt seit der Pandemie nahezu zur Normalität geworden ist, hat für Neuseeland Katastrophencharakter. Hamsterkäufe in den Supermärkten und eine fieberhafte Suche nach der Ursache des Miniausbruchs haben begonnen. Die Feststellung der Delta-Variante bei einer Person macht der neuseeländischen Politik große Sorgen. Mittlerweile wurde auch Flugpersonal positiv getestet. Für die Ausbruchsregionen Auckland und Coromandel bestehen derzeit erst einmal sieben Tage lang Lock Down, der Rest des Landes muss für drei Tage zu Hause bleiben.

„Bislang konnten sich oft nur priorisierte Neuseeländer gegen COVID19 impfen lassen, jetzt will die Regierung das Roll Out des Impfstoffs deutlich beschleunigen“, berichtet der Neuseeland-Experte und langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn. „Konkret heißt das, wer über 18 Jahre alt ist, soll ab September einen Impftermin zugesichert bekommen.“ Auch der Abstand zwischen der ersten und der zweiten Impfung wird, ähnlich wie in Europa, von 21 Tage auf sechs Wochen verlängert. So will man möglichst viele Menschen im Falle einer kursierenden Delta-Variante zumindest einfach schützen. Der Fokus der Regierung liegt darauf, weder regionale noch ethnische ‚Black Holes‘ entstehen zu lassen, also Gebiete oder Bevölkerungsgruppen, die nicht an den Impfstoff kommen. Idealerweise erhofft man sich, dass im Laufe des Dezembers bis zu 90 Prozent der Bevölkerung geimpft sein werden. „Es macht keinen Sinn, jetzt während der Impfkampagne zu schnell die Grenzen zu öffnen. Das haben wir in vielen Ländern gesehen“, erklärt die Premierministerin in ihrer Ansprache. „Erst wenn unsere Bevölkerung ausreichend geschützt ist, kann sukzessive eine Grenzöffnung angegangen werden. Ansonsten würden wir all die Vorteile und Freiheiten, die wir uns in den letzten Monaten hart erarbeitet haben, einfach aufgeben. Ich denke da an eine stabile Wirtschaft, reduzierte Lock Downs und die Sicherheit der Menschen hier!“

Wirtschafts-Boom trotz Pandemie

In über einem Jahr war die Arbeitslosigkeit in Neuseeland noch nie so niedrig wie derzeit – trotz der vielen Negativauswirkungen der Pandemie. Neuseelands Wirtschaft boomt und das, obwohl der internationale Tourismus fast zu 100 Prozent eingebrochen und zweitgrößter Wirtschaftsfaktor des Landes ist. In Aotearoa scheint man alles richtig gemacht zu haben, denn so einen starken Rückgang im Quartal gab es nicht, seit Statistics New Zealand im Jahr 1986 mit den Aufzeichnungen begann. Selbst die Prognosen der Wirtschaftswissenschaftler wurden noch übertroffen. 28.000 neue Jobs im vergangenen Quartal und eine Arbeitslosenquote von nur vier Prozent und das, trotz der momentanen Wintersaison Downunder. Das zählt schon fast als Vollbeschäftigung. „Einher gehen die positiven Zahlen mit weniger Empfängern von Sozialleistungen, gestiegenen Stellenangeboten und sogar Engpässen auf dem Arbeitsmarkt in bestimmten Sektoren“, erklärt Seniormanager von Statistics New Zealand Sean Broughton. Auch viele Arbeitsvermittlungen und Head Hunter berichten von einem ‚Kampf um die Arbeitskräfte‘ auf dem Stellenmarkt. Die starke neuseeländische Wirtschaft zeigt sich zudem in einer gestiegenen Anzahl von Gesamtarbeitsstunden und einer Lohnsteigerung von 2,2 Prozent pro Jahr.

Strategie 2 und Status Quo

Die Regierung will nach jetzigem Stand im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern, ihre Eliminierungs-Strategie im Hinblick auf Corona weiterführen. „Das heißt im Klartext, auch wenn die Grenzen aufgehen, will man das Virus im Land eliminiert sehen, kleinere Ausbrüche schnell wieder in den Griff bekommen und im Zweifelsfall die Grenzen auch flexibel wieder schließen“, erklärt der Einwanderungsberater Peter Hahn die momentane politische Situation. „Jacinda Ardern macht in ihrer Mitteilung auch ganz deutlich, dass alle Punkte, Maßnahmen und Schritte, welche man derzeit plant, immer unter Vorbehalt zu sehen sind!“ Sollte sich etwa eine neue Virusvariante breit machen, sich innerhalb Neuseelands etwas ändern, wie beispielsweise die Impfkampagne stocken oder es neue wissenschaftliche Erkenntnisse geben, behält sich die Politik unter allen Umständen die Freiheit vor, flexibel auf alle Abweichungen vom heutigen Stand zu reagieren.

Einführung von Pathways für die Einreise 2022

Kurz nach der offiziellen Pressemitteilung der Premierministerin verkündete sogar das ZDF, dass Neuseeland nun die Grenzen für Reisende wieder öffnen werde. „Also ganz so euphorisch wäre ich da nicht“, erklärt Peter Hahn. „Vor allem was den regulären Tourismus anbelangt, gibt es da noch einige Hürden und ziemlich viele Abstufungen, wer künftig ins Land darf und wer nicht.“

Geplant ist derzeit eine dreistufige Kategorisierung nach Low Risk Countries, Medium Risk Countries und High Risk Countries. Anhand welcher Kriterien genau dann diese Einteilung des Herkunftslandes eines Einreisenden getroffen werden, ist noch nicht bekannt. Wenn alles nach Plan verläuft, ohne dass weitere Anpassungen erforderlich sind, könnte die Grenzöffnung laut derzeitiger Aussage der Politik im ersten Quartal 2022 beginnen. „Wer dann aus einem sogenannten Low Risk Country einreist, doppelt geimpft und getestet ist, muss nicht in Quarantäne“, berichtet Peter Hahn. „Reisende, die aus einem Medium Risk Country ins Land kommen aber geimpft und getestet sind, müssen in eine modifizierte Isolation. Ob dies dann eine verkürzte Quarantäne oder eine Art Selbstisolation ist, steht momentan noch nicht fest“, so der Einwanderungsberater. „Für alle, die aus einem High Risk Country einreisen oder Traveller, die nicht geimpft sind gilt: Sie müssen für zwei Wochen in eine gemanagte Quarantäneeinrichtung.“

Wiedereröffnung Neuseelands für die Welt

Getrennte Familien und Freunde zusammenbringen, den Tourismus ankurbeln, benötigte Arbeitskräfte ins Land holen – die Verbindung von Neuseeland und dem Rest der Welt wird 2022 aller Voraussicht nach wieder in Gang kommen: „Ich könnte mir gut vorstellen, dass man sich zunächst bei der Einreise erst einmal auf Personen beschränkt, die beispielsweise ein Arbeitsvisum haben oder auf zurückkehrende Neuseeländer. Es könnte auch sein, dass in der ersten Phase der Grenzöffnung nur Reisende aus Low Risk Countries ins Land dürfen“, spekuliert Peter Hahn. „Da könnte es vermutlich noch viele andere Schritte geben oder es wird nach weiteren Unterschieden priorisiert.“ Mehr Details sollen im September bekanntgegeben werden. In der Zwischenzeit will man neue Test-Technologien und Schnelltest-Möglichkeiten, sowie effiziente Scan-Methoden für die Flughäfen suchen und etablieren. Zudem soll es noch bis Ende 2021 ein Pilotprojekt geben, in dem reisende Neuseeländer anstelle der offiziellen Quarantäne nach der Einreise in Selbstisolation gehen sollen.

Neuseeland beliebter denn je

Trotz der monatelangen Abschottung ist Neuseeland heute beliebter denn je. Seit Jahrzehnten sehnt sich die Menschheit nach einem sicheren Zufluchtsort im Krisenfall und immer wieder taucht bei diesen Debatten ganz vorne Neuseeland auf. Die Atomwolke, Vogelgrippe, Schweinepest, Finanzkrisen, Flüchtlingswellen und nicht zuletzt der Klimawandel mit Sturmfluten, Hitzewellen und Waldbränden, sowie die Corona-Pandemie – Forscher haben jetzt erneut herausgefunden, welche Länder im Falle einer globalen Katastrophe die sichersten Orte der Welt sind. In einer neuen Studie der britischen Angelia Ruskin University führt Neuseeland die Liste der fünf sichersten Länder der Welt an. Ihnen werden die besten Chancen ausgerechnet, dass deren Bevölkerung die zukünftigen Bedrohungen und einen globalen Zusammenbruch der Gesellschaft überstehen könnten. Mit auf der Liste stehen auch Grönland, Großbritannien, Tasmanien und Irland. Aled Jones vom Global Sustainability Institute der Universität erklärte, dass komplexe Gesellschaften und ein Inselstatus die besten Voraussetzungen seien, im Notfall auch entsprechende Kapazitäten zu haben, autonom zu funktionieren. Untersucht und eingestuft wurden dabei die Fähigkeit, im Krisenfall selbst Nahrung für die Bevölkerung anzubauen, die Grenzen vor Massenmigration zu schützen, ein autonomes Stromnetz und Produktionskapazitäten aufrechterhalten zu können.

Neben dem Trumpberater und amerikanischen Investor Peter Thiel aus dem Silicon Valley hat sich kürzlich auch Google Boss Larry Page die neuseeländische Residency über die Investor Kategory gesichert. Auch Peter Hahn kann den Trend bestätigen: „Das Interesse an Neuseeland als ‚safe haven‘ ist riesengroß. Ich vermute mal, dass sich die Einwanderung parallel zur Grenzöffnung ebenfalls wieder normaler entwickeln wird im Laufe des nächsten Jahres“, resümiert der Einwanderungsberater. „Die Wirtschaftslage zeigt deutlich, dass Neuseeland Kapazität hat, attraktiv ist und es einen großen Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften gibt!“

 

Zumindest gibt es jetzt ein Licht am Ende des Tunnels der Abgeschiedenheit. Am Ende ihrer Rede zitierte Premierministerin Jacinda Ardern den wissenschaftlichen Berater Professor Skegg: „Es wird wie nach 9/11 sein, die Grenze wird nie wieder so funktionieren wie vor COVID. Dinge können sich ändern aber die Menschheit kann darauf reagieren und wir können uns auf Neues einstellen. Irgendwann wird sich dann das Neue wieder ganz normal anfühlen.“

Impfungen, Testungen an den Grenzen und das Überwachen von Symptomen wird künftig bei internationalen Reisen zur unverzichtbaren Grundlage werden. „Eine gänzlich quarantänefreie Reiseoption für Touristen nach Neuseeland wird realistisch jedoch noch ein paar Monate dauern.  Aber dass eine Zuflucht nach Neuseeland überhaupt wieder möglich wird, ist doch die beste Aussicht momentan“, schließt Peter Hahn.

Einwanderungs-Interessierte können langsam aufatmen

Arbeitslosenzahlen sinken, Impfbeginn geplant

Monatelange Hiobsbotschaften und das Warten auf das Öffnen der Grenzen in Neuseeland – Jetzt gibt es gleich zwei positive Nachrichten, die zu einer positiven Entwicklung beitragen könnten. Völlig unerwartet und anders als prognostiziert sanken die Arbeitslosenzahlen um 0,4 Prozent. Zudem rechnet die Regierung mit einem frühzeitigen Impfstart gegen das Corona-Virus Ende März 2021. Einwanderungsinteressierte können so langsam wieder aufatmen.„Beide Faktoren dürften die Öffnung der Grenzen und so die Einwanderungschancen für Deutschsprachige wieder erhöhen“, erklärt der langjährige Immigrationsberater Peter Hahn.

Neuseeland regeneriert sich selbst – so könnte man die neuste Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in Land der langen weißen Wolke deuten. Wo Wirtschaftswissenschaftler der Reserve Bank während des Lock Downs aufgrund der Corona Pandemie im März 2020 noch Arbeitslosenquoten von bis zu elf Prozent prognostiziert hatten, sank jetzt überraschenderweise die Zahl der Unbeschäftigten im Dezember-Quartal von 5,3 auf 4,9 Prozent. Prognostiziert war hingegen ein Anstieg auf 5,6 Prozent. „Wie sind völlig überrascht, wie stark sich der Arbeitsmarkt Ende 2020 nun tatsächlich zeigt“, erklärt ASB Senior Economist Mike Jones. Im Vergleich dazu hatte Deutschland im Dezember 2020 eine Arbeitslosenquote von 5,9 Prozent mit steigender Tendenz, denn im Januar ging die Zahl sogar auf 6,3 Prozent hoch.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Neuseeländer, ihr Zusammenhalt und ihre Tatkraft zeigt sich derzeit einmal mehr. Scheinbar hilft sich die Bevölkerung momentan selbst mit einer starken Kaufkraft und Unternehmungslust. 10.000 Menschen weniger sind derzeit arbeitslos und in der Wirtschaft konnten 17.000 neue Jobs besetzt werden. „Nicht alle Industriezweige haben hier gleich gut aufgeholt. Das Baugewerbe konnte mit 13.200 neuen Jobs deutlich zulegen, während viele Arbeitsplätze im Tourismusbereich weiter abnahmen“, erklärt Becky Collett, Statistic New Zealand Senior Manager.

Der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn erklärt die Situation aus seinen Beobachtungen folgendermaßen: „Einige Jobs, die beispielsweise häufig von Pacific Islandern gefüllt werden, übernehmen nun Neuseeländer selbst. Viele Schüler jobben so zum Beispiel nach dem Schulabschluss auf den Obstplantagen und helfen bei der Ernte aus. Zudem können Kiwis derzeit ja nur schwer das Land verlassen, reisen jedoch gerne. Sie geben das Geld folglich für Trips im eigenen Land aus. Die Menschen gehen mehr essen, reisen durch Neuseeland, so dass die Gastronomie und die inländische Reise-Branche gut zu tun haben. Nachdem Inlandsreisen oft deutlich günstiger sind als Fernreisen, bleibt vielen Neuseeländern Geld übrig, welches Sie dann für andere Waren wie Autos oder Sportequipment ausgeben. Die Kaufkraft steigt, das kurbelt Wirtschaft und Industrie an.“ Zudem kommen viele Neuseeländer, die im Ausland gelebt haben, aufgrund der Auswirkungen und Einschränkungen durch die Corona-Pandemie jetzt zurück in ihre ursprüngliche Heimat. Mehr Menschen bedeuten auch mehr Umsatz.

Langfristige positive Auswirkungen

„Die sinkende Arbeitslosenquote zeigt, dass der Arbeitsmarkt sich gut erholt und laufend neue Arbeitskräfte gebraucht werden. Mittel- bis langfristig wird das auch den Einwanderern zugutekommen, denn gerade Fachpersonal in vielen Bereichen ist rar“, weiß Peter Hahn.

Ein weiterer positiver Faktor, der die Einwanderung nach Neuseeland künftig wieder in absehbare Nähe rücken kann, ist die anstehende Impfstofflieferung von Pfizer-BioNTech nach Neuseeland. „Mit entsprechender Covid19-Immunität der Bevölkerung hier wird es natürlich wahrscheinlicher, dass auch die Grenzen wieder geöffnet werden können“, erklärt Peter Hahn die Lage. „Derzeit baut Neuseeland auf Eliminierung. Die Pandemie lässt sich durch Grenzschließung, beschränkte überwachte Quarantäneplätze und Auckland als einzigen Einreisestandort noch gut unter Kontrolle halten. Einem Covid19-Ausbruch im Land kann man so entgegenwirken und das Risiko minimieren. Mit einer Immunität im Land könnte man dann auch die Strategie wechseln.“

Geplant sind zunächst 1,5 Millionen Dosen, die ab März nach und nach ins Land geliefert werden sollen. Dr. Ashley Bloomfield, Gesundheitsbeauftragter im Parlament rechnet mit einer pünktlichen, wenn nicht sogar frühzeitigen Lieferung nach Neuseeland und trifft jetzt schon vorbereitende Maßnahmen. Vorrangig immunisiert werden soll das Flughafen-, Airline- und Quarantäne-Personal.

„Sowohl die gesunkene Arbeitslosenquote wie auch die baldige Immunisierung der neuseeländischen Bevölkerung sind durchaus als positive Schritte zu sehen, dass die Chance auf absehbare Einwanderung nach Neuseeland wieder größer wird“, fasst der Einwanderungsberater die positiven News noch einmal zusammen.

Der Bedarf an spezifischen qualifizierten Arbeitskräften zeigt sich bereits jetzt und er wird auch künftig gefüllt werden müssen. „Deutsche Einwanderer als Zielgruppe sind erwünscht, auch wenn sie vermutlich dann nur in Etappen hereingelassen werden“, mutmaßt Peter Hahn. Wann Immigration grundsätzlich wieder möglich sein wird, und wie genau die Labour Regierung die neuen Regeln am Ende formuliert, ist allerdings noch nicht geklärt. „Ich rechne mit einer tatsächlichen Grenzöffnung nicht vor Ende 2021 oder Anfang 2022“, resümiert der Neuseeland-Experte. „Reelle Chancen für Einwanderer auch wieder nach Neuseeland einreisen zu können, sehe ich etwa im März 2022. Das ist jedoch nur meine persönliche Einschätzung nach momentanem Stand.“

Dennoch können Auswanderungspläne bereits jetzt eingeleitet werden. Ob generelle Informationssuche, Anerkennung von Ausbildungen, die Entwicklung der individuellen Einwanderungsstrategie oder die eigene Berufszulassung in Neuseeland organisieren, vorbereitende Maßnahmen könnte man bei ernsthaftem Interesse jetzt schon angehen.