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Immigration Rebalance sorgt für Veränderungen

Neue Dynamik in der Einwanderungspolitik

Die Grenze ist wieder offen, Neuseeländer freuen sich über die Möglichkeit, wieder reisen zu können, andere wandern ab, um in Übersee Erfahrung zu sammeln oder mehr Geld zu verdienen als in der Heimat. Viele Neuseelandinteressierte warten in Zeiten der Krisen in der Welt wiederum auf die Chance, nach Aotearoa einwandern zu können. Die Regierung baut momentan auf das Inkrafttreten des neuen Work Visa Verfahrens im Juli. Außerdem arbeitet sie am sogenannten ‚Immigration Reset‘, welches im Zuge der derzeitigen Lage nun als ‚Immigration Rebalance‘ verkauft wird. Was diese gesamte Dynamik in der Einwanderungspolitik im Klartext für Interessierte zu bedeuten hat, erklärt der langjährige Immigrationsberater Peter Hahn aus Wellington.

Wird eine Einwanderung künftig schwieriger?

Alle Zeichen stehen für eine striktere Immigrationspolitik der neuseeländischen Labour Regierung, doch die Signale der Wirtschaft, des Arbeitsmarktes und im Hinblick auf die derzeitige Bevölkerungsfluktuation prognostizieren eine ganz andere Zukunft. „Gehen wir das Ganze einmal der Reihe nach durch, um nicht den Überblick zu verlieren“, kommentiert Peter Hahn die momentane Lage. „Wir haben derzeit eine sehr dynamische Bewegung im System, die seit der Grenzöffnung am 5. März 2022 immer neue, auch kontroverse Schlagzeilen in den Medien ergeben hat.

Aktuelle Geschehnisse

„Es gibt Artikel, die davon berichten, dass seit die Einreise für Kiwis und Residents wieder möglich ist, rund 900 Neuseeländer bereits zurück ins Land gekommen sind“, zitiert Peter Hahn. Kurz vor der Grenzöffnung hatte die Premierministerin sogar noch verkündet, dass für geimpfte Bürger die Einreise nun sogar ohne die zunächst noch geplante Selbstisolation möglich sei. Gleichzeitig wurde in den Medien eine Studie veröffentlicht, die Neuseelands Regierung für ihre gute Führung in der Pandemie lobte. Rund 3.000 Leben seien durch die gut eingesetzten Maßnahmen gerettet worden. Das bringt Neuseeland auf dem OECD Index auf Platz 1 des Landes mit der geringsten Todesrate durch Corona. „Die neu gewonnene Freiheit durch die Phase 1 der Grenzöffnung führt momentan dazu, dass viele Neuseeländer nicht nur für einen Urlaub das Land verlassen. Viele junge Erwachsene streben ihr großes OE, ihre nun wieder möglich gemachte ‚Overseas Experience‘ an, um durch die Welt zu tingeln und Erfahrungen zu sammeln – privat wie beruflich“, berichtet der Einwanderungsberater. „Aber auch zahlreiche hochqualifizierte Leute wandern ab, da das Gehalt beispielsweise in Australien einfach höher liegt.“ Spezialisten befürchtet gerade im Bereich der 25 bis 35jährigen, die bereits einige Berufserfahrung gesammelt haben, einen deutlichen Arbeitskräfteverlust. Rund 750.000 Neuseeländer würden diese Gruppierung ausmachen, das sind rund 20 Prozent der arbeitenden Bevölkerung. „Man kann auch ganz klar erkennen, dass die wirtschaftliche Lage in Neuseeland trotz der Pandemie ausgesprochen gut ist momentan. Wir haben eine Arbeitslosenquote um drei Prozent, das gilt nahezu als Vollbeschäftigung“, weiß Peter Hahn.

Immigration Reset wird Immigration Rebalance

Auf der anderen Seite sickern negative Nachrichten aus der Regierung selbst durch. Die Einwanderung soll strikter reguliert werden. Es soll stärkere Limits geben, so könnten die Zahlen der Einwanderer beispielsweise an Baugenehmigungen geknüpft werden, um den Wohnungsraummangel einzudämmen. Laut Insider Dokumenten sollen nur noch bestimmte Berufssparten, die sich im hohen Lohnsegment bewegen, überhaupt die Möglichkeit erhalten, Migranten einzustellen. Zudem soll es dann für Skilled Migrants schwieriger werden, ihre Partner und Familien mitzubringen. Auf der anderen Seite könnte es für hochbezahlte Jobs im Highly Skilled Bereich einfach werden, einzuwandern, so das schockierende Papier des Ministeriums für Business, Innovation und Employment. Noch ist das Dokument unter Verschluss und wird hinter den Kulissen bearbeitet. Auch eine Interviewanfrage an den Immigration Minister Kris Faafoi wurde abgelehnt.

„Die Labour Regierung möchte gerne alles genau reglementieren und für alle Eventualitäten vorausplanen“, erklärt der Immigrationsberater Peter Hahn. „Aus meinen über 25 Jahren Berufserfahrung hat sich jedoch gezeigt, dass so etwas nur schwer umsetzbar ist, gerade wenn sich so viele Variablen innerhalb des Landes und durch die Situation in der Welt gerade stetig verändern“, gibt er zu bedenken. Aus dem zunächst betitelten ‚Immigration Reset‘ soll nun eine ‚Immigration Rebalance‘ werden, welche den Fokus auf die Balance von Einwanderern und Bürgern setzen soll. „Aber genau hier gibt es gerade ein großes Ungleichgewicht, einen enormen Druck auf den Arbeitsmarkt. Der Bedarf in vielen Berufssparten wie im Gesundheitswesen, in der IT oder in anderen Tech-Berufen ist sehr groß. Das belastet die in dieser Branche arbeitenden Bürger und schreit regelrecht nach Fachpersonal aus dem Ausland. Vor so einem Ungleichgewicht kann die Einwanderungspolitik nicht einfach die Augen verschließen“, so Peter Hahn.

Tech-Sektor auf dem Vormarsch

Unterdessen wurde die Eine-Million-Dollar Kampagne ‚We see tomorrow first‘ gelauncht, in der neuseeländische Technologie der Welt präsentiert und Neuseeland selbst als Technologie-Standort, ein Silicon Valley der südlichen Hemisphäre verkauft werden soll. „All diese Firmen, die in diesem Bereich arbeiten, suchen jedoch händeringend hochqualifiziertes Personal. Ich hatte erst kürzlich einen Ingenieurs-Kunden, der kurz vor Weihnachten ein Joboffer von Rocket Lab aus Auckland bekommen hat. Mit Hilfe der Travel Exception war Mitte Januar bereits sein Visitor Visa mit Arbeitsrecht durch, so dass er am 31. Januar einreisen konnte. Zu dieser Zeit gab es noch die zweiwöchige Quarantäne, die er natürlich absitzen musste, aber seitdem lebt und arbeitet er hier. Was ich damit unterstreichen möchte, wer einen hochdotierten Job in so einem Bereich findet, den kann ich ohne Probleme jederzeit hier reinkriegen!“ betont Peter Hahn. Und viele der Tech-Firmen in Neuseeland nehmen sich gegenseitig die Fachkräfte weg. Zu Hochzeiten während der Pandemie waren rund 10.000 Stellen offen. „Wir sind der am schnellsten wachsende Sektor“, so Craig Hudson von Xero NZ. 600 Border Exceptions werden momentan vergeben. Wer einen Job und eine der Ausnahmegenehmigungen bekommt, dem steht sofort Tür und Tor nach Neuseeland offen. „Selbst wenn wir keinen Mitarbeiter über diese 600 Plätze bekommen, bringt uns das allen zumindest ein bisschen Entspannung in unserem Sektor“, so Mario Wynands, Chief Executive des Wellingtoner Video-Gaming-Studios PikPok zur angespannten Lage.

Einwanderungsaussichten

Derzeit sind rund 100.000 in Neuseeland lebende Migranten berechtigt, ihr Residence Verfahren über den ‚fast-track‘ einzureichen. Etwa 30.000 Einwanderungswillige, die vor Ort sind, haben diese Chance auch schon genutzt. „Es kommt gerade definitiv Bewegung ins System. Auch viele meiner Kundenanträge, die lange lagen, werden gerade weiterbearbeitet. In Neuseeland entwickelt sich gerade eine interessante Dynamik, Frage ist nur, wo genau sie hinführen wird“, stellt Peter Hahn in den Raum. „Die Situation macht eine Beratung gerade ein bisschen schwierig, doch die Bekanntgabe der Immigration Rebalance Änderungen ist für die nächsten Wochen angekündigt. Für mich ist ganz klar, hochqualifiziertes Personal wird auch künftig nach Neuseeland einwandern können. Ich bekomme gerade ganz viele Anfragen von Topleuten und Investoren. Da kann man fast mit Bestimmtheit sagen, dass es auch künftig mit dem Residence Visa, der uneingeschränkten Aufenthaltserlaubnis, funktionieren wird“, so der Einwanderungsberater. Der Druck auf dem Arbeitsmarkt ist groß, nur die Frage bleibt offen, welche weniger gut bezahlten Bewerber auf dem lower-skilled Level künftig noch nach Neuseeland einwandern können.

Jetzt die Planung angehen

Die Omikron-Welle wird Mitte bis Ende März in Neuseeland ihren Peak erreichen, danach wird mit Entspannung der Pandemie-Lage im Land gerechnet. Das neue Accredited Employer Work Visa soll laut Ankündigung im Juli 2022 in Kraft treten. „Ich schätze, wenn die Corona-Situation hier erst einmal abgeschwächt ist, wird man die Grenzen für Touristen im Mai oder Juni bereits wieder öffnen. Jetzt ist eine gute Zeit, sich über den neuseeländischen Arbeitsmarkt zu informieren und schon die ersten Kontakte zu sogenannten Recruitment Agents herzustellen oder unter Umständen schon Bewerbungen abzuschicken.

In den nächsten Wochen sollte sich auch rausstellen, wie die neuen Regeln für Resident Visa Anträge im Rahmen der Immigration Rebalance aussehen werden.

„Es lohnt sich, die Situation täglich zu beobachten. Wer Interesse an Neuseeland hat, abonniert am besten meinen Newsletter, bleibt so immer auf dem neusten Stand und verpasst garantiert keine wichtigen Neuerungen!“

Einwanderungs-Interessierte können langsam aufatmen

Arbeitslosenzahlen sinken, Impfbeginn geplant

Monatelange Hiobsbotschaften und das Warten auf das Öffnen der Grenzen in Neuseeland – Jetzt gibt es gleich zwei positive Nachrichten, die zu einer positiven Entwicklung beitragen könnten. Völlig unerwartet und anders als prognostiziert sanken die Arbeitslosenzahlen um 0,4 Prozent. Zudem rechnet die Regierung mit einem frühzeitigen Impfstart gegen das Corona-Virus Ende März 2021. Einwanderungsinteressierte können so langsam wieder aufatmen.„Beide Faktoren dürften die Öffnung der Grenzen und so die Einwanderungschancen für Deutschsprachige wieder erhöhen“, erklärt der langjährige Immigrationsberater Peter Hahn.

Neuseeland regeneriert sich selbst – so könnte man die neuste Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in Land der langen weißen Wolke deuten. Wo Wirtschaftswissenschaftler der Reserve Bank während des Lock Downs aufgrund der Corona Pandemie im März 2020 noch Arbeitslosenquoten von bis zu elf Prozent prognostiziert hatten, sank jetzt überraschenderweise die Zahl der Unbeschäftigten im Dezember-Quartal von 5,3 auf 4,9 Prozent. Prognostiziert war hingegen ein Anstieg auf 5,6 Prozent. „Wie sind völlig überrascht, wie stark sich der Arbeitsmarkt Ende 2020 nun tatsächlich zeigt“, erklärt ASB Senior Economist Mike Jones. Im Vergleich dazu hatte Deutschland im Dezember 2020 eine Arbeitslosenquote von 5,9 Prozent mit steigender Tendenz, denn im Januar ging die Zahl sogar auf 6,3 Prozent hoch.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Neuseeländer, ihr Zusammenhalt und ihre Tatkraft zeigt sich derzeit einmal mehr. Scheinbar hilft sich die Bevölkerung momentan selbst mit einer starken Kaufkraft und Unternehmungslust. 10.000 Menschen weniger sind derzeit arbeitslos und in der Wirtschaft konnten 17.000 neue Jobs besetzt werden. „Nicht alle Industriezweige haben hier gleich gut aufgeholt. Das Baugewerbe konnte mit 13.200 neuen Jobs deutlich zulegen, während viele Arbeitsplätze im Tourismusbereich weiter abnahmen“, erklärt Becky Collett, Statistic New Zealand Senior Manager.

Der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn erklärt die Situation aus seinen Beobachtungen folgendermaßen: „Einige Jobs, die beispielsweise häufig von Pacific Islandern gefüllt werden, übernehmen nun Neuseeländer selbst. Viele Schüler jobben so zum Beispiel nach dem Schulabschluss auf den Obstplantagen und helfen bei der Ernte aus. Zudem können Kiwis derzeit ja nur schwer das Land verlassen, reisen jedoch gerne. Sie geben das Geld folglich für Trips im eigenen Land aus. Die Menschen gehen mehr essen, reisen durch Neuseeland, so dass die Gastronomie und die inländische Reise-Branche gut zu tun haben. Nachdem Inlandsreisen oft deutlich günstiger sind als Fernreisen, bleibt vielen Neuseeländern Geld übrig, welches Sie dann für andere Waren wie Autos oder Sportequipment ausgeben. Die Kaufkraft steigt, das kurbelt Wirtschaft und Industrie an.“ Zudem kommen viele Neuseeländer, die im Ausland gelebt haben, aufgrund der Auswirkungen und Einschränkungen durch die Corona-Pandemie jetzt zurück in ihre ursprüngliche Heimat. Mehr Menschen bedeuten auch mehr Umsatz.

Langfristige positive Auswirkungen

„Die sinkende Arbeitslosenquote zeigt, dass der Arbeitsmarkt sich gut erholt und laufend neue Arbeitskräfte gebraucht werden. Mittel- bis langfristig wird das auch den Einwanderern zugutekommen, denn gerade Fachpersonal in vielen Bereichen ist rar“, weiß Peter Hahn.

Ein weiterer positiver Faktor, der die Einwanderung nach Neuseeland künftig wieder in absehbare Nähe rücken kann, ist die anstehende Impfstofflieferung von Pfizer-BioNTech nach Neuseeland. „Mit entsprechender Covid19-Immunität der Bevölkerung hier wird es natürlich wahrscheinlicher, dass auch die Grenzen wieder geöffnet werden können“, erklärt Peter Hahn die Lage. „Derzeit baut Neuseeland auf Eliminierung. Die Pandemie lässt sich durch Grenzschließung, beschränkte überwachte Quarantäneplätze und Auckland als einzigen Einreisestandort noch gut unter Kontrolle halten. Einem Covid19-Ausbruch im Land kann man so entgegenwirken und das Risiko minimieren. Mit einer Immunität im Land könnte man dann auch die Strategie wechseln.“

Geplant sind zunächst 1,5 Millionen Dosen, die ab März nach und nach ins Land geliefert werden sollen. Dr. Ashley Bloomfield, Gesundheitsbeauftragter im Parlament rechnet mit einer pünktlichen, wenn nicht sogar frühzeitigen Lieferung nach Neuseeland und trifft jetzt schon vorbereitende Maßnahmen. Vorrangig immunisiert werden soll das Flughafen-, Airline- und Quarantäne-Personal.

„Sowohl die gesunkene Arbeitslosenquote wie auch die baldige Immunisierung der neuseeländischen Bevölkerung sind durchaus als positive Schritte zu sehen, dass die Chance auf absehbare Einwanderung nach Neuseeland wieder größer wird“, fasst der Einwanderungsberater die positiven News noch einmal zusammen.

Der Bedarf an spezifischen qualifizierten Arbeitskräften zeigt sich bereits jetzt und er wird auch künftig gefüllt werden müssen. „Deutsche Einwanderer als Zielgruppe sind erwünscht, auch wenn sie vermutlich dann nur in Etappen hereingelassen werden“, mutmaßt Peter Hahn. Wann Immigration grundsätzlich wieder möglich sein wird, und wie genau die Labour Regierung die neuen Regeln am Ende formuliert, ist allerdings noch nicht geklärt. „Ich rechne mit einer tatsächlichen Grenzöffnung nicht vor Ende 2021 oder Anfang 2022“, resümiert der Neuseeland-Experte. „Reelle Chancen für Einwanderer auch wieder nach Neuseeland einreisen zu können, sehe ich etwa im März 2022. Das ist jedoch nur meine persönliche Einschätzung nach momentanem Stand.“

Dennoch können Auswanderungspläne bereits jetzt eingeleitet werden. Ob generelle Informationssuche, Anerkennung von Ausbildungen, die Entwicklung der individuellen Einwanderungsstrategie oder die eigene Berufszulassung in Neuseeland organisieren, vorbereitende Maßnahmen könnte man bei ernsthaftem Interesse jetzt schon angehen.