Beiträge

Was kommt auf Jobsuchende in Zukunft zu?

Accredited Employer Work Visa & Pathway to Residence

Anfang Mai gingen die Grenzen Neuseelands nach über zwei Jahren wieder auf und auch, wenn jetzt noch nicht alle internationalen Neuseelandtouristen ins Land dürfen, sieht es für interessierte Deutsche, die in Aotearoa arbeiten oder reisen wollen, wieder gut aus. Diese dürfen sogar ohne Quarantäne und Selbstisolation einreisen. Wer bereits ein Visum besitzt, in Australien lebt oder Permanent Resident ist, kann jetzt sogar ohne Covid-Impfung nach Neuseeland kommen.

Auch neuseeländische Firmen atmen auf, denn nun haben sie wieder die Möglichkeit, international nach geeigneten Fachkräften für ihr Business zu suchen. Allerdings gibt es einige Hürden, angefangen bei der völlig unterbesetzten Einwanderungsbehörde. Immigrationsberater Peter Hahn schildert die Lage vor Ort und berät deutsch- und englischsprachige Kunden beispielsweise bei ihren Visa Anträgen – denn derzeit ändern sich einige Richtlinien. Das Essential Skills Work Visa wird nun durch das Accredited Employer Work Visa ersetzt.

 

Vor der Grenzschließung waren fünf Prozent aller Arbeitskräfte in Neuseeland temporäre ausländische Arbeiter, zeigen die Statistiken. „Diese Zahl ist im internationalen Vergleich relativ hoch“, erklärt Prof. Spoonley von der Massey University. „In Australien sind es gerade einmal drei Prozent und in anderen Ländern noch deutlich weniger.“ Ganz wichtig sei, dass die internationalen Fachkräfte nicht ausgebeutet würden, angemessene Bezahlung erhalten und bei ihnen keine falschen Hoffnungen geschürt würden, wenn es um ein mögliches lebenslanges Bleiberecht in Neuseeland gehe, nach ihrem Arbeitsvisum. Um das zu gewährleisten hat die Labour Regierung das Accredited Employer Work Visa ins Leben gerufen.

Überall händeringend Personal gesucht

Die Schlagzeilen sind täglich voll von verzweifelten neuseeländischen Firmen, die kein Personal finden. Egal ob Pflegekräfte in den Altenheimen, Gerüstbauer, Ingenieure, IT-Fachkräfte für die aufstrebende Gaming-Industrie im Land oder spezielle Arbeiter für die Bootsindustrie, wie beispielsweise Elektroingenieure. „Wir haben so viele Aufträge aber keine Arbeitskräfte, welche die Jobs übernehmen können. Das kostet uns Millionen“, erklärt beispielsweise die Firma Hamilton Jets aus Christchurch, die Jetboats bauen und ausliefern. Der größte Fachkräftemangel herrscht derzeit in Canterbury, wo die Anzahl der Stellenanzeigen um 39 Prozent gestiegen ist. „Dieser hohe Bedarf an gut ausgebildetem Personal ist natürlich eine gute Voraussetzung auch für deutsche hochqualifizierte Arbeitskräfte, die daran denken, beruflich nach Neuseeland zu gehen“, erklärt der Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington und baut auf seine mittlerweile über 25 Jahre lange Berufserfahrung.

Engpass Immigrationsbehörde

Jetzt, wo endlich wieder Bewegung in den Arbeitsmarkt kommen könnte, und die dringend gesuchten ausländischen Fachkräfte angestellt werden könnten, gibt es jedoch einen personellen Engpass bei der neuseeländischen Einwanderungsbehörde INZ. Sie müssen derzeit trotz neuer Angestellter immer noch mit 20 Prozent weniger Personal auskommen als vor der Pandemie. Während drei Niederlassungen im Ausland geschlossen wurden, hat nur eine neue Filiale in Christchurch eröffnet. Somit ist derzeit keine schnelle Bearbeitung von Anträgen möglich und die Einreise vieler Antragsteller verzögert sich. „Immigration New Zealand bildet zwar gerade unter Hochdruck Personal aus und stellt weitere Mitarbeiter ein, dennoch können derzeit zwei Drittel weniger Anträge bearbeitet werden als vor Covid19“, berichtet auch Peter Hahn. „Doch das ist nicht die einzige Hürde derzeit. Antragsteller müssen auch berücksichtigen, dass nun das schon lange bestehende Essential Skills Work Visa ab Juli 2022 durch das AEWV, das Accredited Employer Work Visa ersetzt wird.

AEWV – Details bekanntgegeben

„Momentan müssen wir wirklich ganz Einzelfall-bezogen beraten. Seit ein paar Tagen sind jedoch die neuen Regeln herausgekommen, wie das Accredited Employer Work Visa für Arbeitgeber und ausländische Arbeitnehmer funktionieren soll“, erklärt Peter Hahn die Fakten. Der Einwanderungsberater kann beispielsweise ausländische Gerüstbauer, die hier für eine Firma in Porirua arbeiten könnten, ins Land bringen. „Ganz wichtig ist jedoch, dass wir hier über ein Work Visa, also ein dreijähriges Arbeitsvisum reden und nicht über eine Einwanderung!“, betont der Immigrationsberater. Und wie genau das neue Accredited Employer Work Visa aussieht, verdeutlichen die gerade veröffentlichten Details.

„Zunächst gab es viel Gerede um den Akkreditierungsprozess des neuseeländischen Arbeitgebers. Das ist jedoch in meinen Augen keine große Hürde, sofern der Unternehmer hier noch nicht bei der Einwanderungsbehörde negativ aufgefallen ist oder in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Das ist dann reine Formsache“, weiß Peter Hahn. Doch was muss nun der ausländische Arbeitnehmer, also der ausländische Antragsteller des Arbeitsvisums nachweisen? „Bislang war es bei Essential Skills Work Visa so, dass man je nach Berufsgruppe glaubhaft machen musste, dass man ‚suitably qualified‘ für den Job ist. Daran geknüpft waren unter anderem der Nachweis einer bestimmten Ausbildung und bestimmte Jahre Berufserfahrung.“

Komplexeres Prozedere

„Wer glaubt, dass es reicht, ein Joboffer eines Accredited Employers aus Neuseeland zu bekommen, um ein Work Visa zu erhalten, liegt da leider falsch. Das Prozedere, wie der Nachweis von beiden Seiten vonstattenzugehen hat, ist deutlich komplexer geworden als vorher und birgt einige Stolpersteine“, warnt Peter Hahn vor überschnellen Aktionen. „So ein Antrag muss von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite gut gemanagt werden und man muss dabei sehr genau arbeiten, denn es gibt nun deutlich mehr Fehlerquellen als bislang.“

Dabei muss der Arbeitgeber erst einmal nachweisen, dass er in Neuseeland keinen geeigneten Bewerber finden konnte. Die entsprechende Stellenanzeige muss jedoch schon sehr detailliert und nach genauen Vorgaben verfasst sein, sonst kommt es später zu Schwierigkeiten. Es ist genau vorgeschrieben, was in der Anzeige stehen muss. Dazu gehören beispielsweise, der spätere Verdienst, Vertragsdetails, Arbeitsbedingungen oder welche Qualifikation ein Kandidat haben muss. „Bei letzterem kann sich der Arbeitgeber leicht selbst ein Bein stellen. Setzt er die Qualifikation sehr hoch an und erhält einen Bewerber, der dies nicht zu 100 Prozent erfüllen kann, darf er ihn nicht einstellen, obwohl sich vielleicht beide einig sind und der Arbeitgeber die Fachkraft gerne genommen hätte“, erklärt der Einwanderungsberater.

„Im Prinzip werden ähnliche Mechanismen benutzt wie bislang, aber das bedeutet insgesamt nicht, dass so eine Beantragung eines Arbeitsvisums in der neuen Kategorie nun viel schwieriger geworden ist, nur ein bisschen komplizierter eben“, resümiert Peter Hahn die neuen Anforderungen bei der Beantragung eines Arbeitsvisums.

Pathway to Residence – Vom Work Visa zur dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung

Was die Regierung ganz kurzfristig veröffentlich hat, sind die künftigen Möglichkeiten des sogenannten ‚Pathway to Residence‘, also der Weg vom Work Visa zur uneingeschränkten Aufenthaltserlaubnis zu gelangen. Bislang war noch nicht klar, ob es das Verfahren künftig überhaupt noch geben wird. Jetzt ist es entschieden. „Es gibt da mehrere Wege in Zukunft, je nachdem, in welchem Beruf man arbeitet und was man dann beispielsweise verdient“, erklärt Peter Hahn die neusten Ankündigungen. „Zum einen wird es einen sogenannten Fast Track geben für bestimmte Berufe, die auf einer erschienenen Green List stehen. Dazu gehören beispielsweise Ärzte, Ingenieure oder einige hochqualifizierte Berufe im Baugewerbe“, so der Einwanderungsberater.  Diese hochbezahlten Facharbeitskräfte können diesen schnellen Weg zur Residency bereits ab September 2022 bestreiten. Gleiches gilt für Berufe, die nicht auf der Liste stehen, aber mit mindestens dem zweifachen Median-Gehalt bezahlt werden (circa 116.000 NZD Jahresgehalt).

„Der zweite Weg, über ein Arbeitsvisum später die Residency beantragen zu können, gilt für viele weitere Berufe, die auf der Green List stehen. Allerdings wird es in diesen Jobs so sein, dass man sich während der zwei Jahre Work Visum an einen Arbeitgeber binden muss“, weiß Peter Hahn. „Zu diesen Berufen gehören beispielsweise registrierte Krankenschwestern und Pflegekräfte, Dieselmotor-Mechaniker, zertifizierte Elektriker, Klempner oder Autoelektriker“, berichtet Peter Hahn. „Ein weiterer Nachteil dieser zweiten Liste ist allerdings, dass der Partner des Visumhalters jetzt nicht mehr automatisch auch ein offenes Arbeitsvisum bekommt, sondern nur noch ein Besuchervisum. Wenn der Partner oder die Partnerin arbeiten will, muss ein eigenständiges Work Visa Verfahren auf der Basis eines Arbeitsangebots bei einem akkreditierten Arbeitgeber betrieben werden“, gibt der Einwanderungsberater zu bedenken. „Vor allem Krankenschwestern und Pflegekräfte fühlen sich durch diese Benachteiligungen gegenüber Ärzten zurückgesetzt.“

Zukunftsaussichten für andere Berufe

Für Arbeitskräfte in anderen Berufen ist es nach derzeitigem Stand noch unklar, ob es nach den drei Jahren Arbeitsvisum einen Weg geben wird, die Residency zu beantragen. „Das betrifft zum Beispiel Tischler oder den Beruf des Zimmermann, also im Klartext alle Jobs, die nicht auf der Green List stehen“, verrät Peter Hahn. „Im September soll entschieden werden, wie es mit der sogenannten Skilled Migrant Category weitergehen wird, da könnte sich dann auch für diese Fachkräfte eine Möglichkeit auftun, nicht nur das Arbeitsrecht, sondern auch ein dauerhaftes Bleiberecht für Neuseeland zu bekommen.“

Die Regierung lobt die neuen Regulierungen als Vereinfachungen und unkompliziertere Handhabe für neuseeländische Arbeitgeber auf der Suche nach geeignetem ausländischem Personal. Der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn ist da anderer Meinung: „Das stimmt so wirklich nicht. Es gibt ein paar Privilegierte auf der Green List im Fast Track, für die es vielleicht künftig ein wenig schneller gehen könnte, die Residency zu bekommen. Aber diese Kunden habe ich schon immer schnell nach Neuseeland gebracht, ihnen ein Work Visa und drei Monate später die Residency beschafft. Meiner Meinung nach wird es für das Gros der Bewerber, wie auch für viele neuseeländische Arbeitgeber mit dem neuen Prozedere keineswegs leichter.“

Peter Hahn behält die Lage für seine Kunden weiterhin genau im Auge, denn nahezu täglich werden neue Regulierungen und Feinheiten der sogenannten Immigration Rebalance bekanntgegeben.

Vorteile für Einwanderer bei der Jobsuche

Neuer Prozess für Arbeitgeber-Akkreditierung

Jeden Tag gibt es Medienberichte zur Arbeitsplatzsituation in Neuseeland: >>Ein Bewerber auf zwei Jobs<<, >> Verzweifelte Suche nach Personal<< oder >>Zu wenig Arbeitskräfte<<. Noch sind keine Details über die ‚Immigration Rebalance‘, die neuen Einwanderungsregeln bekannt, aber die Regierung hat nun veröffentlicht, wie Arbeitgeber künftig an ausländische Arbeitnehmer gelangen können. Der dafür nötig Akkreditierungsprozess war lange angekündigt, das genaue Verfahren jedoch bislang unbekannt. „Nun kennen wir die Feinheiten und können daraus auch Vorteile für Jobsuchende aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz ableiten“, erklärt der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington erleichtert.

Händeringend Personal gesucht

„Unsere Newsletter-Abonnenten steigen. Durch die Corona-Pandemie und den Ukrainekrieg steigt das Interesse an Neuseeland als Auswanderland derzeit stark an“, packt der Neuseeland-Experte die Fakten auf den Tisch. „Auch ich habe erst kürzlich zwei neue Leute eingestellt.“ Die Jobangebote auf der bekanntesten Internetplattform Seek sind auf einem absoluten Höchststand und im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent gestiegen. Die Gegenden mit dem momentan größten Stellenmarkt seien Auckland, Otago, Gisborne und Waikato, erklärte der Seek Regionalmanager Rob Clark. Dabei sei die IT-Branche definitiv der Sektor, in dem die meisten Firmen neue Angestellte suchen würden. Auch der langjährige Immigrationsberater Peter Hahn beobachtet seit Wochen für seine Kunden die Entwicklungen der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes in Neuseeland. „Es herrscht hier mittlerweile ein harter Kampf um neue Bewerber“, erklärt der Neuseelandexperte. „Doch nicht nur innerhalb des Landes. Neuseeland konkurriert hier auf dem Weltmarkt um die Topleute.“ Besonders gefragt derzeit sind immer noch IT-ler, Ärzte und Ingenieure.

Durch die Grenzöffnung im Mai wird Neuseeland laut Experten, wie dem Demographen Professor Spoonley vermutlich weitere Fachkräfte verlieren. Viele Kiwis suchen das Abenteuer und wollen nach der langen Abgeschiedenheit trotz um acht Prozent gestiegener Löhne in Neuseeland ins Ausland abwandern. „Allerdings können dann auch ausländische Fachkräfte wieder leichter einreisen und hier auf dem ungedeckten Arbeitsmarkt eine Stelle finden“, gibt Peter Hahn zu bedenken.

AEWV – Das Accredited Employer Work Visa

Die Einwanderungsbehörde hat jetzt nach langem Warten endlich den Prozess beschrieben, mit dem sich neuseeländische Arbeitgeber, die Ausländer einstellen möchten, akkreditieren können. „Das sogenannte Accredited Employer Work Visa ersetzt dann ab dem 4. Juli 2022 offiziell das Essential Skills Work Visa“, erklärt der Einwanderungsberater. Bereits ab 23. Mai 2022 können sich neuseeländische Firmen für dieses Verfahren anmelden.

Es besteht aus drei Stufen und beginnt mit einem einfachen Akkreditierungsprozess. „Bei dieser Stufe muss das Unternehmen eigentlich, neben den offiziellen Angaben, nur nachweisen, dass es eine ernsthafte Firma ist und kein Briefkasten-Geschäft“, weiß Peter Hahn. Der zweite Teil besteht aus dem sogenannten Job Check, welcher schon etwas ausführlicher ist und Stufe drei aus dem eigentlichen Work Visa Antrag durch den ausländischen Bewerber, wie beispielsweise Deutsche, die in Neuseeland bei dieser Firma arbeiten möchten und von der Firma eingestellt werden wollen.

Den ‚Job Check‘ bestehen

„Eigentlich ist dieses Verfahren in der Sache gar nicht neu, nur der Prozess ist jetzt ein anderer und es ist ein bisschen strenger geworden“, gibt Peter Hahn Entwarnung. Innerhalb des Job Checks gibt es zwei Varianten:

  1. Highly Paid Jobs – dazu gehören alle Positionen, bei denen der Arbeitnehmer 200 % des Mediangehalts erhält. Das ist nach momentanem Stand ein Jahresgehalt von etwa 116.000 NZD. „Ganz entscheidend ist hier, dass der Arbeitgeber die Stelle noch nicht einmal inserieren muss“, lobt Peter Hahn. „Zudem hat unser Kunde in diesem Fall die Möglichkeit des sogenannten ‚Pathway to Residence‘. Das bedeutet, dass er nach dem Work Visa später eine Möglichkeit hat, die Residency zu beantragen, die uneingeschränkte Aufenthaltserlaubnis und eben nicht nur eine befristete Arbeitserlaubnis im Land. Und da man laut der Behörde dann über die Skilled Migrant Category diesen Antrag stellen kann, sagt mir das, dass es diese bestehende Kategorie weiterhin geben wird, wenn auch wahrscheinlich mit neuen Regeln“, schließt der Einwanderungsberater aus der Veröffentlichung der Einwanderungsbehörde.
  2. Alle anderen Jobs, die unter dieser Gehaltsgrenze liegen, erfordern jedoch zumindest die Erfüllung des sogenannten Mediangehaltes von knapp 58.000 NZD jährlich, um den Job Check zu bestehen. Zunächst muss nun der neuseeländische Arbeitgeber nachweisen, dass er in Neuseeland kein geeignetes Personal für diese Stelle gefunden hat. „Das ist momentan eigentlich bei dieser engen Marktsituation überhaupt kein Thema. Allerdings muss die neuseeländische Firma beispielsweise beim Inserieren, ganz bestimmte Punkte unbedingt berücksichtigen, sonst fällt das Verfahren durch“, weiß Peter Hahn. Zu diesen wichtigen Regeln gehört unter anderem die Angabe des Gehalts in der Anzeige. „Es gibt viele Feinheiten und manche Arbeitgeber sind etwas schusselig, was dann später zu Fehlern oder Schwierigkeiten für unsere Kunden führen kann“, warnt Peter Hahn. „Da ist es gut, wenn wir als Berater die Arbeitgeber hier vor Ort und unsere Kunden schon früh an die Hand nehmen und unterstützen können, damit alles glatt läuft!“

Neue Chancen für Jobsuchende

Bislang war das Thema Arbeitssuche in Neuseeland für Ausländer oft ein Teufelskreis. Ohne Job kein Visum und ohne Visum kein Job. Die Lage könnte sich jetzt laut Peter Hahn ändern und günstiger für Interessierte werden. „Wenn sich neuseeländische Firmen ab Mai akkreditieren, zeigen sie damit ganz offen, dass sie grundsätzlich bereit sind, Ausländer anzustellen oder sogar aktiv ausländische Fachkräfte suchen. Vermutlich wird es dann ab Juli 2022 eine Liste geben, auf der alle bislang akkreditierten neuseeländischen Arbeitgeber zu finden sind“, vermutet Peter Hahn. „Wer also aktiv nach einem Job in Neuseeland sucht, kann sich dann auf diese akkreditieren Arbeitgeber fokussieren, die ja bereits kenntlich gemacht haben, dass sie den Prozess des Einstellens von Ausländern auf sich nehmen und ausdrücklich wollen. Das macht die Jobsuche für meine Kunden zusätzlich zur momentan starken neuseeländischen Wirtschaft und den vielen Stellenangeboten hier deutlich einfacher!“

Neuausrichtung der Einwanderungsrichtlinien

Erste mögliche Lücken für Investoren

Die Ankündigung der Rede des neuseeländischen Ministers Stuart Nash klang vielversprechend und sollte bahnbrechende Neuigkeiten enthalten. In Vertretung des Immigrationsministers Chris Faafoi schien es, als würde die neuseeländische Einwanderungspolitik gerade neu geschrieben. Die Regierung spricht von einem ‚Reset‘ der Einwanderungsrichtlinien nach der Wiederöffnung der Grenzen. Alles solle anders werden, so die Tendenz. Keine ausländischen Arbeitskräfte mehr im Billiglohnsegment, weniger temporäre Visa. De facto gab es bislang kaum Neuigkeiten. Viele Medien und Wirtschaftsvertreter zogen enttäuscht und mit Unverständnis von dannen. Nur für Investoren wird es jetzt schon interessant. Auch die Möglichkeiten für die Beantragung von Work Visa könnten zukünftig einfacher werden, so der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington.

Die Zahlen ändern sich

Normalerweise reisen pro Jahr mehr als sieben Millionen Menschen nach Neuseeland. Touristen, temporäre Arbeitskräfte und Einwanderer träumen von einer Zeit in Aotearoa. Nach den Grenzschließungen im März 2020 ging die Zahl der Einreisenden drastisch zurück. Insgesamt nur 165.000 Menschen gelangten bis März 2021 nach Neuseeland. Die Effekte auf die Wirtschaft durch den fehlenden Tourismus, ausbleibende internationale Schüler und Studenten und besonders auf den Gastronomiebereich sind drastisch. Seit Juni 2020 gelangten nur rund 8.000 sogenannte Critical Worker ins Land, die für ein wenig wirtschaftliche Erholung in den Bereichen Ingenieurs- und Finanzwesen, Forschung, Entwicklung, Digitalisierung und IT, in der Filmindustrie und im Agrarbereich sorgen konnten.

So kamen beispielsweise 80 Prozent der Anträge, die in der Skilled Migrant Kategorie im vergangenen Jahr gestellt wurden von Bewerbern, die bereits in Neuseeland ansässig sind. „Ausländische Anträge werden derzeit in diesem Bereich auch gar nicht bearbeitet“, erklärt der Neuseelandexperte Peter Hahn. Er verfolgt die Entwicklungen derzeit für seine Kunden und deutsche Interessenten sehr genau.

Immigration Reset

Der Minister sprach in seiner Rede von einem ‚Immigration Reset‘ nach der Pandemie. Dabei ginge es nicht nur um bloße Reduzierung der Einwanderungszahlen, sondern auch um die richtigen Entscheidungen, die richtigen Menschen, die helfen könnten, zum Wirtschaftsaufschwung nach COVID19 beizutragen. Eine der Schlüsselkategorien hierfür sei eine neue Strategie, die hochdotierte, internationale Investoren anziehen soll. Die Regierung verspricht sich dadurch mehr Produktivität, Wissen, neue Ideen, Talent, Beziehungen und das Etablieren neuer Technologien. „Um diese Strategien zu unterstützen und in die Realität umzusetzen, wird eine neue Sondergenehmigung, eine Einreisemöglichkeit für Investoren trotz der Grenzschließung, ins Leben gerufen“, erklärt Peter Hahn. „Und das wird jetzt schon für potenzielle deutsche Investoren interessant.“

Innovative Partnership Programme

Zu den sogenannten ‚Border Exeptions‘, den Ausnahmeregelungen zur Einreise hat die Regierung nun das neue Innovative Partnership Programme hinzugefügt. New Zealand Trade and Enterprise hat dafür ein Investor Programm ausgearbeitet, welches es globalen Firmen und Investoren ermöglichen soll, trotz COVID19-Restriktionen nach Neuseeland einzureisen. Wer kann schon den geeigneten Geschäftspartner per Online-Meeting finden, ohne die Bedingungen und die Schlüsselfiguren vor Ort zu kennen? Mit Hilfe dieser neuen offiziellen Regelung sei es dann den globalen Investoren möglich, trotz der Grenzschließung nach Neuseeland einzureisen. „Über 200 solcher Plätze wurden nun geschaffen und sollen über die nächsten 12 Monate gefüllt werden“, berichtet der Einwanderungsberater Peter Hahn begeistert. „Das wird jetzt für viele interessierte deutsche Investoren eine riesige Chance“, erklärt er. Schon zwei seiner derzeitigen Kunden möchte er mit dieser Strategie schneller zur Einwanderung verhelfen. „Es geht darum, die entsprechenden Investitionsgelder mitzubringen, das ist klar. Aber natürlich sucht man in Neuseeland die Bewerber auch nach Kriterien aus wie Berufserfahrung, Expertise und Beziehungen, welche mitgebracht werden können.“

Normalerweise werden derzeit Anträge aus dem Ausland bei Immigration New Zealand nicht bearbeitet. Selbst wenn ein Jobangebot aus Neuseeland vorliegt, der Antragsteller jedoch sein Formular aus dem Ausland einreicht, sich noch in Deutschland befindet, wird der Antrag nicht bearbeitet. „Die einzige Ausnahme momentan sind tatsächlich Investor Anträge, die ich auch stellen kann, wenn sich die Kunden noch in Deutschland befinden. Allerdings werden die Anträge zum einen nur sehr schleppend bearbeitet und zum anderen, dürfen die Kunden grundsätzlich momentan nicht einreisen. Das bedeutet, dass auch keine Resident Visa ausgestellt werden. Wenn ich jetzt aber meine Investor-Kunden über das neue Innovative Partnership Programme erst einmal hier ins Land bekomme, ist ihnen die Bearbeitung ihres Antrags sicher“, gibt Peter Hahn zu bedenken. „Selbst wenn eine Investition oder eine Partnerschaft mit einem neuseeländischen Unternehmen am Ende scheitern, befinden sich die Antragsteller ja dann schon im Land. Und sobald sie hier ‚on shore‘ sind, kriegen wir die Anträge schneller zur Bearbeitung und die Resident Visa werden auch ausgestellt!“ Eine Infobroschüre für Investoren auf Englisch gibt es HIER.

Vorteile auch für Work Visa-Antragsteller in Aussicht

„Auch die Work Visa Policy könnte sich künftig für Antragsteller vorteilhaft entwickeln“, überlegt der Einwanderungsberater laut. Normalerweise bekommt man ohne Work Visa nur schwer einen Job und den Job jedoch nur mit Work Visa. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.“ Ab November müssen sich neuseeländische Arbeitgeber nun aber über ein spezielles Verfahren registrieren, um überhaupt Ausländer anstellen zu dürfen. „Wer folglich durch diesen nicht ganz unaufwendigen Prozess der Akkreditierung geht, ist sich schon darüber im Klaren, dass er ausländische Fachkräfte anstellen möchte, sonst hätte das gesamte Prozedere keinen Sinn gemacht. Für die Arbeitssuchenden im Ausland ist somit diese Hürde bereits genommen und es könnte tatsächlich einfacher werden, einen Arbeitgeber zu finden, der auch bereit ist, Bewerber aus dem Ausland anzustellen.“ Mit einem festen Jobangebot kann dann wiederum ein bis zu dreijähriges Work Visa beantragt werden. „Wie schon erwähnt, der Akkreditierungsprozess für die Arbeitgeber wird jedoch erst im November losgehen.“

Wie es für Arbeitssuchende nach dem temporären Arbeitsvisum auch möglich sein wird, die Residency zu bekommen und ob dann die Skilled Migrant Kategorie künftig noch existieren wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht abzusehen.

Die Regierung arbeitet derzeit weitere Details der neuen Einwanderungsrichtlinien aus – für Interessierte bleibt es spannend. Peter Hahn behält die Lage für seine Kunden deshalb genau im Auge.

 

 

 

Immigrations-Debatten hinter den Kulissen

Spekulationen über Neuseelands Zukunft

Die Grenzen in Neuseeland bleiben geschlossen, ebenso wie viele Türen für potenzielle Einwanderer. Doch hinter den Kulissen werden unzählige Optionen diskutiert, wie die zukünftige Immigrationspolitik des Landes aussehen könnte. Zugrunde gelegt werden neue Statistiken, Papiere und Wirtschaftsberichte des Landes. Der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington studiert viele der Unterlagen, um für seine Kunden die neusten Entwicklungen im Blick zu haben.

Statistiken in Corona-Zeiten

Neue Wirtschaftsberichte zeigen, dass trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie in Neuseeland ein leichtes Wirtschaftswachstum von zwei Prozent zu verzeichnen ist. Laut des Instituts für Economic Research befürchten jetzt nur noch 16 Prozent aller Firmen, anstelle der 38 Prozent aus den vorangegangenen Quartalen, dass sich die Bedingungen verschlechtern werden. Gestärkt wird die Wirtschaft vor allem durch den boomenden Bausektor. Wirtschaftswissenschaftlerin Christina Leung jedoch betone, dass es für viele Unternehmen in dieser Branche immer schwierige werde, ausreichend geschulte Fachkräfte auf dem inländischen Markt rekrutieren zu können.

Mittlerweile ist die neuseeländische Gesellschaft nach einer kürzlich veröffentlichen Übersicht der Statistikbehörde auf eine Population von gut fünf Millionen Menschen herangewachsen. Prognostiziert war diese Bevölkerungszahl in 2010 erst für das Jahr 2031. Die letzte Million des Zuwachses sei die schnellste gewesen. „In den nächsten zehn Jahren werden alleine rund 40 Prozent der Menschen in der größten Stadt Auckland leben“, befürchtet der Demograf Professor Paul Spoonley von der Massey Universität. „Das wird für die Infrastruktur der Stadt künftig noch größere Probleme mit sich bringen.“ Die landeseigene Geburtenrate sinkt, während die Zuwanderung nach Neuseeland immer schneller voranschreitet.

Die Politik diskutiert nun, vor allem die Zahl der sogenannten Lower-skilled Arbeitskräfte künftig bei der Einwanderungspolitik drastisch zu reduzieren. Es mache keine Sinn Menschen ins Land zu bringen, welche den gleichen oder sogar einen niedrigeren Bildungsstand habe als die Kiwis selbst.

Politik und Prognosen

Derzeit werden in der Politik die bisherigen und mögliche künftige Einwanderungsstrategien unter die Lupe genommen. Vor allem im Tourismusgewerbe, in der Gastronomie und im Landwirtschaftssektor würden bislang viele Billigarbeitskräfte ins Land gelassen, welche der Wirtschaftsentwicklung Neuseelands keinerlei Vorteile brächten, so der Grundkonsens der veröffentlichen Economy Reports. Jeder zehnte Arbeiter in Neuseeland ist ein Ausländer mit einem Work oder Student Visa.

Politische Überlegungen

Stimmen werden laut, die Einwanderungspolitik Neuseelands deutlich zu verschärfen. Dabei sind momentan wohl vor allem Studentenvisa, Saisonal-Arbeiter und Working Holiday Visa im Visier, lässt die neuseeländische Presse verlauten. Laut der neusten Wirtschaftsberichte schneidet die neuseeländische Einwanderungspolitik schlecht ab. Wer wolle schon als Top-Player in der Industrie oder als Weltkonzern in ein Land fern ab jeglicher Weltwirtschaft ziehen? Einwanderer in Neuseeland seien ein erfreulicher und bereichernder Teil für die Gesellschaft, hätten jedoch wirtschaftlich keinerlei messbaren positiven Einfluss, so das vernichtende Urteil der Wirtschaftswissenschaftler.

Arbeitsmarkt in Pandemie-Zeiten

„Man versucht nun herauszufinden, welche Einwanderer Neuseeland wirtschaftlich am meisten nutzen“, erklärt der Neuseeland-Experte Peter Hahn. Seit den 1980ger-Jahren ist die neuseeländische Einwanderungspolitik vom Grundsatz her ähnlich. „Ich sehe all die Versuche, die positiven Effekte der Einwanderer zu messen, völlig zweifelhaft an. Man kann den Einfluss nicht rein wirtschaftlich betrachten, sondern muss Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen“, so die Meinung von Peter Hahn. Der Einwanderungsberater ist seit über 25 Jahren im Geschäft und hat mehrfach bei seinen Kunden erlebt, dass nicht die erste Generation der Einwanderer, sondern meist erst die zweite Generation unter die Lupe genommen werden müsste. „Die Ansprüche an das Leben hier und die Zukunft der Kinder der Einwanderer zeigen oft erst, was die ursprüngliche Einwanderung bewirkt hat. Aber wie soll man so etwas tatsächlich messbar machen. Das ist gar nicht möglich“, weiß Peter Hahn.

Die Grenzschließungen und Covid19-Pandemie zeigen einmal mehr, dass der neuseeländische Arbeitsmarkt anpassungsfähig ist. „Für die Politik ist dieser Zustand eine gute Ausrede zu beobachten was passiert, wenn die Arbeitgeber gezwungen sind, mit inländischem Personal zu arbeiten, da ja keine neuen Leute mehr ins Land kommen können. Vor allem in Bereichen wie Gastronomie, Altenpflege oder auf Obstplantagen scheint man abwarten zu wollen, wie lange neuseeländische Unternehmer ohne Hilfe von ausländischen Arbeitskräften aushalten können“, gibt der Einwanderungsberater zu bedenken.

Haltung kontra Realität

Erst kürzlich ging der Fall eines zugewanderten Allgemeinmediziners aus Otaki durch die Presse, der seit langem auf die Bearbeitung und Genehmigung seines Residence Antrags warte. „Er darf sich beispielsweise aufgrund der Regelungen kein Haus hier kaufen, hat keinerlei Planungssicherheit“, bestätigt auch Peter Hahn. „Das Ende vom Lied ist nun, dass er Neuseeland verlässt und nach Kanada geht. So ein Einwanderungsfall zeigt deutlich, wo derzeit die Probleme liegen. Gerade im Gesundheitsbereich fehlen solche Fachkräfte an allen Ecken und Enden!“, beschreibt Peter Hahn den momentanen Zwiespalt. „Politische Aussagen und die Medien zeigen eine absolute Stagnation und pessimistische Aussichten für Einwanderer. Meine tägliche Arbeit zeigt jedoch ein anderes Bild. Alle Anträge, beispielsweise für Work Visa oder Critical Purpose Visitor Visa meiner Klienten werden momentan blitzschnell bearbeitet. Wir erhalten oft schon wenige Wochen später Genehmigungen, auf die wir früher manchmal drei Monate lang gewartet haben“, berichtet der Einwanderungsberater aus seinem Alltag. „Allerdings sind das alles Anträge von Personen, die sich bereits in Neuseeland befinden“, fügt er hinzu.

Prognosen

Was genau sich zukünftig im Einwanderungsrecht ändern wird, bleibt zunächst ein Ratespiel. Obwohl die Politik eine deutliche Verschärfung der Einwanderungskriterien diskutiert, sieht es laut Peter Hahn für deutsche Interessierte gar nicht schlecht aus: „Natürlich ist jede Einwanderung sehr individuell. Aber wenn man sich einmal die Bereiche ansieht, die verschärft werden sollen, wird das für Interessierte aus den deutschsprachigen Ländern kaum Auswirkungen haben. Highly-Skilled Einwanderer werden nach wie vor willkommen sein und dazu gehören nahezu alle meiner Kunden!“ Momentan werden sogar Investor-Anträge aus dem Ausland bearbeitet, die seit März 2020 unbearbeitet geblieben sind. „Das zeigt mir schon, dass die Arbeit bei Immigration New Zealand wieder losgeht – wenn auch ganz langsam und sukzessive. Für Interessierte lohnt es sich, die Zeit bis zur Grenzöffnung sinnvoll zu nutzen. So kann man jetzt schon eine Einwanderungsstrategie entwickeln und die nötigen Papiere vorbereiten. Dann ist man gut gerüstet, wenn es wieder richtig losgeht.“

 

Portfolio Einträge