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Neuseeland nach der Wahl

Historischer Sieg für Labour

Neuseeland hat gewählt und das Ergebnis war wirklich eindeutig. Die Kiwis haben ihrer Premierministerin Jacina Ardern und der Labour Partei mit 50 Prozent der Stimmen einen historischen Wahlsieg beschert.

Absolute Mehrheit bei Parlamentswahl

Seit 1996 gab es keine absolute Mehrheit für eine Partei in Neuseeland. Die junge, sympathische Premierministerin Jacinda Ardern, die nicht nur wegen ihrer erfolgreichen Corona-Politik weltweit Anerkennung findet, errang im Oktober bei den Parlamentswahlen den eindeutigen Wahlsieg. Mit 65 von 120 Sitzen im Parlament wird die 40jährige künftig Neuseeland mit ihrer sozialdemokratischen Labour Partei alleine regieren. „Ich möchte eine Premierministerin für alle Neuseeländer sein. In einer Welt, die sich polarisiert und nur noch wenige Menschen fähig sind, die Position des anderen zu sehen, ist es wichtig, zusammen zu halten!“ Mit diesen Worten trat die empathische Frau ans Mikrofon. „Wir hier in Neuseeland sind nicht so. Wir sind klein, wir können zuhören und als eine Nation diskutieren und werden deshalb die Perspektive unserer Mitbürger nicht aus dem Auge verlieren!“ Obwohl Labour alleine regieren kann, vergab Jacinda Ardern zwei Ministerposten an die Grünen. Sie setzte als Außenministerin erstmalig eine Frau mit traditionellem Moko, dem Gesichtstattoo der Ureinwohner, ein.

Dabei war Arderns Wahlsieg alles andere als gesichert. Sie stand vor allem wegen gebrochener Wahlversprechen in der Kritik, da sie 100.000 Häuser für sozial Schwache angekündigt aber nicht realisiert hatte. Als die Corona-Pandemie begann, machte sie jedoch als gekonnte Krisenmanagerin weltweit auf sich aufmerksam und setzte den strengsten Lockdown der Welt durch. Ihre Popularität stieg, denn mit nur 25 Todesopfern und nur einer ersten Welle manövrierte sie ihr Land glimpflich durch die Covid-19-Krise. Nahezu Corona-frei steckt das Land nun jedoch wie viele Länder in einer Wirtschaftskrise. Die internationale Tourismusbranche brach aufgrund der absoluten Abschottung zusammen, einen Teil der Umsätze werden jetzt jedoch durch die im Land reisenden Kiwis zurückgewonnen. Die Menschen in Neuseeland leben heute ohne Masken, ohne Schulschließungen, besuchen Sportveranstaltungen und Restaurants, während der Rest der Welt mit der zweiten Infektionswelle kämpft. Bis heute sind Neuseelands Grenzen jedoch geschlossen, um einen erneuten Ausbruch der Pandemie im Inselstaat zu verhindern.

Doch wie geht es nun in punkto Grenzschließungen und Einwanderungspolitik in Zeiten der Pandemie weiter? Kann man überhaupt nach Neuseeland einwandern momentan? Und wer wird künftig Chancen haben, seinen Traum vom Leben in Aotearoa zu verwirklichen? Lesen Sie im nächsten Artikel, wie Ihr Einwanderungsberater und sein Team live aus Wellington berichten, was die Regierung derzeit plant.

Einwanderung bei Wahlen außen vor

Investoren sind die Gewinner in der Krise

Stand, 02. Oktober 2020

Die Wahlen in Neuseeland stehen bevor und die großen Parteien halten sich bezüglich der künftigen Immigrationspolitik in ihren Wahlprogrammen bedeckt. „Das gab es die letzten Jahrzehnte noch nie, dass die Politik in Schockstarre verfällt und sich niemand traut, neue Absichten oder mögliche Änderungen bezüglich der Einwanderung nach Neuseeland offiziell in seinem Wahlprogramm bekanntzugeben“, erklärt der Immigrationsberater Peter Hahn mit Kopfschütteln. Dennoch geht die Bearbeitung von einigen Anträgen im überlasteten System weiter. Investoren gehen momentan als Gewinner der Situation hervor.

 

Wahlprogramm ohne Einwanderungspolitik

Neuseeland befindet sich derzeit in einer Rezession und steht im Gegensatz zum Nachbarland Australien wirtschaftlich schlechter da. Mitte Oktober finden die Parlamentswahlen statt und weder Labour noch die National Partei gehen das Risiko ein, sich pro oder kontra Einwanderung festzulegen. Ein Wahlprogramm ohne das sonst so bedeutende Thema Immigrationspolitik ist ungewöhnlich. „Das Risiko durch die eine oder andere Tendenz Wählerstimmen zu verlieren, ist den Parteien scheinbar zu groß“, kommentiert Peter Hahn die Situation. Nur die rechtsgerichtete Partei NZ First erwähnt, dass die Einwanderungsquote auf 15.000 pro Jahr reduziert werden solle. Die Grünen haben immerhin ein zweiseitiges Dokument zur künftigen Migrationsabsicht in ihrem Manifest. „Es ist verrückt und enttäuschend zugleich“, erklärt auch David Cooper, von Malcom Pacific Immigration in den neuseeländischen Medien. Neuseeländische Firmen müssen wissen, ob sie nun Zugriff auf ausländische Fachkräfte bekommen können, wenn die notwendige Expertise in Neuseeland fehlt. Momentan wird nur eine Grenzkontrolle betrieben, das ist keine Einwanderungspolitik!“

 

Backlog und die Corona-Pandemie

Hinzu kommt, dass der Berg von unbearbeiteten Anträgen immer größer wird. „Schon jetzt ist der sogenannte Backlog groß genug, um eine typische Einwanderungsquote für zwölf Monate zu füllen. In den letzten zwei Jahren konnte man sich aber selbst innerhalb der Koalitionsregierung nicht auf eine neue Jahresquote einigen. So kann nicht weiter verfahren werden“, gibt auch der langjährige deutsche Immigrationsberater Peter Hahn zu bedenken. Solange NZ First mit in der Regierung sitzt, wird es schwierig werden für jede Partei, auf Herausforderungen der Migrationspolitik zu reagieren. Wird ein Problem gelöst, kreiert sich ein neues und so passiert gar nichts mehr.“

Durch den Lockdown nach Covid19 kam die Bearbeitung aller Anträge aus dem Ausland für viele Monate komplett zum Erliegen. Auf der anderen Seite gewinnt Neuseeland durch sein gutes Management in der Pandemie-Situation an Popularität. „Man hat die Situation hier gut im Griff und das Leben hier fühlt sich wirklich normal an. Restaurants und Schulen sind offen, nur die Grenzen sind eben zu“, beschreibt Peter Hahn die momentane Lage. Im Vergleich zum Rest der Welt führt diese Normalität zu großem Interesse an Aotearoa als Auswanderungsort. Seit April sind deshalb bereits mehr als 40.000 Neuseeländer, sogenannte Expats, im Ausland lebende Kiwis, in ihre Heimat zurückgekehrt. „Für uns als Einwanderungsberater ist es momentan jedoch wahnsinnig schwierig, die Interessierten wirklich zu beraten. Was heute Gesetzesgrundlage ist, kann sich in wenigen Monaten bereits geändert haben. Welche Regelungen gelten dann in ein paar Monaten? Selbst wenn man ein temporäres Arbeitsvisum bekommt, hat man damit auch langfristig die Möglichkeit zu bleiben? Diese Ungewissheit schreckt manche, dringend benötigte Fachkräfte, ab. Die Einwanderungspolitik ist nahezu unvorhersehbar geworden, keiner weiß wirklich, was passieren wird. Nicht einmal die Insider in der Regierung oder bei Immigration New Zealand wissen, wie es weitergeht.“

 

Investoren sind die Gewinner

Grundsätzlich werden derzeit nur Visa bearbeitet, die von Antragstellern eingereicht werden, die sich bereits in Neuseeland befinden. „Hierbei gibt es jedoch zwei Ausnahmen – Partnerschafts Visa und Investoranträge. Monatelang passierte gar nichts, jetzt haben wir gleich drei ‚Invitations to Apply‘ erhalten. Man kann dann offiziell alle nötigen Unterlagen einreichen. Das ist ein deutliches Zeichen, dass man sich doch um die finanzkräftigen Antragsteller bemüht hier in Neuseeland.“ Aus seinen über 25 Jahren Arbeitserfahrung weiß Peter Hahn auch, dass gerade diese Antragsteller eine Auswanderung oft langfristig planen. „Das passt jetzt natürlich super in die momentane Lage, denn wenn der Antrag bearbeitet wird, hat man letztendlich mehrere Jahre Zeit, bis man dann wirklich umzieht. Da die Grenzen ja zu sind, wird es jetzt so gehandhabt, dass wir für unsere Investorkunden zwar Anträge genehmigt bekommen, das eigentliche Visum aber erst erteilt wird, wenn sich die Grenzen irgendwann einmal wieder öffnen.“ Dennoch bedeutet das für alle Interessierten, die mit Hilfe ihres Kapitals auswandern können: Momentan stehen die Chancen deutlich besser nach Neuseeland einwandern zu können als für viele andere.