Beiträge

Ampelsystem soll Pandemie-Restriktionen regeln

Neuseelands Regierung führt Drei-Phasen-Plan ein

Durch den letzten großen Corona-Ausbruch mit der Delta-Variante in Neuseeland, hat die Regierung nun reagiert und weicht von ihrer einstigen Eliminierungsstrategie ab. Wie das Land mittels eines Ampelsystems in der Pandemie in Zukunft gemanagt werden soll und was das für die Grenzöffnung und neu geplante Einwanderungsrichtlinien bedeutet, erklärt der langjährige Immigrationsberater und Neuseelandexperte Peter Hahn aus Wellington.

„In einer Welt, in der es immer mehr Covid-Fälle gibt, aber auch immer mehr Geimpfte, müssen wir unsere Strategie an die Lage anpassen“, erklärte Chris Hipkins, der eigens für die Bekämpfung von Covid19 eingesetzte Minister. Besonders hart und am längsten hat der letzte Lock down die Millionenmetropole Auckland getroffen, wo es die meisten Erkrankten gab. Derzeit werden immer noch rund 100 neue Fälle pro Tag bekannt, davon 90 in Auckland. „Es ist ein unrealistisches Ziel, weiter auf die Eliminierungsstrategie zu bauen“, weiß auch der Neuseeland-Experte Peter Hahn. „Wir haben hier im Gegensatz zu Deutschland schon eine gute Impfquote erreicht, Tendenz steigend. Das muss natürlich bei den Maßnahmen und neuen Gesetzgebungen in Bezug auf die Bekämpfung des Corona-Virus mit bedacht werden.“

Impfbereitschaft & Impfquote spielen eine entscheidende Rolle

Natürlich gibt es in Neuseeland wie überall auf der Welt auch Impfgegner, dennoch ist die Quote der Immunisierten im kleinen Land mittlerweile deutlich höher als in Deutschland. Und das, obwohl man hier erst im September angefangen hatte, auch nicht priorisierte Personen ab zwölf Jahren zu impfen. 79 Prozent der Bevölkerung sind bereits doppelt geimpft, 88 Prozent haben ihre erste Dosis erhalten. Im Vergleich dazu sind es in Deutschland nur 66 Prozent. Niedrige Impfraten verzeichnet Neuseeland vor allem in abgelegenen Communities, unter Maori, Desinteressierten und Gang-Mitgliedern. Natürlich gibt es auch Debatten um die umstrittenen Impfregeln – vor allem zwischen den Gewerkschaften der Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Verbände. Bei Firmen, die zu sogenannten ‚Close-Contact Businesses‘ gehören, wie Cafés, Restaurants, Friseuren und Fitnessstudios aber auch in Kirchen oder bei Events, müssen die Beschäftigten nun per Gesetz, genauso wie die Kunden geimpft sein, um Zutritt zu erhalten. Es mache keinen Sinn, die Impfung von der Kundschaft zu erwarten aber das eigene Personal nicht geimpft bedienen zu lassen, begrüßte der Arbeitgeberverband die Entscheidung. Dieses Impfmandat betrifft rund 25 Prozent aller Arbeitnehmer in Neuseeland, bestätigte Arbeitsplatz-Minister Michael Wood. Zusätzlich gäbe es rund 15 Prozent Beschäftigte in den Berufen Lehrer, Mitarbeiter des Gesundheitsdienstes oder Beschäftigte, die an den Grenzen tätig seien. Mit dieser gesetzlichen Regelung wird vielen Bevölkerungsgruppen die Debatte ‚Für oder gegen die Impfung‘ von vornherein abgenommen und bei rund 40 Prozent aller Arbeitnehmer in ganz Neuseeland wird die Impfung schlichtweg Pflicht. „Es müssen Arbeitsverträge rechtlich angepasst werden, denn diese Impfpflicht wurde ja meist bei Abschluss nicht in die Arbeitsverträge integriert“, warnt Arbeitsrechtlerin Barbara Buckett. „Aber ein Arbeitsvertrag unterliegt einfach dem Gesetz.“ Für das Hotel-, Tourismus- und Gaststättengewerbe bedeute das eventuell den Verlust von noch mehr Personal, ein echter Rückschlag für die ohnehin schon geplagte Branche. In der Millionenmetropole ist die Bereitschaft, solche Gesetze leichter in Kauf zu nehmen, mittlerweile größer. „Auckland hat ja besonders unter dem Lock down gelitten, hier ist sogar die Impfbereitschaft noch einmal deutlich höher als im Rest des Landes. Man kratzt hier bereits ganz dicht an der gewünschten 90 Prozent-Hürde“, berichtet Peter Hahn. „Und dann wird es interessant, denn in Auckland, wo es die meisten und längsten Beschränkungen gab, könnte die Bevölkerung dann am ehesten die Lockerungen des geplanten neuen Ampelsystems genießen und vom Lock down direkt auf ‚Phase rot‘ gehen.“

Geplantes Ampelsystem als neue Antwort auf die Pandemie

In Kraft tritt die neue Drei-Stufen-Warnregelung tatsächlich erst, wenn in einer Region eine Impfquote von 90 Prozent erreicht ist, so der Plan der neuseeländischen Regierung. Die Einteilung der einzelnen Regionen und die eigene Zugehörigkeit ist durch die Lock downs für die Bevölkerung bereits klar. Auch die eingerichteten Kontrollen zwischen den jeweils definierten Grenzen der Regionen bestehen bereits. Auf dieser Grundlage wird schließlich eine Region künftig in Rot, Orange oder Grün eingestuft, was der Bevölkerung deutlich mehr Freiheiten geben soll als ein Lock down oder das bisherige Warnlevel-System. Offiziell nennt die Regierung es ‚Covid-19 Schutz Framework‘. Eine wichtige Grundlage für alle drei Phasen werden die Impfzertifikate sein, die nahezu überall vorgezeigt werden müssen, außer bei absolut lebensnotwendigen Services wie beispielsweise in Apotheken, Supermärkten oder beim Arzt. Auf welche Farbstufe eine Region eingestuft wird, entscheiden Faktoren wie die Impfquote in der Region, die Kapazität der gesundheitlichen Versorgung, die Durchführung von Tests, die Möglichkeiten der Nachverfolgung von Krankheitsfällen sowie der momentane Inzidenzwert und dessen Einfluss auf die Bevölkerung.

Einstufung auf Grün

Die Einstufung auf Grün wird erfolgen, wenn nur sporadisch eingeschleppte Covid-Fälle messbar sind, die sich nur bedingt auf die Bevölkerung übertragen. Die Anzahl schwerer Verläufe hält sich in Grenzen und führt zu keiner Überlastung des Gesundheitssystems. In dieser Phase wären alle öffentlichen Einrichtungen und Geschäfte, sowie Arbeitsplätze und Schulen offen. Sogar Events im Freien sind erlaubt. Wer geimpft ist, kann in Hotels und Gaststätten gehen, zu Events wie Hochzeiten und in die sogenannten Close-Contact Businesses oder ins Fitnessstudio. Für nicht Geimpfte gilt dann einen Meter Abstand beispielsweise im Restaurant. Bei Veranstaltungen oder im Fitnesscenter dürfen dann nur 100 Menschen zusammenkommen und neben dem Abstand gilt beispielsweise beim Friseur dann auch die Maskenpflicht.

Orangefarbene Warnstufe

Grundlage wird hier sein: Die Verbreitung des Corona Virus innerhalb einer Region nimmt zu und somit steigt auch der Druck auf Ärzte, das öffentliche Gesundheitswesen und die Krankenhäuser. Besonders für Risikogruppen besteht jetzt erhöhte Vorsicht. Gleichzeitig gilt nun die Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr, auf Flügen, in Taxis, Geschäften und auf öffentlichen Plätzen. Geschäfte, Schulen und Arbeitsplätze bleiben offen, es gelten jedoch unter anderem begrenzten Personenzahlen pro Fläche und der gewohnte Sicherheitsabstand. Sogar einige Outdoor-Events in der Region sind dann noch erlaubt. Für Geimpfte gibt es somit kaum Einschränkungen. Restaurants oder Hotels, Events, Close-Contact Businesses, Fitnesscenter und sogar Hochzeiten können besucht und abgehalten werden. Für nicht Geimpfte sieht die Situation dann schon schlechter aus. Überall gilt die Abstandsregelung, auf Familienfeiern beispielsweise gilt eine Begrenzung auf 50 Personen, während der Besuch von Events, Fitnesscenter oder der Friseurbesuch dann gar nicht mehr möglich sind.

Ampelsystem auf Rot

Selbst die Stufe Rot soll den Kiwis mehr Freiheiten in der Pandemie zugestehen als vorher ein Lock Down. Doch um das Gesundheitssystem nicht gänzlich zu überlasten und Risikogruppen besser schützen zu können, treten eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen und Einschränkungen in Kraft. Es herrscht dann eine grundsätzliche Maskenpflicht, in öffentlichen Einrichtungen und Geschäften gilt der Mindestabstand und eine Obergrenze von 100 Personen. Wo es möglich ist, sollten die Menschen von zu Hause arbeiten, Schulen werden mit Sicherheitsmaßnahmen ausgestattet aber bleiben offen. Sogar einige Outdoor-Events werden weiterhin mit einer limitierten Anzahl von Besuchern möglich sein. Wer geimpft ist, wird auch hier weiterhin von mehr Freiheiten profitieren können, so dass in Gaststätten und Hotels bis zu 100 Menschen mit Sicherheitsabstand zusammenkommen können, ebenso wie in Kirchen, im Marae oder auf Hochzeiten. Die gleiche Regel gilt für Events und Fitnesscenter. Close-contact Businesses müssen bestimmte Hygienepläne aufstellen. Höhere Schulen wie Universitäten dürfen nur von Geimpften besucht werden, für alle anderen gilt Distanzunterricht. Menschen, die nicht geimpft sind, dürfen sich nur zu zehnt treffen, Friseure und Fitnessstudios bleiben für diese Bevölkerungsgruppe geschlossen und auch Restaurants liefern dann nur noch kontaktlos zum Mitnehmen.

Grundsätzlich wird es so sein, dass Unternehmen, die entsprechende Impfzertifikate ihrer Belegschaft vorweisen können, in allen drei Stufen weiter operieren dürfen. Für Firmen mit nicht geimpfter Belegschaft, können Schließungen angeordnet werden und sogar offizielle Geschäftsunterstützung verweigert werden.
Die Regierung hofft nun zunächst auf eine landesweite Etablierung des Ampel-Systems noch vor Weihnachten, damit die neuseeländische Sommerzeit mit mehr Freiheiten genossen werden kann. Dafür wurde die Impfkampagne ‚Das 90 Prozent Projekt‘ ins Leben gerufen, welche alle Kiwis auffordert „Lasst uns Neuseeland noch vor Weihnachten impfen.“ Die Premierministerin Jacinda Ardern setzt damit ein klares Zeichen. Wer sich nicht impfen lässt, wird künftig wesentlich weniger Freiheiten genießen können im alltäglichen Leben als Geimpfte.

Grenzöffnung und Einwanderungsaussichten

Mit einer höheren Impfquote rücken auch die Grenzöffnung und die Möglichkeiten der Einwanderung nach Neuseeland wieder näher. Zunächst soll das umstrittene System der Vergabe der Quarantäneplätze MIQ (Managed Isolation Quarantine) noch einmal neu überdacht werden. Viele Kiwis sind außerhalb Neuseelands gestrandet und können aufgrund des großen Andrangs auf die sehr begrenzten, aber notwendigen Quarantäneeinrichtungen keinen Platz buchen, um wieder nach Hause zu fliegen – vor allem jetzt in Hinblick auf Weihnachten. „Wir hatten zehntausende Menschen, die dieses Jahr durch MIQ eingereist sind, aber es waren immer noch deutlich zu wenig Plätze“, bemängelte Chris Bishop, Sprecher der oppositionellen National Party für Covid19-Themen. Die Regierung will nun in Kürze Änderungen für das Quarantäneprozedere bei der Einreise bekanntgeben. Eine Möglichkeit könnte sein, dass sich doppelt geimpfte Neuseeländer mit negativem Testergebnis nach der Einreise in Selbstquarantäne begeben dürften, um MIQ Plätze für andere freizuhalten.

„Das Land bewegt sich hin zu einer Grenzöffnung im kommenden Jahr. Allerdings wird man nicht ganz so früh aufmachen können, wie Australien, das vorhat“, erklärt der Neuseeland-Experte Peter Hahn. „Begründet wird das damit, dass es in Neuseeland viel weniger Intensivbetten und geschultes Personal in den Krankenhäusern gibt. Deshalb wird hier eine hohe Impfquote verlangt, mit dem Ziel die Bevölkerung ausreichend schützen zu können.“

Selbst Permanent Residents dürfen derzeit nur ins Land reisen, wenn sie bereits doppelt geimpft sind. „Diese Regelung wird sicherlich auch in Zukunft bestehen bleiben“, resümiert der Einwanderungsberater die momentanen Entwicklungen. „Egal ob Tourist, Visahalter oder Resident, wer nicht geimpft ist, wird den neuseeländischen Boden in Zukunft so schnell nicht betreten.“ Auch die Fluggesellschaften werden vermutlich eine ähnliche Regelung anstreben, so dass eine Neuseelandreise für nicht Geimpfte erst einmal nicht möglich sein wird. „Wer Geimpft ist, hat also die besten Karten, wenn die nächsten Schritte in Neuseeland entschieden werden“, schließt Peter Hahn. Sobald es weitere Details gibt, wird der Einwanderungsberater Sie informieren.

Stimmungswechsel birgt neue Chancen für Einwanderer

Neuseelands Regierung gerät unter Druck

Wie lange kann man an der derzeitigen Eliminierungsstrategie während der Corona Pandemie festhalten? Wann müssen die Grenzen öffnen, um zumindest dringend benötigte Arbeitskräfte in einigen Wirtschaftssektoren ins Land zu lassen? Und was muss geschehen, dass der Unmut in Neuseelands Bevölkerung nicht ins Negative kippt? Premierministerin Jacinda Ardern und die Regierung des kleinen Landes stehen derzeit vor vielen Fragen, die schnellstmöglich geklärt werden sollten. Auch für Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington ist diese Entwicklungsphase spannend, denn mit neuen Regierungsplänen, Erklärungen und Strategien kann auch er nach Zeiten der Ungewissheit dann seine einwanderungsinteressierten Kunden wieder realistischer beraten.

Die Auswirkungen des Lockdowns in der Bevölkerung

Der strikte Lockdown in Neuseeland nach dem letzten größeren Corona-Ausbruch trübt die Stimmung in der Bevölkerung. Das, was Europäer seit vielen Monaten durchhalten müssen und was bei vielen für zermürbende Stimmung und eine gespaltene Gesellschaft sorgt, hat nun auch das kleine Land am Ende der Welt getroffen: Geschlossene Schulen und Geschäfte, abgesagte Veranstaltungen, Bürger, denen nach Tagen Zwangsaufenthalt zu Hause, die Decke auf den Kopf fällt. Der Winter mit kurzen Tagen und schlechtem Wetter, trägt zum Unmut vieler zusätzlich bei. Wo viele Neuseeländer und Staatschefs noch vor zwei Monaten ihre Premierministerin für ein hervorragendes Management der Krise hoch gelobt haben, kippt mittlerweile bei vielen die Stimmung. Rufe aus der Bevölkerung nach Grenzöffnung oder einer anderen Strategie im Umgang mit der Pandemie werden lauter. Denn die Eliminierungs-Linie der Premierministerin scheint nicht mehr alle zu überzeugen. „Es stellt sich einfach die Frage, ob diese Strategie noch realistisch durchzuführen ist“, gibt der Neuseeland-Experte Peter Hahn zu bedenken. Der jüngste und größte Corona-Ausbruch wurde durch erneute Verstöße gegen das vierzehntägige Aussitzen in einer überwachten Quarantäne-Einrichtung in Auckland ausgelöst.

Druck auf die Politik auch aus der Wirtschaft

Die Gaming Industrie in Wellington ist nur ein Beispiel für den enormen Bedarf an Fachkräften, die immer schwieriger zu rekrutieren sind. A44, PikPok und andere Mitspieler entwickeln sich gerade prognostiziert bis 2025 zur Milliarden-Dollar-Industrie. Doch wenn Haus- und Mietpreise zu hoch sind und kein neues Personal gefunden werden kann, lastet enormer Arbeitsdruck und große Unzufriedenheit auf den vorhandenen Mitarbeitern. Die fatale Folge, noch mehr Spezialisten wandern wieder ab, zurück in ihre Heimatländer. Auch in anderen Sektoren auf dem Arbeitsmarkt gibt es große Engpässe: im Gesundheitswesen, im Technologiesektor, beim Garten- und Landschaftsbau und in der IT. Die Medien publizieren immer neue Beispiele von hoch dotierten Jobs, auf die sich binnen Wochen kein einziger Kiwi bewirbt. So wird beispielsweise in Taupo ein Job für einen Hydro-Ingenieur für die Wasserkrafterzeugung gesucht: Jahresgehalt 140.000 NZD – keine Bewerber.

Unter Druck stehende Firmen und Wirtschaftsbosse fordern nun von der Politik eine bessere Möglichkeit, ausländische Fachkräfte ins Land holen zu können. Dafür müssten die Grenzen öffnen oder eine vereinfachte Möglichkeit der Einreise und der Visa Vergabe, zumindest für diese Personen geschaffen werden. „Momentan gibt es nur das sogenannte Critical Purpose Visitor Visa, mit dem wenige Antragsteller in einer absoluten Ausnahmesituation ins Land gelangen und dann vor Ort ein temporäres Arbeitsvisum beantragen können“, so der Einwanderungsberater Peter Hahn.

Ausländische Medienkritik nimmt zu

Auch die ausländischen Medien, die über das letzte Jahr immer wieder Neuseelands positives Agieren in der Pandemie als Vorbildrolle lobten, springen nun auf den Zug der Kritik auf. Als bekannt wurde, dass es einen Coronafall im Land gab und die Premierministerin einen Lockdown anordnete, gab es große Schlagzeilen. Doch die neuseeländische Regierung behielt mit ihrer Reaktion recht, denn der nur EINE Fall, entpuppte sich schnell als nicht zu vernachlässigender Ausbruch im Land, welches bis dahin als Corona-frei galt.

In Deutschland wurde aufgrund eines Übersetzungsfehlers und schlechter Recherchen sogar vom ‚Zwangslager‘ gesprochen, als es um die Quarantäneeinrichtungen ging. Die deutsche Korrespondentin in Christchurch Anke Richter, musste in ihren unzähligen Berichten in Neuseeland und Deutschland hier einiges richtigstellen.

Reaktion der Regierung

Der Druck auf die neuseeländische Regierung von allen Seiten nimmt unweigerlich zu. Selbst aus den eigenen Reihen und in Korrespondenz mit der Wissenschaft gibt es keine klare Einheit mehr. Ehemaliger Premierminister und Vorgänger von Jacinda Ardern, John Key von der National Partei, hat seinen ganz eigenen Ansatz und verurteilt Arderns Politik, wie er in einem Meinungsbericht den Medien mitteilt. Ein konkreter Plan muss her und genau das ist der momentane Fokus der Landesspitze. „Die Frage, die sich stellt, ist, welchen Weg gehen wir, um zur Normalität zurückzukehren?“, formuliert Peter Hahn die Frage, die in aller Munde ist.

Rein faktisch sind derzeit rund 75 Prozent der Bevölkerung in Neuseeland geimpft, mehr als in Deutschland. „Eine angestrebte Rate von 90 Prozent, wird jedoch nur schwer zu erreichen sein“, so Peter Hahn. „Hinzu kommt, dass die Wirtschaftszahlen wirklich gut aussehen, trotz der Grenzschließung. Und das, obwohl sich die Millionenmetropole Auckland momentan immer noch im Lockdown befindet. Allerdings läuft auch in allen anderen Ländern der Erde, die sich im vergangenen Jahr immer wieder im Lockdown befanden, nun die Wirtschaft wieder mehr oder minder normal.“

Der langfristige Plan der Regierung ist die Grenzöffnung mittels einer Art Ampelsystem. Dabei sollen zehn Faktoren bei der wöchentlichen Einstufung der Länder in Low Risk, Medium Risk und High Risk Country helfen. Entsprechend der Herkunft sind dann Einreisen unter bestimmten Voraussetzungen wieder möglich. Untersucht werden so beispielsweise die aktuellen Inzidenzwerte und die Geschwindigkeit des An- oder Abstiegs der Zahlen, die erreichte Impfquote eines Landes, das Fabrikat des Impfstoffs, wie ein Reisender vor dem Abflug getestet wird, die Todesraten im Heimatland und einige andere. „Ich rechne allerdings nicht damit, dass es vor Weihnachten zum Einsatz dieses Verfahrens kommen wird. Realistischer ist da schon März oder April 2022“, gibt Peter Hahn seine Einschätzung.

Residency-Anträge für einige Visa-Halter wieder möglich

Und die ersten positiven Anzeichen für eine Kehrtwende von der Abschottung weg, hin zu Grenzöffnung und Einwanderungsmöglichkeiten gibt es bereits. Gänzlich unerwartet geht die Regierung nun ganz konkret die ersten Schritte. Kürzlich wurde bekannt, dass die neue Residency Category, das 2021 Resident Visa, in der ersten Phase ab dem 1. Dezember 2021 für bestimmte Work Visa Halter wieder öffnet. Es sei ein sogenannter ‚One-off Residence Visa Pathway‘. „Hier ist ganz wichtig zu beachten, dass diese Möglichkeit NUR für Bewerber gilt, die sich bereits seit 29. September dieses Jahres in Neuseeland aufhalten“, erklärt Peter Hahn die ersten konkreten News in dieser Richtung. „Bewerben können sich zunächst Personen, die bereits am 29. September ein Arbeitsvisum hatten oder beantragt hatten. Auch einige Halter von Critical Purpose Visa könnten in diese Kategorie fallen“, so der langjährige Einwanderungsberater. Die Voraussetzungen sind schnell aufgelistet: „Entweder man lebt bereits seit drei oder mehr Jahren in Neuseeland, ODER man verdient mindestens das sogenannte ‚Median Wage‘ von 27 NZD pro Stunde, ODER man arbeitet in einer Branche, die auf der Scarce Liste aufgeführt ist.“ Welche Visa Typen genau sich bewerben dürfen, steht auf dieser Seite der Einwanderungsbehörde. Besonders positiv ist die Prognose, dass diese Residence Visa Anträge dann auf dem ‚fast track‘ binnen zwölf Monaten bearbeitet werden, ‚in der Regel sogar schneller‘, steht auf der Webseite der neuseeländischen Einwanderungsbehörde. Von dieser neuen Regelung könnten dann bis zu 165.000 Bewerber profitieren.

 

„Für mich sind das ganz deutliche Zeichen, dass man jetzt durch den erhöhten Druck von allen Seiten und dem monatelangen Stillstand, die Einwanderung nach Neuseeland wieder langsam ankurbelt. Das sind für viele Interessenten natürlich super Neuigkeiten!“, resümiert Peter Hahn die momentane Lage.

Auch wenn es für Bewerber aus Deutschland noch nicht ganz so weit ist, sieht Peter Hahn künftig gute Chancen für Investoren und Fachkräfte. Wenn die Grenzen 2022 wieder aufgehen, werden die dringend benötigten Arbeitskräfte eine Möglichkeit erhalten, in Neuseeland die Lücken auf dem Arbeitsmarkt zu füllen und damit langfristig auch wieder einwandern zu können. Und interessierte Investoren können sich sogar jetzt schon bewerben. Das zwar noch zarte Pflänzchen der neuen Einwanderungsmöglichkeiten nach Neuseeland sprießt – langsam aber stetig.

Neuseeland verkündet Stufenplan zur Grenzöffnung

Wer kann wann wieder einreisen?

Nach vielen wissenschaftlichen Expertenmeinungen und Beratungen der neuseeländischen Regierung, hat Premierministerin Jacinda Ardern nun innerhalb kürzester Zeit Strategien und einen Stufenplan veröffentlicht, wie man künftig die Einreise nach Neuseeland wieder langsam ermöglichen könnte. Auch wenn einige Details noch nicht konkret sind und viele Punkte flexibel gehalten werden sollen, zeichnet sich doch eine Vorgehensweise zu einer Grenzöffnung Anfang 2022 und so ein Hoffnungsschimmer für viele Interessierte ab. Gleichzeitig befindet sich das Land nach langer Zeit ohne Ausbruch gerade im Lock Down – wenige mysteriöse COVID-Fälle sind aufgetreten.

Strategie 1 – Impfkampagne in Neuseeland beschleunigen

Ein Land ist in Aufruhr, Geschäfte geschlossen, Schulen gesperrt. Was für die meisten Länder der Welt seit der Pandemie nahezu zur Normalität geworden ist, hat für Neuseeland Katastrophencharakter. Hamsterkäufe in den Supermärkten und eine fieberhafte Suche nach der Ursache des Miniausbruchs haben begonnen. Die Feststellung der Delta-Variante bei einer Person macht der neuseeländischen Politik große Sorgen. Mittlerweile wurde auch Flugpersonal positiv getestet. Für die Ausbruchsregionen Auckland und Coromandel bestehen derzeit erst einmal sieben Tage lang Lock Down, der Rest des Landes muss für drei Tage zu Hause bleiben.

„Bislang konnten sich oft nur priorisierte Neuseeländer gegen COVID19 impfen lassen, jetzt will die Regierung das Roll Out des Impfstoffs deutlich beschleunigen“, berichtet der Neuseeland-Experte und langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn. „Konkret heißt das, wer über 18 Jahre alt ist, soll ab September einen Impftermin zugesichert bekommen.“ Auch der Abstand zwischen der ersten und der zweiten Impfung wird, ähnlich wie in Europa, von 21 Tage auf sechs Wochen verlängert. So will man möglichst viele Menschen im Falle einer kursierenden Delta-Variante zumindest einfach schützen. Der Fokus der Regierung liegt darauf, weder regionale noch ethnische ‚Black Holes‘ entstehen zu lassen, also Gebiete oder Bevölkerungsgruppen, die nicht an den Impfstoff kommen. Idealerweise erhofft man sich, dass im Laufe des Dezembers bis zu 90 Prozent der Bevölkerung geimpft sein werden. „Es macht keinen Sinn, jetzt während der Impfkampagne zu schnell die Grenzen zu öffnen. Das haben wir in vielen Ländern gesehen“, erklärt die Premierministerin in ihrer Ansprache. „Erst wenn unsere Bevölkerung ausreichend geschützt ist, kann sukzessive eine Grenzöffnung angegangen werden. Ansonsten würden wir all die Vorteile und Freiheiten, die wir uns in den letzten Monaten hart erarbeitet haben, einfach aufgeben. Ich denke da an eine stabile Wirtschaft, reduzierte Lock Downs und die Sicherheit der Menschen hier!“

Wirtschafts-Boom trotz Pandemie

In über einem Jahr war die Arbeitslosigkeit in Neuseeland noch nie so niedrig wie derzeit – trotz der vielen Negativauswirkungen der Pandemie. Neuseelands Wirtschaft boomt und das, obwohl der internationale Tourismus fast zu 100 Prozent eingebrochen und zweitgrößter Wirtschaftsfaktor des Landes ist. In Aotearoa scheint man alles richtig gemacht zu haben, denn so einen starken Rückgang im Quartal gab es nicht, seit Statistics New Zealand im Jahr 1986 mit den Aufzeichnungen begann. Selbst die Prognosen der Wirtschaftswissenschaftler wurden noch übertroffen. 28.000 neue Jobs im vergangenen Quartal und eine Arbeitslosenquote von nur vier Prozent und das, trotz der momentanen Wintersaison Downunder. Das zählt schon fast als Vollbeschäftigung. „Einher gehen die positiven Zahlen mit weniger Empfängern von Sozialleistungen, gestiegenen Stellenangeboten und sogar Engpässen auf dem Arbeitsmarkt in bestimmten Sektoren“, erklärt Seniormanager von Statistics New Zealand Sean Broughton. Auch viele Arbeitsvermittlungen und Head Hunter berichten von einem ‚Kampf um die Arbeitskräfte‘ auf dem Stellenmarkt. Die starke neuseeländische Wirtschaft zeigt sich zudem in einer gestiegenen Anzahl von Gesamtarbeitsstunden und einer Lohnsteigerung von 2,2 Prozent pro Jahr.

Strategie 2 und Status Quo

Die Regierung will nach jetzigem Stand im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern, ihre Eliminierungs-Strategie im Hinblick auf Corona weiterführen. „Das heißt im Klartext, auch wenn die Grenzen aufgehen, will man das Virus im Land eliminiert sehen, kleinere Ausbrüche schnell wieder in den Griff bekommen und im Zweifelsfall die Grenzen auch flexibel wieder schließen“, erklärt der Einwanderungsberater Peter Hahn die momentane politische Situation. „Jacinda Ardern macht in ihrer Mitteilung auch ganz deutlich, dass alle Punkte, Maßnahmen und Schritte, welche man derzeit plant, immer unter Vorbehalt zu sehen sind!“ Sollte sich etwa eine neue Virusvariante breit machen, sich innerhalb Neuseelands etwas ändern, wie beispielsweise die Impfkampagne stocken oder es neue wissenschaftliche Erkenntnisse geben, behält sich die Politik unter allen Umständen die Freiheit vor, flexibel auf alle Abweichungen vom heutigen Stand zu reagieren.

Einführung von Pathways für die Einreise 2022

Kurz nach der offiziellen Pressemitteilung der Premierministerin verkündete sogar das ZDF, dass Neuseeland nun die Grenzen für Reisende wieder öffnen werde. „Also ganz so euphorisch wäre ich da nicht“, erklärt Peter Hahn. „Vor allem was den regulären Tourismus anbelangt, gibt es da noch einige Hürden und ziemlich viele Abstufungen, wer künftig ins Land darf und wer nicht.“

Geplant ist derzeit eine dreistufige Kategorisierung nach Low Risk Countries, Medium Risk Countries und High Risk Countries. Anhand welcher Kriterien genau dann diese Einteilung des Herkunftslandes eines Einreisenden getroffen werden, ist noch nicht bekannt. Wenn alles nach Plan verläuft, ohne dass weitere Anpassungen erforderlich sind, könnte die Grenzöffnung laut derzeitiger Aussage der Politik im ersten Quartal 2022 beginnen. „Wer dann aus einem sogenannten Low Risk Country einreist, doppelt geimpft und getestet ist, muss nicht in Quarantäne“, berichtet Peter Hahn. „Reisende, die aus einem Medium Risk Country ins Land kommen aber geimpft und getestet sind, müssen in eine modifizierte Isolation. Ob dies dann eine verkürzte Quarantäne oder eine Art Selbstisolation ist, steht momentan noch nicht fest“, so der Einwanderungsberater. „Für alle, die aus einem High Risk Country einreisen oder Traveller, die nicht geimpft sind gilt: Sie müssen für zwei Wochen in eine gemanagte Quarantäneeinrichtung.“

Wiedereröffnung Neuseelands für die Welt

Getrennte Familien und Freunde zusammenbringen, den Tourismus ankurbeln, benötigte Arbeitskräfte ins Land holen – die Verbindung von Neuseeland und dem Rest der Welt wird 2022 aller Voraussicht nach wieder in Gang kommen: „Ich könnte mir gut vorstellen, dass man sich zunächst bei der Einreise erst einmal auf Personen beschränkt, die beispielsweise ein Arbeitsvisum haben oder auf zurückkehrende Neuseeländer. Es könnte auch sein, dass in der ersten Phase der Grenzöffnung nur Reisende aus Low Risk Countries ins Land dürfen“, spekuliert Peter Hahn. „Da könnte es vermutlich noch viele andere Schritte geben oder es wird nach weiteren Unterschieden priorisiert.“ Mehr Details sollen im September bekanntgegeben werden. In der Zwischenzeit will man neue Test-Technologien und Schnelltest-Möglichkeiten, sowie effiziente Scan-Methoden für die Flughäfen suchen und etablieren. Zudem soll es noch bis Ende 2021 ein Pilotprojekt geben, in dem reisende Neuseeländer anstelle der offiziellen Quarantäne nach der Einreise in Selbstisolation gehen sollen.

Neuseeland beliebter denn je

Trotz der monatelangen Abschottung ist Neuseeland heute beliebter denn je. Seit Jahrzehnten sehnt sich die Menschheit nach einem sicheren Zufluchtsort im Krisenfall und immer wieder taucht bei diesen Debatten ganz vorne Neuseeland auf. Die Atomwolke, Vogelgrippe, Schweinepest, Finanzkrisen, Flüchtlingswellen und nicht zuletzt der Klimawandel mit Sturmfluten, Hitzewellen und Waldbränden, sowie die Corona-Pandemie – Forscher haben jetzt erneut herausgefunden, welche Länder im Falle einer globalen Katastrophe die sichersten Orte der Welt sind. In einer neuen Studie der britischen Angelia Ruskin University führt Neuseeland die Liste der fünf sichersten Länder der Welt an. Ihnen werden die besten Chancen ausgerechnet, dass deren Bevölkerung die zukünftigen Bedrohungen und einen globalen Zusammenbruch der Gesellschaft überstehen könnten. Mit auf der Liste stehen auch Grönland, Großbritannien, Tasmanien und Irland. Aled Jones vom Global Sustainability Institute der Universität erklärte, dass komplexe Gesellschaften und ein Inselstatus die besten Voraussetzungen seien, im Notfall auch entsprechende Kapazitäten zu haben, autonom zu funktionieren. Untersucht und eingestuft wurden dabei die Fähigkeit, im Krisenfall selbst Nahrung für die Bevölkerung anzubauen, die Grenzen vor Massenmigration zu schützen, ein autonomes Stromnetz und Produktionskapazitäten aufrechterhalten zu können.

Neben dem Trumpberater und amerikanischen Investor Peter Thiel aus dem Silicon Valley hat sich kürzlich auch Google Boss Larry Page die neuseeländische Residency über die Investor Kategory gesichert. Auch Peter Hahn kann den Trend bestätigen: „Das Interesse an Neuseeland als ‚safe haven‘ ist riesengroß. Ich vermute mal, dass sich die Einwanderung parallel zur Grenzöffnung ebenfalls wieder normaler entwickeln wird im Laufe des nächsten Jahres“, resümiert der Einwanderungsberater. „Die Wirtschaftslage zeigt deutlich, dass Neuseeland Kapazität hat, attraktiv ist und es einen großen Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften gibt!“

 

Zumindest gibt es jetzt ein Licht am Ende des Tunnels der Abgeschiedenheit. Am Ende ihrer Rede zitierte Premierministerin Jacinda Ardern den wissenschaftlichen Berater Professor Skegg: „Es wird wie nach 9/11 sein, die Grenze wird nie wieder so funktionieren wie vor COVID. Dinge können sich ändern aber die Menschheit kann darauf reagieren und wir können uns auf Neues einstellen. Irgendwann wird sich dann das Neue wieder ganz normal anfühlen.“

Impfungen, Testungen an den Grenzen und das Überwachen von Symptomen wird künftig bei internationalen Reisen zur unverzichtbaren Grundlage werden. „Eine gänzlich quarantänefreie Reiseoption für Touristen nach Neuseeland wird realistisch jedoch noch ein paar Monate dauern.  Aber dass eine Zuflucht nach Neuseeland überhaupt wieder möglich wird, ist doch die beste Aussicht momentan“, schließt Peter Hahn.

Grenzöffnung aber wann – und dann?

Neuseelands Zukunftspläne

In vielen Teilen der Welt entspannt sich die Corona-Lage durch die immer höher werdende Immunisierung zahlreicher Bürger. Einwanderungsinteressierte stellen sich deshalb oftmals die Frage, ob und wann Neuseeland seine Grenzen wieder öffnen wird. Und wie sieht nach der langen Durststrecke dann die angekündigte neue Einwanderungspolitik Aotearoas aus? Experten diskutieren, die Politik hüllt sich in Schweigen. Dennoch kann Peter Hahn durch die stetige Beobachtung der unterschiedlichsten Entwicklungen langsam Prognosen wagen.

Zumachen ist einfach – Aufmachen schwierig

Nach rund 500 Tagen Abgeschiedenheit von der Außenwelt werden nun immer mehr Fragen aufgeworfen, ob und wann Neuseeland seine Grenzen wieder öffnet. Der Wissenschaftler, ehemals politischer Berater, Sir Peter Gluckman erklärte kürzlich: „Zumachen ist einfach, Aufmachen ist schwierig!“ Es bedurfte für die Premierministerin Jacinda Ardern eine beherzte und klare Entscheidung, die Grenzen Neuseelands zu schließen. Doch noch viel schwieriger und wesentlich kritischer ist es nun, alles was man erreicht hat, also die Corona-Freiheit Neuseelands zu riskieren, und die Grenzen einfach wieder aufzumachen. Und wie schnell die heile Welt kippen kann, zeigte kürzlich ein kleiner Corona-Ausbruch in Wellington. „Wir haben ja mittlerweile ein Abkommen mit Australien, so dass Reisende aus dem Nachbarland hier ohne Quarantäne ins Land kommen können“, weiß der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn. „So kam auch ein bereits einfach geimpfter Australier aus Sydney nach Wellington, der später mit Covid19 diagnostiziert worden war. Wir hatten daraufhin einen Level 2 Lock down für einige Zeit. Dennoch zeigt das ganz deutlich, dass trotz invasiver und strenger Quarantäne durch jede Art von Lockerung das Risiko für die Bevölkerung hier steigt“, erklärt Peter Hahn. Der Vorfall ging noch einmal glimpflich aus, es gab keinen Community-Ausbruch, der Mann steckte am Ende nur seine eigene mitreisende Frau an.

Regierung folgt der Wissenschaft

Ganz entscheidend für die weiteren Pläne der Regierung sind, ähnlich wie auch in Deutschland, die Empfehlungen der Wissenschaftler. Der Status Quo zeigt, dass die Bevölkerung momentan noch nahezu gänzlich ungeschützt ist, denn die Impfungen laufen nur ganz langsam an. Rund 1,2 Millionen Kiwis sind bis dato immunisiert, mehr Pfizer-Impfstofflieferungen im Juli, August und September sollen helfen, einen Großteil der Bevölkerung zu schützen. „Das Problem ist eigentlich, dass durch stetige neue Erkenntnisse der Wissenschaftler sich deren Einstellungen ändern. Dazu kommen immer wieder neue Rätsel und ungeklärte Fragen, die zu einer großen Planlosigkeit zu führen scheinen. Von der Politik gibt es keine offiziellen Aussagen, wie es weitergehen kann“, bemängelt Peter Hahn und viele andere Betroffene aus Handel, Industrie und Wissenschaft. „Können auch Geimpfte das Virus weitergeben? Inwieweit hilft welche Impfdosis gegen welche Virus-Mutation? Trotz aller Ungereimtheiten bräuchten wir in Neuseeland langsam einmal eine Art Fahrplan, wie es unter welchen Umständen weitergehen könnte“, fordert nicht nur der Einwanderungsberater. Es gibt kaum eine Basis für Spekulationen oder Hochrechnungen.

Unterschiedliche Meinungen, unterschiedliche Strategien

Sollten die Grenzen Neuseelands wieder für den Tourismus öffnen, bevor ein Großteil der Bevölkerung immunisiert ist, würde das zu einem Leben unter alert level 2,5 führen, prognostiziert Dr. Ashley Bloomfield, General Director of Health. Doch die Industrie drängt, vor Covid spülte der Tourismussektor jährlich 40,9 Milliarden Dollar in die Kassen des Landes. Viele Überlegungen gehen nun in die Richtung, dass nur Geimpfte ins Land kommen dürften, ließ Premierministerin Jacinda Ardern kürzlich in Auckland verlauten. Für den Immunologen und Associate Professor James Ushher von der Otago University ist ganz klar: „Sobald wir die Grenzen öffnen, selbst wenn wir nur Geimpfte hereinlassen, bringen wir Corona ins Land, das ist ganz klar.“ Die Leitung des Immunisation Advisory Centres Dr. Nikki Turner meinte, es wird auch Übertragungen innerhalb von Geimpften, weshalb Neuseeland dann grundsätzlich wesentlich strengere öffentliche Gesundheitsmaßnahmen benötigen werde, wie beispielsweise eine konsequente Maskenpflicht. Die Todesrate in Neuseeland werde trotz aller getroffenen Maßnahmen ansteigen. Auf der anderen Seite erwartet Chris Roberts, Leiter der Tourismus Industrie Aotearoas eine risikobasierte Einstufung bei ersten Grenzöffnungsversuchen: „Es wird keinen magischen Moment geben, wann die Grenze für alle Länder wieder aufmacht. Vermutlich ist es wesentlich sinnvoller, Touristen aus einzelnen Ländern zu präferieren, in denen beispielsweise die Inzidenz niedrig ist.“

Mögliches Öffnungsszenario

„Ich bin mir sicher, dass sich dieses Jahr in punkto Grenzöffnung nichts mehr tun wird“, spekuliert der Neuseeland-Experte Peter Hahn. „Dr. Bloomfield prognostiziert derzeit etwas illusorisch, dass bis Ende Dezember 2021 rund 90 Prozent der Bevölkerung geimpft sein sollen. Und das will man sicherlich abwarten, als zu früh zu öffnen und dann mit den Folgen leben zu müssen.“

Auf der anderen Seite drängt die durchhängende Wirtschaft auf dringende Veränderung. Durch die im April initiierte sogenannte Trans-Tasman-Blase und die im Mai gestartete Cook-Islands-Blase entstand zumindest eine kleine Erleichterung für den Tourismus. Anstelle von nur knapp 12.000 Einreisenden im Januar kamen so knapp 100.000 Reisende im Mai aus den Nachbarländern per Flugzeug nach Neuseeland. Doch viele davon besuchten nur Freunde und Verwandte oder waren Business-Reisende. NZ Maori Tourismus-Sprecherin Kiri Atkinson-Crean erklärte, dass Maori-Tourismus-Betreibende besonders hart betroffen seien und für sie rund 85-95 Prozent Umsatz weggebrochen seien seit der Pandemie.

Zudem orientiert sich die neuseeländische Regierung am Vorgehen des Nachbarlandes Australien. Hier plant man momentan, die Grenzen Mitte 2022 wieder zu öffnen. Ob es in Neuseeland dann ab Januar erste Öffnungen geben wird oder auch erst Mitte des nächsten Jahres bleibt Spekulation. „Ich denke auch, es wird tatsächlich eine stufenweise oder angepasste Grenzöffnung geben, bei der die Einreisenden dann beispielsweise geimpft sein müssen oder je nach Inzidenz im Herkunftsland eingestuft werden. Dann wird es Fälle geben von Personen, die in jedem Fall in zweiwöchige Quarantäne müssen, bei anderen reicht vielleicht eine Selbstisolation. Da wird es die unterschiedlichsten vorgegebenen Szenarien geben, vermute ich.“

Die Zukunft der Migration

Viele sehen mit der Pandemie nun eine gute Möglichkeit, die Einwanderung nach Neuseeland neu zu überdenken und ebenso Gesellschaft und Wirtschaft künftig nachhaltiger zu gestalten. Die Menschen seien jetzt offener gegenüber Veränderungen. Ein Viertel der neuseeländischen Bevölkerung wurde im Ausland geboren, der Weltdurchschnitt liegt bei nur drei Prozent. Andere Stimmen behaupten man wolle mit dem geplanten Immigration-Reset, nur die Probleme bei der Wohnungsnot, mangelnden Infrastruktur und dem Arbeiter-Wohlergehen rechtfertigen. Fakt ist, die meisten Einwanderer kamen bislang als Arbeitskräfte über den Arbeitsmarkt ins Land und nicht über das Schulsystem, wie beispielsweise als Studenten. Dennoch weiß man statistisch sehr wenig darüber, was die Einwanderer tatsächlich für einen Effekt auf die neuseeländische Wirtschaft haben. „Hinzu kommt, wie und mit welchen Faktoren will man den Einfluss messen?“, gibt Peter Hahn zu bedenken. „Das ist eine komplexe Sache, da ist kein Schwarz-Weiß-Denken möglich. Die Aussagen, dass Lower Skilled Migrants den Neuseeländern die Jobs wegnehmen, ist einfach nur populistisch und extrem simplifiziert“, so der Einwanderungsberater.

Einwanderung 2022

In welchem Monat dann auch immer die Grenzen aufmachen, die Einwanderung nach Neuseeland wird aller Wahrscheinlichkeit nach bis dahin neu überdacht. „Ich gehe davon aus und alles, was so durchsickert aus diversen Kanälen, deutet auch darauf hin, dass der Trend eher zu Highly Skilled Migrants gehen wird. Da haben wir Glück, denn die meisten meiner Kunden fallen tatsächlich unter diese Kategorie. Auch Investoren werden weiterhin gern gesehen sein, da könnten sich nur kleine Details verändern, beispielsweise die Kanäle, in denen sie ihr Vermögen anlegen müssen. Das wäre sehr unschön und einschränkend aber ist momentan nur reine Spekulation“, resümiert Peter Hahn. „Ich denke, für Deutsche wird sich bei der Einwanderung nach Neuseeland gar nicht allzu viel ändern.“

Alles in allem werden sich einwanderungswillige Deutsche so keine allzu großen Sorgen machen müssen, dass die Türen für eine Immigration nach Neuseeland künftig generell zugehen. „Allerdings wird sich nach der Grenzöffnung 2022 einiges ändern und es ist mehr denn je sinnvoll dann für jeden eine eigene individuelle Strategie zu entwickeln!“

 

 

 

Neuausrichtung der Einwanderungsrichtlinien

Erste mögliche Lücken für Investoren

Die Ankündigung der Rede des neuseeländischen Ministers Stuart Nash klang vielversprechend und sollte bahnbrechende Neuigkeiten enthalten. In Vertretung des Immigrationsministers Chris Faafoi schien es, als würde die neuseeländische Einwanderungspolitik gerade neu geschrieben. Die Regierung spricht von einem ‚Reset‘ der Einwanderungsrichtlinien nach der Wiederöffnung der Grenzen. Alles solle anders werden, so die Tendenz. Keine ausländischen Arbeitskräfte mehr im Billiglohnsegment, weniger temporäre Visa. De facto gab es bislang kaum Neuigkeiten. Viele Medien und Wirtschaftsvertreter zogen enttäuscht und mit Unverständnis von dannen. Nur für Investoren wird es jetzt schon interessant. Auch die Möglichkeiten für die Beantragung von Work Visa könnten zukünftig einfacher werden, so der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington.

Die Zahlen ändern sich

Normalerweise reisen pro Jahr mehr als sieben Millionen Menschen nach Neuseeland. Touristen, temporäre Arbeitskräfte und Einwanderer träumen von einer Zeit in Aotearoa. Nach den Grenzschließungen im März 2020 ging die Zahl der Einreisenden drastisch zurück. Insgesamt nur 165.000 Menschen gelangten bis März 2021 nach Neuseeland. Die Effekte auf die Wirtschaft durch den fehlenden Tourismus, ausbleibende internationale Schüler und Studenten und besonders auf den Gastronomiebereich sind drastisch. Seit Juni 2020 gelangten nur rund 8.000 sogenannte Critical Worker ins Land, die für ein wenig wirtschaftliche Erholung in den Bereichen Ingenieurs- und Finanzwesen, Forschung, Entwicklung, Digitalisierung und IT, in der Filmindustrie und im Agrarbereich sorgen konnten.

So kamen beispielsweise 80 Prozent der Anträge, die in der Skilled Migrant Kategorie im vergangenen Jahr gestellt wurden von Bewerbern, die bereits in Neuseeland ansässig sind. „Ausländische Anträge werden derzeit in diesem Bereich auch gar nicht bearbeitet“, erklärt der Neuseelandexperte Peter Hahn. Er verfolgt die Entwicklungen derzeit für seine Kunden und deutsche Interessenten sehr genau.

Immigration Reset

Der Minister sprach in seiner Rede von einem ‚Immigration Reset‘ nach der Pandemie. Dabei ginge es nicht nur um bloße Reduzierung der Einwanderungszahlen, sondern auch um die richtigen Entscheidungen, die richtigen Menschen, die helfen könnten, zum Wirtschaftsaufschwung nach COVID19 beizutragen. Eine der Schlüsselkategorien hierfür sei eine neue Strategie, die hochdotierte, internationale Investoren anziehen soll. Die Regierung verspricht sich dadurch mehr Produktivität, Wissen, neue Ideen, Talent, Beziehungen und das Etablieren neuer Technologien. „Um diese Strategien zu unterstützen und in die Realität umzusetzen, wird eine neue Sondergenehmigung, eine Einreisemöglichkeit für Investoren trotz der Grenzschließung, ins Leben gerufen“, erklärt Peter Hahn. „Und das wird jetzt schon für potenzielle deutsche Investoren interessant.“

Innovative Partnership Programme

Zu den sogenannten ‚Border Exeptions‘, den Ausnahmeregelungen zur Einreise hat die Regierung nun das neue Innovative Partnership Programme hinzugefügt. New Zealand Trade and Enterprise hat dafür ein Investor Programm ausgearbeitet, welches es globalen Firmen und Investoren ermöglichen soll, trotz COVID19-Restriktionen nach Neuseeland einzureisen. Wer kann schon den geeigneten Geschäftspartner per Online-Meeting finden, ohne die Bedingungen und die Schlüsselfiguren vor Ort zu kennen? Mit Hilfe dieser neuen offiziellen Regelung sei es dann den globalen Investoren möglich, trotz der Grenzschließung nach Neuseeland einzureisen. „Über 200 solcher Plätze wurden nun geschaffen und sollen über die nächsten 12 Monate gefüllt werden“, berichtet der Einwanderungsberater Peter Hahn begeistert. „Das wird jetzt für viele interessierte deutsche Investoren eine riesige Chance“, erklärt er. Schon zwei seiner derzeitigen Kunden möchte er mit dieser Strategie schneller zur Einwanderung verhelfen. „Es geht darum, die entsprechenden Investitionsgelder mitzubringen, das ist klar. Aber natürlich sucht man in Neuseeland die Bewerber auch nach Kriterien aus wie Berufserfahrung, Expertise und Beziehungen, welche mitgebracht werden können.“

Normalerweise werden derzeit Anträge aus dem Ausland bei Immigration New Zealand nicht bearbeitet. Selbst wenn ein Jobangebot aus Neuseeland vorliegt, der Antragsteller jedoch sein Formular aus dem Ausland einreicht, sich noch in Deutschland befindet, wird der Antrag nicht bearbeitet. „Die einzige Ausnahme momentan sind tatsächlich Investor Anträge, die ich auch stellen kann, wenn sich die Kunden noch in Deutschland befinden. Allerdings werden die Anträge zum einen nur sehr schleppend bearbeitet und zum anderen, dürfen die Kunden grundsätzlich momentan nicht einreisen. Das bedeutet, dass auch keine Resident Visa ausgestellt werden. Wenn ich jetzt aber meine Investor-Kunden über das neue Innovative Partnership Programme erst einmal hier ins Land bekomme, ist ihnen die Bearbeitung ihres Antrags sicher“, gibt Peter Hahn zu bedenken. „Selbst wenn eine Investition oder eine Partnerschaft mit einem neuseeländischen Unternehmen am Ende scheitern, befinden sich die Antragsteller ja dann schon im Land. Und sobald sie hier ‚on shore‘ sind, kriegen wir die Anträge schneller zur Bearbeitung und die Resident Visa werden auch ausgestellt!“ Eine Infobroschüre für Investoren auf Englisch gibt es HIER.

Vorteile auch für Work Visa-Antragsteller in Aussicht

„Auch die Work Visa Policy könnte sich künftig für Antragsteller vorteilhaft entwickeln“, überlegt der Einwanderungsberater laut. Normalerweise bekommt man ohne Work Visa nur schwer einen Job und den Job jedoch nur mit Work Visa. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.“ Ab November müssen sich neuseeländische Arbeitgeber nun aber über ein spezielles Verfahren registrieren, um überhaupt Ausländer anstellen zu dürfen. „Wer folglich durch diesen nicht ganz unaufwendigen Prozess der Akkreditierung geht, ist sich schon darüber im Klaren, dass er ausländische Fachkräfte anstellen möchte, sonst hätte das gesamte Prozedere keinen Sinn gemacht. Für die Arbeitssuchenden im Ausland ist somit diese Hürde bereits genommen und es könnte tatsächlich einfacher werden, einen Arbeitgeber zu finden, der auch bereit ist, Bewerber aus dem Ausland anzustellen.“ Mit einem festen Jobangebot kann dann wiederum ein bis zu dreijähriges Work Visa beantragt werden. „Wie schon erwähnt, der Akkreditierungsprozess für die Arbeitgeber wird jedoch erst im November losgehen.“

Wie es für Arbeitssuchende nach dem temporären Arbeitsvisum auch möglich sein wird, die Residency zu bekommen und ob dann die Skilled Migrant Kategorie künftig noch existieren wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht abzusehen.

Die Regierung arbeitet derzeit weitere Details der neuen Einwanderungsrichtlinien aus – für Interessierte bleibt es spannend. Peter Hahn behält die Lage für seine Kunden deshalb genau im Auge.

 

 

 

Immigrations-Debatten hinter den Kulissen

Spekulationen über Neuseelands Zukunft

Die Grenzen in Neuseeland bleiben geschlossen, ebenso wie viele Türen für potenzielle Einwanderer. Doch hinter den Kulissen werden unzählige Optionen diskutiert, wie die zukünftige Immigrationspolitik des Landes aussehen könnte. Zugrunde gelegt werden neue Statistiken, Papiere und Wirtschaftsberichte des Landes. Der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington studiert viele der Unterlagen, um für seine Kunden die neusten Entwicklungen im Blick zu haben.

Statistiken in Corona-Zeiten

Neue Wirtschaftsberichte zeigen, dass trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie in Neuseeland ein leichtes Wirtschaftswachstum von zwei Prozent zu verzeichnen ist. Laut des Instituts für Economic Research befürchten jetzt nur noch 16 Prozent aller Firmen, anstelle der 38 Prozent aus den vorangegangenen Quartalen, dass sich die Bedingungen verschlechtern werden. Gestärkt wird die Wirtschaft vor allem durch den boomenden Bausektor. Wirtschaftswissenschaftlerin Christina Leung jedoch betone, dass es für viele Unternehmen in dieser Branche immer schwierige werde, ausreichend geschulte Fachkräfte auf dem inländischen Markt rekrutieren zu können.

Mittlerweile ist die neuseeländische Gesellschaft nach einer kürzlich veröffentlichen Übersicht der Statistikbehörde auf eine Population von gut fünf Millionen Menschen herangewachsen. Prognostiziert war diese Bevölkerungszahl in 2010 erst für das Jahr 2031. Die letzte Million des Zuwachses sei die schnellste gewesen. „In den nächsten zehn Jahren werden alleine rund 40 Prozent der Menschen in der größten Stadt Auckland leben“, befürchtet der Demograf Professor Paul Spoonley von der Massey Universität. „Das wird für die Infrastruktur der Stadt künftig noch größere Probleme mit sich bringen.“ Die landeseigene Geburtenrate sinkt, während die Zuwanderung nach Neuseeland immer schneller voranschreitet.

Die Politik diskutiert nun, vor allem die Zahl der sogenannten Lower-skilled Arbeitskräfte künftig bei der Einwanderungspolitik drastisch zu reduzieren. Es mache keine Sinn Menschen ins Land zu bringen, welche den gleichen oder sogar einen niedrigeren Bildungsstand habe als die Kiwis selbst.

Politik und Prognosen

Derzeit werden in der Politik die bisherigen und mögliche künftige Einwanderungsstrategien unter die Lupe genommen. Vor allem im Tourismusgewerbe, in der Gastronomie und im Landwirtschaftssektor würden bislang viele Billigarbeitskräfte ins Land gelassen, welche der Wirtschaftsentwicklung Neuseelands keinerlei Vorteile brächten, so der Grundkonsens der veröffentlichen Economy Reports. Jeder zehnte Arbeiter in Neuseeland ist ein Ausländer mit einem Work oder Student Visa.

Politische Überlegungen

Stimmen werden laut, die Einwanderungspolitik Neuseelands deutlich zu verschärfen. Dabei sind momentan wohl vor allem Studentenvisa, Saisonal-Arbeiter und Working Holiday Visa im Visier, lässt die neuseeländische Presse verlauten. Laut der neusten Wirtschaftsberichte schneidet die neuseeländische Einwanderungspolitik schlecht ab. Wer wolle schon als Top-Player in der Industrie oder als Weltkonzern in ein Land fern ab jeglicher Weltwirtschaft ziehen? Einwanderer in Neuseeland seien ein erfreulicher und bereichernder Teil für die Gesellschaft, hätten jedoch wirtschaftlich keinerlei messbaren positiven Einfluss, so das vernichtende Urteil der Wirtschaftswissenschaftler.

Arbeitsmarkt in Pandemie-Zeiten

„Man versucht nun herauszufinden, welche Einwanderer Neuseeland wirtschaftlich am meisten nutzen“, erklärt der Neuseeland-Experte Peter Hahn. Seit den 1980ger-Jahren ist die neuseeländische Einwanderungspolitik vom Grundsatz her ähnlich. „Ich sehe all die Versuche, die positiven Effekte der Einwanderer zu messen, völlig zweifelhaft an. Man kann den Einfluss nicht rein wirtschaftlich betrachten, sondern muss Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen“, so die Meinung von Peter Hahn. Der Einwanderungsberater ist seit über 25 Jahren im Geschäft und hat mehrfach bei seinen Kunden erlebt, dass nicht die erste Generation der Einwanderer, sondern meist erst die zweite Generation unter die Lupe genommen werden müsste. „Die Ansprüche an das Leben hier und die Zukunft der Kinder der Einwanderer zeigen oft erst, was die ursprüngliche Einwanderung bewirkt hat. Aber wie soll man so etwas tatsächlich messbar machen. Das ist gar nicht möglich“, weiß Peter Hahn.

Die Grenzschließungen und Covid19-Pandemie zeigen einmal mehr, dass der neuseeländische Arbeitsmarkt anpassungsfähig ist. „Für die Politik ist dieser Zustand eine gute Ausrede zu beobachten was passiert, wenn die Arbeitgeber gezwungen sind, mit inländischem Personal zu arbeiten, da ja keine neuen Leute mehr ins Land kommen können. Vor allem in Bereichen wie Gastronomie, Altenpflege oder auf Obstplantagen scheint man abwarten zu wollen, wie lange neuseeländische Unternehmer ohne Hilfe von ausländischen Arbeitskräften aushalten können“, gibt der Einwanderungsberater zu bedenken.

Haltung kontra Realität

Erst kürzlich ging der Fall eines zugewanderten Allgemeinmediziners aus Otaki durch die Presse, der seit langem auf die Bearbeitung und Genehmigung seines Residence Antrags warte. „Er darf sich beispielsweise aufgrund der Regelungen kein Haus hier kaufen, hat keinerlei Planungssicherheit“, bestätigt auch Peter Hahn. „Das Ende vom Lied ist nun, dass er Neuseeland verlässt und nach Kanada geht. So ein Einwanderungsfall zeigt deutlich, wo derzeit die Probleme liegen. Gerade im Gesundheitsbereich fehlen solche Fachkräfte an allen Ecken und Enden!“, beschreibt Peter Hahn den momentanen Zwiespalt. „Politische Aussagen und die Medien zeigen eine absolute Stagnation und pessimistische Aussichten für Einwanderer. Meine tägliche Arbeit zeigt jedoch ein anderes Bild. Alle Anträge, beispielsweise für Work Visa oder Critical Purpose Visitor Visa meiner Klienten werden momentan blitzschnell bearbeitet. Wir erhalten oft schon wenige Wochen später Genehmigungen, auf die wir früher manchmal drei Monate lang gewartet haben“, berichtet der Einwanderungsberater aus seinem Alltag. „Allerdings sind das alles Anträge von Personen, die sich bereits in Neuseeland befinden“, fügt er hinzu.

Prognosen

Was genau sich zukünftig im Einwanderungsrecht ändern wird, bleibt zunächst ein Ratespiel. Obwohl die Politik eine deutliche Verschärfung der Einwanderungskriterien diskutiert, sieht es laut Peter Hahn für deutsche Interessierte gar nicht schlecht aus: „Natürlich ist jede Einwanderung sehr individuell. Aber wenn man sich einmal die Bereiche ansieht, die verschärft werden sollen, wird das für Interessierte aus den deutschsprachigen Ländern kaum Auswirkungen haben. Highly-Skilled Einwanderer werden nach wie vor willkommen sein und dazu gehören nahezu alle meiner Kunden!“ Momentan werden sogar Investor-Anträge aus dem Ausland bearbeitet, die seit März 2020 unbearbeitet geblieben sind. „Das zeigt mir schon, dass die Arbeit bei Immigration New Zealand wieder losgeht – wenn auch ganz langsam und sukzessive. Für Interessierte lohnt es sich, die Zeit bis zur Grenzöffnung sinnvoll zu nutzen. So kann man jetzt schon eine Einwanderungsstrategie entwickeln und die nötigen Papiere vorbereiten. Dann ist man gut gerüstet, wenn es wieder richtig losgeht.“

 

Einwanderungs-Interessierte können langsam aufatmen

Arbeitslosenzahlen sinken, Impfbeginn geplant

Monatelange Hiobsbotschaften und das Warten auf das Öffnen der Grenzen in Neuseeland – Jetzt gibt es gleich zwei positive Nachrichten, die zu einer positiven Entwicklung beitragen könnten. Völlig unerwartet und anders als prognostiziert sanken die Arbeitslosenzahlen um 0,4 Prozent. Zudem rechnet die Regierung mit einem frühzeitigen Impfstart gegen das Corona-Virus Ende März 2021. Einwanderungsinteressierte können so langsam wieder aufatmen.„Beide Faktoren dürften die Öffnung der Grenzen und so die Einwanderungschancen für Deutschsprachige wieder erhöhen“, erklärt der langjährige Immigrationsberater Peter Hahn.

Neuseeland regeneriert sich selbst – so könnte man die neuste Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in Land der langen weißen Wolke deuten. Wo Wirtschaftswissenschaftler der Reserve Bank während des Lock Downs aufgrund der Corona Pandemie im März 2020 noch Arbeitslosenquoten von bis zu elf Prozent prognostiziert hatten, sank jetzt überraschenderweise die Zahl der Unbeschäftigten im Dezember-Quartal von 5,3 auf 4,9 Prozent. Prognostiziert war hingegen ein Anstieg auf 5,6 Prozent. „Wie sind völlig überrascht, wie stark sich der Arbeitsmarkt Ende 2020 nun tatsächlich zeigt“, erklärt ASB Senior Economist Mike Jones. Im Vergleich dazu hatte Deutschland im Dezember 2020 eine Arbeitslosenquote von 5,9 Prozent mit steigender Tendenz, denn im Januar ging die Zahl sogar auf 6,3 Prozent hoch.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Neuseeländer, ihr Zusammenhalt und ihre Tatkraft zeigt sich derzeit einmal mehr. Scheinbar hilft sich die Bevölkerung momentan selbst mit einer starken Kaufkraft und Unternehmungslust. 10.000 Menschen weniger sind derzeit arbeitslos und in der Wirtschaft konnten 17.000 neue Jobs besetzt werden. „Nicht alle Industriezweige haben hier gleich gut aufgeholt. Das Baugewerbe konnte mit 13.200 neuen Jobs deutlich zulegen, während viele Arbeitsplätze im Tourismusbereich weiter abnahmen“, erklärt Becky Collett, Statistic New Zealand Senior Manager.

Der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn erklärt die Situation aus seinen Beobachtungen folgendermaßen: „Einige Jobs, die beispielsweise häufig von Pacific Islandern gefüllt werden, übernehmen nun Neuseeländer selbst. Viele Schüler jobben so zum Beispiel nach dem Schulabschluss auf den Obstplantagen und helfen bei der Ernte aus. Zudem können Kiwis derzeit ja nur schwer das Land verlassen, reisen jedoch gerne. Sie geben das Geld folglich für Trips im eigenen Land aus. Die Menschen gehen mehr essen, reisen durch Neuseeland, so dass die Gastronomie und die inländische Reise-Branche gut zu tun haben. Nachdem Inlandsreisen oft deutlich günstiger sind als Fernreisen, bleibt vielen Neuseeländern Geld übrig, welches Sie dann für andere Waren wie Autos oder Sportequipment ausgeben. Die Kaufkraft steigt, das kurbelt Wirtschaft und Industrie an.“ Zudem kommen viele Neuseeländer, die im Ausland gelebt haben, aufgrund der Auswirkungen und Einschränkungen durch die Corona-Pandemie jetzt zurück in ihre ursprüngliche Heimat. Mehr Menschen bedeuten auch mehr Umsatz.

Langfristige positive Auswirkungen

„Die sinkende Arbeitslosenquote zeigt, dass der Arbeitsmarkt sich gut erholt und laufend neue Arbeitskräfte gebraucht werden. Mittel- bis langfristig wird das auch den Einwanderern zugutekommen, denn gerade Fachpersonal in vielen Bereichen ist rar“, weiß Peter Hahn.

Ein weiterer positiver Faktor, der die Einwanderung nach Neuseeland künftig wieder in absehbare Nähe rücken kann, ist die anstehende Impfstofflieferung von Pfizer-BioNTech nach Neuseeland. „Mit entsprechender Covid19-Immunität der Bevölkerung hier wird es natürlich wahrscheinlicher, dass auch die Grenzen wieder geöffnet werden können“, erklärt Peter Hahn die Lage. „Derzeit baut Neuseeland auf Eliminierung. Die Pandemie lässt sich durch Grenzschließung, beschränkte überwachte Quarantäneplätze und Auckland als einzigen Einreisestandort noch gut unter Kontrolle halten. Einem Covid19-Ausbruch im Land kann man so entgegenwirken und das Risiko minimieren. Mit einer Immunität im Land könnte man dann auch die Strategie wechseln.“

Geplant sind zunächst 1,5 Millionen Dosen, die ab März nach und nach ins Land geliefert werden sollen. Dr. Ashley Bloomfield, Gesundheitsbeauftragter im Parlament rechnet mit einer pünktlichen, wenn nicht sogar frühzeitigen Lieferung nach Neuseeland und trifft jetzt schon vorbereitende Maßnahmen. Vorrangig immunisiert werden soll das Flughafen-, Airline- und Quarantäne-Personal.

„Sowohl die gesunkene Arbeitslosenquote wie auch die baldige Immunisierung der neuseeländischen Bevölkerung sind durchaus als positive Schritte zu sehen, dass die Chance auf absehbare Einwanderung nach Neuseeland wieder größer wird“, fasst der Einwanderungsberater die positiven News noch einmal zusammen.

Der Bedarf an spezifischen qualifizierten Arbeitskräften zeigt sich bereits jetzt und er wird auch künftig gefüllt werden müssen. „Deutsche Einwanderer als Zielgruppe sind erwünscht, auch wenn sie vermutlich dann nur in Etappen hereingelassen werden“, mutmaßt Peter Hahn. Wann Immigration grundsätzlich wieder möglich sein wird, und wie genau die Labour Regierung die neuen Regeln am Ende formuliert, ist allerdings noch nicht geklärt. „Ich rechne mit einer tatsächlichen Grenzöffnung nicht vor Ende 2021 oder Anfang 2022“, resümiert der Neuseeland-Experte. „Reelle Chancen für Einwanderer auch wieder nach Neuseeland einreisen zu können, sehe ich etwa im März 2022. Das ist jedoch nur meine persönliche Einschätzung nach momentanem Stand.“

Dennoch können Auswanderungspläne bereits jetzt eingeleitet werden. Ob generelle Informationssuche, Anerkennung von Ausbildungen, die Entwicklung der individuellen Einwanderungsstrategie oder die eigene Berufszulassung in Neuseeland organisieren, vorbereitende Maßnahmen könnte man bei ernsthaftem Interesse jetzt schon angehen.

Einwander-Versuch in Corona-Zeiten

Möglich oder sinnlos?

 Mit geschlossenen Grenzen, nur wenigen internationalen Flügen und limitierten Plätzen in dezidierten Quarantäneeinrichtungen scheint es zunächst schier unmöglich, nach Neuseeland einzureisen. Dennoch bearbeitet Peter Hahn derzeit Visa- und Resident-Anträge von Deutschen, die gerne nach Neuseeland einwandern möchten. Die Lage scheint also nicht gänzlich aussichtslos, denn wie immer gibt es Ausnahmen.

Drei Unbekannte für Einwanderungsinteressierte

Derzeit gibt es drei Unbekannte, welche die Einschätzung der Einwanderungschancen für Interessierte schwierig gestalten.

Zunächst hat das Immigrationssystem mit vielen Altlasten der vorangegangenen Legislaturperiode zu kämpfen. „Durch die Koalition von Labour mit der NZ First Partei ist in den vergangenen zwei Jahren in Sachen Einwanderung nahezu nichts passiert“, erklärt Peter Hahn die momentane Situation. „Normalerweise wird alle zwei Jahre von der Regierung eine Einwanderungsquote festgelegt. Doch die Parteien konnten sich auf nichts einigen, unter anderem deshalb blieben viele Anträge einfach liegen. Momentan dauert die Bearbeitung eines Residence Antrags an die zwei Jahre!“ Der sogenannte Backlog, führt zu erheblichen Wartezeiten und seit der Wahl ist noch keine neue Einwanderungsquote festgelegt worden.

Eine weitere Unbekannte für Einwanderungsinteressierte ist der Stand der Immigrationsregularien, welche die Labour-Regierung nach und nach neu erarbeiten möchte. So sollen 2021 die Work Visa Policy, die Investor Category und auch das Punktesystem überarbeitet werden. „Wir können zum jetzigen Zeitpunkt nur in die Wahlprogramme der Labour Partei blicken, um zu erahnen, in welche Richtung die neue Regierung entscheiden wird“, erklärt der Einwanderungsberater mit seinen über 25 Jahren Berufserfahrung. „Die angestrebten Regelungen haben jedoch keinen großen Einfluss auf die meisten meiner Kunden“, kann er beruhigen. „Viele Maßnahmen zielen auf weniger qualifizierte Antragsteller ab, für welche es dann schwieriger werden wird, nach Neuseeland einzuwandern. Die meisten Deutschen haben gute Qualifikationen, eine solide Ausbildung und bringen entsprechende Berufserfahrung mit, so dass sie von geplanten Änderungen im Wesentlichen unberührt sein sollten.“

Das dritte große Fragezeichen derzeit ist die Covid-19-Pandemie. Wie lange werden die Grenzschließungen noch andauern und wann wird es für Ausländer wieder möglich sein, ohne Sonderregelungen nach Neuseeland einzureisen? „Dies sind Faktoren, die von niemandem beeinflussbar sind und somit zu mehr Unplanbarkeit in den einzelnen Einwanderungsverfahren führen können“, so Peter Hahn stirnrunzelnd.

Ausnahmen bestätigen die Regel

„Ich habe einige wenige Kunden, für die es trotz Grenzschließung möglich ist, von Deutschland nach Neuseeland einzureisen und dann sogar entsprechende Visa-Anträge zu stellen.“ Experten, deren Arbeitskraft dringend im Gesundheitswesen gebraucht wird, haben derzeit in Ausnahmefällen die Möglichkeit, per Sonderreisegenehmigung nach Neuseeland einzureisen. „Zunächst benötigen die Antragsteller eine neuseeländische Berufszulassung, die dann mit recht großem Aufwand von Deutschland aus organisiert werden muss. Dann können sich die Gesundheitsexperten, wie in einigen Fällen beispielsweise Ergotherapeuten oder Nuklearmediziner, einen Job in Neuseeland organisieren. Das ist das geringste Problem“, erklärt der Einwanderungsberater. Auch qualifizierte Veterinäre werden dringend gesucht. „Mit diesen Papieren in der Tasche reiche ich zunächst ein sogenanntes Request for travel to New Zealand ein, woraufhin wir dann eine Invitation to Apply für ein sogenanntes Critical Purpose Visitor Visa erhalten, mit welchem die Personen dann einreisen können. Erst wenn sie hier vor Ort sind, kann ich dann ein Work Visa für sie beantragen.

Quarantäne-Debakel

Eine Hürde bei den Reisevorbereitungen ist jedoch das Management eines Fluges in Kombination mit einer Sonderreisegenehmigung und im gleichen Zeitraum die Organisation eines Platzes in einer der gemanagten Quarantäne-Einrichtungen. Denn jede Person, die einreist, muss in Neuseeland zunächst zwei Wochen in Quarantäne. In den Medien wird immer wieder berichtet, dass Fachpersonal nicht einreisen kann, weil über Monate keine freien Quarantäne-Zimmer mehr buchbar seien. Reisende scheinen aus Panik gleich mehrere Plätze zu buchen, andere Einreisende treten den geplanten Flug erst gar nicht an. So blieben täglich zwischen acht und sechzehn der wenigen heiß umkämpften Zimmer leer. „Diese Meldungen wiederholen sich hier in den Medien ständig. Allerdings hatte ich auch schon einige Kunden, wie beispielsweise Installateure einer österreichischen Fabrikbaufirma, die mit Sondergenehmigung temporär einreisen und hier arbeiten durften. Keiner von ihnen hatte Probleme bei der Organisation der Quarantäneplätze“, berichtet Peter Hahn aus seiner Erfahrung. „Vielleicht gibt es Probleme, wenn man an bestimmten Tagen einen Platz braucht und daher unflexibler suchen muss.“

Zudem kommen etwa 3.600 NZD an Kosten für den vierzehntägigen Aufenthalt in den überwachten Einrichtungen auf die ausländischen Passagiere zu.

Partnership Visa für Multikulti-Paare

Auch für Deutsche, die seit längerem eine feste Beziehung mit einem neuseeländischen Partner haben, gibt es gute Chancen, trotz Grenzschließung nach Neuseeland zu gelangen. „Ganz wichtig ist, dass die Beziehung nicht ‚frisch‘ sein sollte. Also wenn beispielsweise ein Neuseeländer mit seiner deutschen Freundin schon lange Zeit zusammenlebt und gerade in Deutschland ist, kann das Paar auch mit ihren Kindern, nach Neuseeland umziehen“, weiß der Einwanderungsberater. „Zunächst gilt es, das Request for travel to New Zealand zu beantragen. Das ist kein Visum! Danach erhält man eine sogenannte Invitation to apply für ein Critical Purpose Visitor Visa. Das eigentliche Partnerschafts-, Work- oder Resident Visa können wir dann erst beantragen, wenn die Kunden hier in Neuseeland sind!“

Ein Plus für interessierte Investoren

Die Unterlagen von Investoren sind derzeit die einzigen Visa-Anträge von Personen, die sich außerhalb Neuseelands befinden, die überhaupt bei der Immigrationsbehörde bearbeitet werden. „Wer also noch in Deutschland lebt und über entsprechende finanzielle Mittel verfügt, der kann sein Einwanderungsverfahren jederzeit starten oder vorantreiben. Denn bis zur Erteilung der Visa kann es einige Zeit dauern. Selbst wenn das Verfahren genehmigt wird, werden die eigentlichen Visa ausgesetzt und erst dann erteilt, wenn die Grenzen Neuseelands wieder aufmachen und eine Einreise möglich wird“, erklärt Peter Hahn. „Insofern machen hier vorbereitende Maßnahmen absolut Sinn momentan.“

Studenten, Hängengebliebene und langfristige Einwanderer

Wer plant, nach Neuseeland zurück zu gehen, um ein Studium fortzusetzen, kann ebenfalls schon entsprechende Vorbereitungen treffen. „Momentan liegt der Fokus ausschließlich auf Studenten, die schon oder noch ein gültiges Student Visa haben und hier schon angefangen hatten, zu studieren. Viele sind aus den unterschiedlichsten Gründen vor dem Lockdown im Ausland hängen geblieben. Diese sollen nach und nach wieder reingelassen werden. Ob und wann neue Studenten wieder einreisen dürfen, ist momentan noch reine Spekulation. Es spricht dafür, dass Studenten bessere Chancen auf eine frühere Einreise als Touristen haben, denn die Unis und Polytechnics und zum Teil auch Secondary Schools hatten sich sehr an die hohen Studiengebühren der Ausländer gewöhnt, die nun fehlen. Zudem sind die Zahlen der Studenten überschaubarer als die etwaiger Touristen aus aller Welt“, so der Einwanderungsberater.

Peter Hahn kümmert sich derzeit auch um einige Antragsteller, die durch den strengen Lock down in Neuseeland hängengeblieben sind. „Wer hier in Neuseeland hängengeblieben ist, weil die Grenzen geschlossen wurden, bekam sein Besuchervisum immer wieder verlängert. Ich habe mehrere Kunden mittlerweile, die beispielsweise auf Weltreise waren und so nun schon seit über einem Jahr in Neuseeland sind. Einige davon haben sich entschlossen, aufgrund der drastischen Corona-Situation in Deutschland und der entsprechenden Ansteckungsgefahr, hierzubleiben.“ Da die Kunden bereits vor Ort sind, werden ihre Visa-Anträge von Immigration New Zealand bearbeitet.

Für alle andere Interessierten heißt es, erst einmal mit Geduld abzuwarten. „Für mache Bewerber kann es sich lohnen, zumindest vorbereitende Maßnahmen für die Einwanderung zu treffen“, erklärt der Neuseeland-Experte. „Dazu kann beispielsweise gehören, jetzt schon einmal seine Ausbildung bewerten zu lassen.“

Die Aussichten, nach Neuseeland einzuwandern, um der Pandemie zu entkommen, sind derzeit nicht für Jedermann rosig. Doch einige Bewerber haben tatsächlich ganz gute Chancen. „Gemessen an der Tatsache, dass viele Verfahren derzeit nicht möglich sind und einzelne Schritte und Regularien zum jetzigen Zeitpunkt schwer planbar sind, habe ich verhältnismäßig viele Anfragen momentan. Das Interesse an Neuseeland ist ungebrochen!“

Einwanderung bei Wahlen außen vor

Investoren sind die Gewinner in der Krise

Stand, 02. Oktober 2020

Die Wahlen in Neuseeland stehen bevor und die großen Parteien halten sich bezüglich der künftigen Immigrationspolitik in ihren Wahlprogrammen bedeckt. „Das gab es die letzten Jahrzehnte noch nie, dass die Politik in Schockstarre verfällt und sich niemand traut, neue Absichten oder mögliche Änderungen bezüglich der Einwanderung nach Neuseeland offiziell in seinem Wahlprogramm bekanntzugeben“, erklärt der Immigrationsberater Peter Hahn mit Kopfschütteln. Dennoch geht die Bearbeitung von einigen Anträgen im überlasteten System weiter. Investoren gehen momentan als Gewinner der Situation hervor.

 

Wahlprogramm ohne Einwanderungspolitik

Neuseeland befindet sich derzeit in einer Rezession und steht im Gegensatz zum Nachbarland Australien wirtschaftlich schlechter da. Mitte Oktober finden die Parlamentswahlen statt und weder Labour noch die National Partei gehen das Risiko ein, sich pro oder kontra Einwanderung festzulegen. Ein Wahlprogramm ohne das sonst so bedeutende Thema Immigrationspolitik ist ungewöhnlich. „Das Risiko durch die eine oder andere Tendenz Wählerstimmen zu verlieren, ist den Parteien scheinbar zu groß“, kommentiert Peter Hahn die Situation. Nur die rechtsgerichtete Partei NZ First erwähnt, dass die Einwanderungsquote auf 15.000 pro Jahr reduziert werden solle. Die Grünen haben immerhin ein zweiseitiges Dokument zur künftigen Migrationsabsicht in ihrem Manifest. „Es ist verrückt und enttäuschend zugleich“, erklärt auch David Cooper, von Malcom Pacific Immigration in den neuseeländischen Medien. Neuseeländische Firmen müssen wissen, ob sie nun Zugriff auf ausländische Fachkräfte bekommen können, wenn die notwendige Expertise in Neuseeland fehlt. Momentan wird nur eine Grenzkontrolle betrieben, das ist keine Einwanderungspolitik!“

 

Backlog und die Corona-Pandemie

Hinzu kommt, dass der Berg von unbearbeiteten Anträgen immer größer wird. „Schon jetzt ist der sogenannte Backlog groß genug, um eine typische Einwanderungsquote für zwölf Monate zu füllen. In den letzten zwei Jahren konnte man sich aber selbst innerhalb der Koalitionsregierung nicht auf eine neue Jahresquote einigen. So kann nicht weiter verfahren werden“, gibt auch der langjährige deutsche Immigrationsberater Peter Hahn zu bedenken. Solange NZ First mit in der Regierung sitzt, wird es schwierig werden für jede Partei, auf Herausforderungen der Migrationspolitik zu reagieren. Wird ein Problem gelöst, kreiert sich ein neues und so passiert gar nichts mehr.“

Durch den Lockdown nach Covid19 kam die Bearbeitung aller Anträge aus dem Ausland für viele Monate komplett zum Erliegen. Auf der anderen Seite gewinnt Neuseeland durch sein gutes Management in der Pandemie-Situation an Popularität. „Man hat die Situation hier gut im Griff und das Leben hier fühlt sich wirklich normal an. Restaurants und Schulen sind offen, nur die Grenzen sind eben zu“, beschreibt Peter Hahn die momentane Lage. Im Vergleich zum Rest der Welt führt diese Normalität zu großem Interesse an Aotearoa als Auswanderungsort. Seit April sind deshalb bereits mehr als 40.000 Neuseeländer, sogenannte Expats, im Ausland lebende Kiwis, in ihre Heimat zurückgekehrt. „Für uns als Einwanderungsberater ist es momentan jedoch wahnsinnig schwierig, die Interessierten wirklich zu beraten. Was heute Gesetzesgrundlage ist, kann sich in wenigen Monaten bereits geändert haben. Welche Regelungen gelten dann in ein paar Monaten? Selbst wenn man ein temporäres Arbeitsvisum bekommt, hat man damit auch langfristig die Möglichkeit zu bleiben? Diese Ungewissheit schreckt manche, dringend benötigte Fachkräfte, ab. Die Einwanderungspolitik ist nahezu unvorhersehbar geworden, keiner weiß wirklich, was passieren wird. Nicht einmal die Insider in der Regierung oder bei Immigration New Zealand wissen, wie es weitergeht.“

 

Investoren sind die Gewinner

Grundsätzlich werden derzeit nur Visa bearbeitet, die von Antragstellern eingereicht werden, die sich bereits in Neuseeland befinden. „Hierbei gibt es jedoch zwei Ausnahmen – Partnerschafts Visa und Investoranträge. Monatelang passierte gar nichts, jetzt haben wir gleich drei ‚Invitations to Apply‘ erhalten. Man kann dann offiziell alle nötigen Unterlagen einreichen. Das ist ein deutliches Zeichen, dass man sich doch um die finanzkräftigen Antragsteller bemüht hier in Neuseeland.“ Aus seinen über 25 Jahren Arbeitserfahrung weiß Peter Hahn auch, dass gerade diese Antragsteller eine Auswanderung oft langfristig planen. „Das passt jetzt natürlich super in die momentane Lage, denn wenn der Antrag bearbeitet wird, hat man letztendlich mehrere Jahre Zeit, bis man dann wirklich umzieht. Da die Grenzen ja zu sind, wird es jetzt so gehandhabt, dass wir für unsere Investorkunden zwar Anträge genehmigt bekommen, das eigentliche Visum aber erst erteilt wird, wenn sich die Grenzen irgendwann einmal wieder öffnen.“ Dennoch bedeutet das für alle Interessierten, die mit Hilfe ihres Kapitals auswandern können: Momentan stehen die Chancen deutlich besser nach Neuseeland einwandern zu können als für viele andere.

Gibt es eine offizielle Überprüfung?

Immigration nach Neuseeland in 2020

Stand 4. Februar 2020
Die Ausbeutung von ausländischen Arbeitern, extreme Verzögerungen bei der Bearbeitung von Visa-Anträgen und dadurch entstehende Anhäufungen von unbearbeiteten Anträgen könnten in 2020 nicht ganz unbedeutend für die anstehenden Parlamentswahlen in Neuseeland sein. Die hiesige Wirtschaft leidet unter den erschwerten Bedingungen, kann dringend benötigte ausländische Fachkräfte oft nur schwer oder viel zu spät anstellen. Immer häufiger sehen sich potenzielle Immigranten nach Auswanderungsalternativen um. Aufgrund der allgemeinen Unzufriedenheit auf vielen Seiten, könnte es jetzt sogar zu einer offiziellen Überprüfung der Arbeit der neuseeländischen Immigrationsbehörde, zu einer sogenannten ‚review‘, kommen.

Bei Resident Visa hat die Labour Regierung bislang kaum Änderungen vorgenommen. Allerdings wurde die jährliche Gesamtquote leicht reduziert, so dass es durch die ohnehin strikten Einwanderungsbestimmungen und derzeit hohe Anforderungen im Punktesystem, für einige Bewerber immer schwieriger wird, nach Neuseeland einzuwandern. Die Immigrationszahlen sind deshalb seit 2018 deutlich zurückgegangen und auf einem Tiefpunkt angelangt. „Dennoch will die Regierung in 2020 weitere Reduzierungen vornehmen. Derzeit ist von einer Quote für Partnerschaftsvisa die Rede“, weiß der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington. „Das würde dann bedeuten, dass pro Jahr nur noch eine bestimmte Anzahl von Anträgen mittels dieser Kategorie einwandern könnte. Dies könnte dann für größeren Unmut sorgen, wenn Lebenspartner bei bereits gefüllter Quote dann erst einmal nicht mehr mit nach Neuseeland einwandern können!“

Viele Änderungen stehen in 2020 jedoch vor allem innerhalb der Work Visa Vergabe an. Statt sechs verschiedenen Kategorien, soll es dann nur noch ein temporäres Arbeitsvisum geben. Entgegen aller offiziellen Erwartungen ist nun die Flut der Anträge dennoch deutlich in die Höhe geschossen. „In meinen Augen ist das ganz klar ein Indiz dafür, dass hier in Neuseeland Leute gebraucht werden“, erklärt Peter Hahn. „Es gilt nach wie vor, hier den Bedarf an Fachpersonal auch mit Hilfe ausländischer Arbeitskräfte zu decken. Labour will die Zahlen jedoch deutlich zurückschrauben und möchte, dass erst einmal mehr Neuseeländer in diesen Bereichen ausgebildet werden. Man muss allerdings auch ganz klar feststellen, dass es einfach wie in allen westlichen Ländern Jobs gibt, die eben kein Neuseeländer mehr machen möchte – Farmarbeit, Obstplantagen-Jobs oder Altenpflege. Das ist in Deutschland ja in vielen Bereichen auch nicht anders.“

Bei Änderungen im Bereich Work Visa möchte die Labour Regierung nun nicht nur bestimmte regionale Veränderungen vornehmen, sondern eventuell auch ganze Sektoren als Sonderfälle behandeln. So könnten dann beispielsweise landwirtschaftliche Hilfskräfte oder Altenpfleger künftig leichter ein temporäres Arbeitsvisum bekommen. Diese einfachen Arbeiter hätten dann jedoch keine langfristige Perspektive, in Neuseeland bleiben zu können. „In meinen Augen passt das nicht so ganz mit dem Grundsatz zusammen, dass ja Auswanderer durch die neuen Richtlinien weniger ausgebeutet werden sollen“, kommentiert Peter Hahn diesen Ansatz stirnrunzelnd.

„Grundsätzlich kann man sagen, dass auch dieses Jahr wieder sowohl bei der Vergabe von Arbeitsvisa wie auch beim Antrag von Resident Visa hochwertige Auswanderer bevorzugt werden sollen.

Inzwischen spitzt sich das Chaos bei der Bearbeitung von Anträgen weiter zu. Alleine 37.000 Residence Verfahren warten derzeit auf Bearbeitung. Kritische Stimmen bemängeln, dass durch die Schließung von 13, der bestandenen 18 Büros von Immigration New Zealand, das Chaos immer größer wurde. „Die Massen-Schließung war Bestandteil der sogenannten ‚Vision 2015‘, zu dem vor allem das Digitalisierungsprogramm der Regierung zählte“, erklärt der Einwanderungsberater. „Für viele Antragsteller begann jedoch genau damit der Spießrutenlauf mit den Behörden und die großen Verzögerungen bei der Bearbeitung von Anträgen.“ Inkompetente Sachbearbeiter und häufiger Personalwechsel seien ein Problem. Auch die Arbeitgeber aus der neuseeländischen Wirtschaft klagen. Zum Beispiel in der Bau- und der IT-Branche können Arbeiten nicht mehr zeitgerecht ausgeführt werden. Es fehle schlichtweg an Personal. Die Vorwürfe nehmen zu, die Kritik an der Ineffektivität der Einwanderungsbehörde wird immer größer und damit auch der Wunsch, nach einer Überprüfung durch das ‚Auditor Office‘. Dies ist ein von der Exekutive unabhängiges Büro, welches dem Parlament Rechenschaft schuldig ist und die Effektivität und erzielten Ergebnisse der Arbeit einzelner Regierungsbereiche untersuchen kann.

Gründe gäbe es mittlerweile für so ein ‚Review‘ der Arbeit der neuseeländischen Einwanderungsbehörde wohl genügend. Offizielle Stimmen geben jedoch zu bedenken, ob der riesige Aufwand auch sinnvoll sei. „Letztendlich ist die Untersuchung von unter Umständen unfairen Behandlungen ausländischer Einwanderer nicht so wichtig wie andere Probleme, die direkt die Rechte von Neuseeländern betreffen.“, resümiert Peter Hahn die Debatte. Spätestens bei den nächsten Parlamentswahlen wird sich zeigen, welche Ausmaße das Thema Immigration in den Wahlprogrammen annimmt und wie die Bevölkerung sich letztendlich bei ihrer Stimmvergabe entscheidet.

Portfolio Einträge