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Grenzöffnung aber wann – und dann?

Neuseelands Zukunftspläne

In vielen Teilen der Welt entspannt sich die Corona-Lage durch die immer höher werdende Immunisierung zahlreicher Bürger. Einwanderungsinteressierte stellen sich deshalb oftmals die Frage, ob und wann Neuseeland seine Grenzen wieder öffnen wird. Und wie sieht nach der langen Durststrecke dann die angekündigte neue Einwanderungspolitik Aotearoas aus? Experten diskutieren, die Politik hüllt sich in Schweigen. Dennoch kann Peter Hahn durch die stetige Beobachtung der unterschiedlichsten Entwicklungen langsam Prognosen wagen.

Zumachen ist einfach – Aufmachen schwierig

Nach rund 500 Tagen Abgeschiedenheit von der Außenwelt werden nun immer mehr Fragen aufgeworfen, ob und wann Neuseeland seine Grenzen wieder öffnet. Der Wissenschaftler, ehemals politischer Berater, Sir Peter Gluckman erklärte kürzlich: „Zumachen ist einfach, Aufmachen ist schwierig!“ Es bedurfte für die Premierministerin Jacinda Ardern eine beherzte und klare Entscheidung, die Grenzen Neuseelands zu schließen. Doch noch viel schwieriger und wesentlich kritischer ist es nun, alles was man erreicht hat, also die Corona-Freiheit Neuseelands zu riskieren, und die Grenzen einfach wieder aufzumachen. Und wie schnell die heile Welt kippen kann, zeigte kürzlich ein kleiner Corona-Ausbruch in Wellington. „Wir haben ja mittlerweile ein Abkommen mit Australien, so dass Reisende aus dem Nachbarland hier ohne Quarantäne ins Land kommen können“, weiß der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn. „So kam auch ein bereits einfach geimpfter Australier aus Sydney nach Wellington, der später mit Covid19 diagnostiziert worden war. Wir hatten daraufhin einen Level 2 Lock down für einige Zeit. Dennoch zeigt das ganz deutlich, dass trotz invasiver und strenger Quarantäne durch jede Art von Lockerung das Risiko für die Bevölkerung hier steigt“, erklärt Peter Hahn. Der Vorfall ging noch einmal glimpflich aus, es gab keinen Community-Ausbruch, der Mann steckte am Ende nur seine eigene mitreisende Frau an.

Regierung folgt der Wissenschaft

Ganz entscheidend für die weiteren Pläne der Regierung sind, ähnlich wie auch in Deutschland, die Empfehlungen der Wissenschaftler. Der Status Quo zeigt, dass die Bevölkerung momentan noch nahezu gänzlich ungeschützt ist, denn die Impfungen laufen nur ganz langsam an. Rund 1,2 Millionen Kiwis sind bis dato immunisiert, mehr Pfizer-Impfstofflieferungen im Juli, August und September sollen helfen, einen Großteil der Bevölkerung zu schützen. „Das Problem ist eigentlich, dass durch stetige neue Erkenntnisse der Wissenschaftler sich deren Einstellungen ändern. Dazu kommen immer wieder neue Rätsel und ungeklärte Fragen, die zu einer großen Planlosigkeit zu führen scheinen. Von der Politik gibt es keine offiziellen Aussagen, wie es weitergehen kann“, bemängelt Peter Hahn und viele andere Betroffene aus Handel, Industrie und Wissenschaft. „Können auch Geimpfte das Virus weitergeben? Inwieweit hilft welche Impfdosis gegen welche Virus-Mutation? Trotz aller Ungereimtheiten bräuchten wir in Neuseeland langsam einmal eine Art Fahrplan, wie es unter welchen Umständen weitergehen könnte“, fordert nicht nur der Einwanderungsberater. Es gibt kaum eine Basis für Spekulationen oder Hochrechnungen.

Unterschiedliche Meinungen, unterschiedliche Strategien

Sollten die Grenzen Neuseelands wieder für den Tourismus öffnen, bevor ein Großteil der Bevölkerung immunisiert ist, würde das zu einem Leben unter alert level 2,5 führen, prognostiziert Dr. Ashley Bloomfield, General Director of Health. Doch die Industrie drängt, vor Covid spülte der Tourismussektor jährlich 40,9 Milliarden Dollar in die Kassen des Landes. Viele Überlegungen gehen nun in die Richtung, dass nur Geimpfte ins Land kommen dürften, ließ Premierministerin Jacinda Ardern kürzlich in Auckland verlauten. Für den Immunologen und Associate Professor James Ushher von der Otago University ist ganz klar: „Sobald wir die Grenzen öffnen, selbst wenn wir nur Geimpfte hereinlassen, bringen wir Corona ins Land, das ist ganz klar.“ Die Leitung des Immunisation Advisory Centres Dr. Nikki Turner meinte, es wird auch Übertragungen innerhalb von Geimpften, weshalb Neuseeland dann grundsätzlich wesentlich strengere öffentliche Gesundheitsmaßnahmen benötigen werde, wie beispielsweise eine konsequente Maskenpflicht. Die Todesrate in Neuseeland werde trotz aller getroffenen Maßnahmen ansteigen. Auf der anderen Seite erwartet Chris Roberts, Leiter der Tourismus Industrie Aotearoas eine risikobasierte Einstufung bei ersten Grenzöffnungsversuchen: „Es wird keinen magischen Moment geben, wann die Grenze für alle Länder wieder aufmacht. Vermutlich ist es wesentlich sinnvoller, Touristen aus einzelnen Ländern zu präferieren, in denen beispielsweise die Inzidenz niedrig ist.“

Mögliches Öffnungsszenario

„Ich bin mir sicher, dass sich dieses Jahr in punkto Grenzöffnung nichts mehr tun wird“, spekuliert der Neuseeland-Experte Peter Hahn. „Dr. Bloomfield prognostiziert derzeit etwas illusorisch, dass bis Ende Dezember 2021 rund 90 Prozent der Bevölkerung geimpft sein sollen. Und das will man sicherlich abwarten, als zu früh zu öffnen und dann mit den Folgen leben zu müssen.“

Auf der anderen Seite drängt die durchhängende Wirtschaft auf dringende Veränderung. Durch die im April initiierte sogenannte Trans-Tasman-Blase und die im Mai gestartete Cook-Islands-Blase entstand zumindest eine kleine Erleichterung für den Tourismus. Anstelle von nur knapp 12.000 Einreisenden im Januar kamen so knapp 100.000 Reisende im Mai aus den Nachbarländern per Flugzeug nach Neuseeland. Doch viele davon besuchten nur Freunde und Verwandte oder waren Business-Reisende. NZ Maori Tourismus-Sprecherin Kiri Atkinson-Crean erklärte, dass Maori-Tourismus-Betreibende besonders hart betroffen seien und für sie rund 85-95 Prozent Umsatz weggebrochen seien seit der Pandemie.

Zudem orientiert sich die neuseeländische Regierung am Vorgehen des Nachbarlandes Australien. Hier plant man momentan, die Grenzen Mitte 2022 wieder zu öffnen. Ob es in Neuseeland dann ab Januar erste Öffnungen geben wird oder auch erst Mitte des nächsten Jahres bleibt Spekulation. „Ich denke auch, es wird tatsächlich eine stufenweise oder angepasste Grenzöffnung geben, bei der die Einreisenden dann beispielsweise geimpft sein müssen oder je nach Inzidenz im Herkunftsland eingestuft werden. Dann wird es Fälle geben von Personen, die in jedem Fall in zweiwöchige Quarantäne müssen, bei anderen reicht vielleicht eine Selbstisolation. Da wird es die unterschiedlichsten vorgegebenen Szenarien geben, vermute ich.“

Die Zukunft der Migration

Viele sehen mit der Pandemie nun eine gute Möglichkeit, die Einwanderung nach Neuseeland neu zu überdenken und ebenso Gesellschaft und Wirtschaft künftig nachhaltiger zu gestalten. Die Menschen seien jetzt offener gegenüber Veränderungen. Ein Viertel der neuseeländischen Bevölkerung wurde im Ausland geboren, der Weltdurchschnitt liegt bei nur drei Prozent. Andere Stimmen behaupten man wolle mit dem geplanten Immigration-Reset, nur die Probleme bei der Wohnungsnot, mangelnden Infrastruktur und dem Arbeiter-Wohlergehen rechtfertigen. Fakt ist, die meisten Einwanderer kamen bislang als Arbeitskräfte über den Arbeitsmarkt ins Land und nicht über das Schulsystem, wie beispielsweise als Studenten. Dennoch weiß man statistisch sehr wenig darüber, was die Einwanderer tatsächlich für einen Effekt auf die neuseeländische Wirtschaft haben. „Hinzu kommt, wie und mit welchen Faktoren will man den Einfluss messen?“, gibt Peter Hahn zu bedenken. „Das ist eine komplexe Sache, da ist kein Schwarz-Weiß-Denken möglich. Die Aussagen, dass Lower Skilled Migrants den Neuseeländern die Jobs wegnehmen, ist einfach nur populistisch und extrem simplifiziert“, so der Einwanderungsberater.

Einwanderung 2022

In welchem Monat dann auch immer die Grenzen aufmachen, die Einwanderung nach Neuseeland wird aller Wahrscheinlichkeit nach bis dahin neu überdacht. „Ich gehe davon aus und alles, was so durchsickert aus diversen Kanälen, deutet auch darauf hin, dass der Trend eher zu Highly Skilled Migrants gehen wird. Da haben wir Glück, denn die meisten meiner Kunden fallen tatsächlich unter diese Kategorie. Auch Investoren werden weiterhin gern gesehen sein, da könnten sich nur kleine Details verändern, beispielsweise die Kanäle, in denen sie ihr Vermögen anlegen müssen. Das wäre sehr unschön und einschränkend aber ist momentan nur reine Spekulation“, resümiert Peter Hahn. „Ich denke, für Deutsche wird sich bei der Einwanderung nach Neuseeland gar nicht allzu viel ändern.“

Alles in allem werden sich einwanderungswillige Deutsche so keine allzu großen Sorgen machen müssen, dass die Türen für eine Immigration nach Neuseeland künftig generell zugehen. „Allerdings wird sich nach der Grenzöffnung 2022 einiges ändern und es ist mehr denn je sinnvoll dann für jeden eine eigene individuelle Strategie zu entwickeln!“

 

 

 

Neuausrichtung der Einwanderungsrichtlinien

Erste mögliche Lücken für Investoren

Die Ankündigung der Rede des neuseeländischen Ministers Stuart Nash klang vielversprechend und sollte bahnbrechende Neuigkeiten enthalten. In Vertretung des Immigrationsministers Chris Faafoi schien es, als würde die neuseeländische Einwanderungspolitik gerade neu geschrieben. Die Regierung spricht von einem ‚Reset‘ der Einwanderungsrichtlinien nach der Wiederöffnung der Grenzen. Alles solle anders werden, so die Tendenz. Keine ausländischen Arbeitskräfte mehr im Billiglohnsegment, weniger temporäre Visa. De facto gab es bislang kaum Neuigkeiten. Viele Medien und Wirtschaftsvertreter zogen enttäuscht und mit Unverständnis von dannen. Nur für Investoren wird es jetzt schon interessant. Auch die Möglichkeiten für die Beantragung von Work Visa könnten zukünftig einfacher werden, so der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington.

Die Zahlen ändern sich

Normalerweise reisen pro Jahr mehr als sieben Millionen Menschen nach Neuseeland. Touristen, temporäre Arbeitskräfte und Einwanderer träumen von einer Zeit in Aotearoa. Nach den Grenzschließungen im März 2020 ging die Zahl der Einreisenden drastisch zurück. Insgesamt nur 165.000 Menschen gelangten bis März 2021 nach Neuseeland. Die Effekte auf die Wirtschaft durch den fehlenden Tourismus, ausbleibende internationale Schüler und Studenten und besonders auf den Gastronomiebereich sind drastisch. Seit Juni 2020 gelangten nur rund 8.000 sogenannte Critical Worker ins Land, die für ein wenig wirtschaftliche Erholung in den Bereichen Ingenieurs- und Finanzwesen, Forschung, Entwicklung, Digitalisierung und IT, in der Filmindustrie und im Agrarbereich sorgen konnten.

So kamen beispielsweise 80 Prozent der Anträge, die in der Skilled Migrant Kategorie im vergangenen Jahr gestellt wurden von Bewerbern, die bereits in Neuseeland ansässig sind. „Ausländische Anträge werden derzeit in diesem Bereich auch gar nicht bearbeitet“, erklärt der Neuseelandexperte Peter Hahn. Er verfolgt die Entwicklungen derzeit für seine Kunden und deutsche Interessenten sehr genau.

Immigration Reset

Der Minister sprach in seiner Rede von einem ‚Immigration Reset‘ nach der Pandemie. Dabei ginge es nicht nur um bloße Reduzierung der Einwanderungszahlen, sondern auch um die richtigen Entscheidungen, die richtigen Menschen, die helfen könnten, zum Wirtschaftsaufschwung nach COVID19 beizutragen. Eine der Schlüsselkategorien hierfür sei eine neue Strategie, die hochdotierte, internationale Investoren anziehen soll. Die Regierung verspricht sich dadurch mehr Produktivität, Wissen, neue Ideen, Talent, Beziehungen und das Etablieren neuer Technologien. „Um diese Strategien zu unterstützen und in die Realität umzusetzen, wird eine neue Sondergenehmigung, eine Einreisemöglichkeit für Investoren trotz der Grenzschließung, ins Leben gerufen“, erklärt Peter Hahn. „Und das wird jetzt schon für potenzielle deutsche Investoren interessant.“

Innovative Partnership Programme

Zu den sogenannten ‚Border Exeptions‘, den Ausnahmeregelungen zur Einreise hat die Regierung nun das neue Innovative Partnership Programme hinzugefügt. New Zealand Trade and Enterprise hat dafür ein Investor Programm ausgearbeitet, welches es globalen Firmen und Investoren ermöglichen soll, trotz COVID19-Restriktionen nach Neuseeland einzureisen. Wer kann schon den geeigneten Geschäftspartner per Online-Meeting finden, ohne die Bedingungen und die Schlüsselfiguren vor Ort zu kennen? Mit Hilfe dieser neuen offiziellen Regelung sei es dann den globalen Investoren möglich, trotz der Grenzschließung nach Neuseeland einzureisen. „Über 200 solcher Plätze wurden nun geschaffen und sollen über die nächsten 12 Monate gefüllt werden“, berichtet der Einwanderungsberater Peter Hahn begeistert. „Das wird jetzt für viele interessierte deutsche Investoren eine riesige Chance“, erklärt er. Schon zwei seiner derzeitigen Kunden möchte er mit dieser Strategie schneller zur Einwanderung verhelfen. „Es geht darum, die entsprechenden Investitionsgelder mitzubringen, das ist klar. Aber natürlich sucht man in Neuseeland die Bewerber auch nach Kriterien aus wie Berufserfahrung, Expertise und Beziehungen, welche mitgebracht werden können.“

Normalerweise werden derzeit Anträge aus dem Ausland bei Immigration New Zealand nicht bearbeitet. Selbst wenn ein Jobangebot aus Neuseeland vorliegt, der Antragsteller jedoch sein Formular aus dem Ausland einreicht, sich noch in Deutschland befindet, wird der Antrag nicht bearbeitet. „Die einzige Ausnahme momentan sind tatsächlich Investor Anträge, die ich auch stellen kann, wenn sich die Kunden noch in Deutschland befinden. Allerdings werden die Anträge zum einen nur sehr schleppend bearbeitet und zum anderen, dürfen die Kunden grundsätzlich momentan nicht einreisen. Das bedeutet, dass auch keine Resident Visa ausgestellt werden. Wenn ich jetzt aber meine Investor-Kunden über das neue Innovative Partnership Programme erst einmal hier ins Land bekomme, ist ihnen die Bearbeitung ihres Antrags sicher“, gibt Peter Hahn zu bedenken. „Selbst wenn eine Investition oder eine Partnerschaft mit einem neuseeländischen Unternehmen am Ende scheitern, befinden sich die Antragsteller ja dann schon im Land. Und sobald sie hier ‚on shore‘ sind, kriegen wir die Anträge schneller zur Bearbeitung und die Resident Visa werden auch ausgestellt!“ Eine Infobroschüre für Investoren auf Englisch gibt es HIER.

Vorteile auch für Work Visa-Antragsteller in Aussicht

„Auch die Work Visa Policy könnte sich künftig für Antragsteller vorteilhaft entwickeln“, überlegt der Einwanderungsberater laut. Normalerweise bekommt man ohne Work Visa nur schwer einen Job und den Job jedoch nur mit Work Visa. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.“ Ab November müssen sich neuseeländische Arbeitgeber nun aber über ein spezielles Verfahren registrieren, um überhaupt Ausländer anstellen zu dürfen. „Wer folglich durch diesen nicht ganz unaufwendigen Prozess der Akkreditierung geht, ist sich schon darüber im Klaren, dass er ausländische Fachkräfte anstellen möchte, sonst hätte das gesamte Prozedere keinen Sinn gemacht. Für die Arbeitssuchenden im Ausland ist somit diese Hürde bereits genommen und es könnte tatsächlich einfacher werden, einen Arbeitgeber zu finden, der auch bereit ist, Bewerber aus dem Ausland anzustellen.“ Mit einem festen Jobangebot kann dann wiederum ein bis zu dreijähriges Work Visa beantragt werden. „Wie schon erwähnt, der Akkreditierungsprozess für die Arbeitgeber wird jedoch erst im November losgehen.“

Wie es für Arbeitssuchende nach dem temporären Arbeitsvisum auch möglich sein wird, die Residency zu bekommen und ob dann die Skilled Migrant Kategorie künftig noch existieren wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht abzusehen.

Die Regierung arbeitet derzeit weitere Details der neuen Einwanderungsrichtlinien aus – für Interessierte bleibt es spannend. Peter Hahn behält die Lage für seine Kunden deshalb genau im Auge.

 

 

 

Einwanderungs-Interessierte können langsam aufatmen

Arbeitslosenzahlen sinken, Impfbeginn geplant

Monatelange Hiobsbotschaften und das Warten auf das Öffnen der Grenzen in Neuseeland – Jetzt gibt es gleich zwei positive Nachrichten, die zu einer positiven Entwicklung beitragen könnten. Völlig unerwartet und anders als prognostiziert sanken die Arbeitslosenzahlen um 0,4 Prozent. Zudem rechnet die Regierung mit einem frühzeitigen Impfstart gegen das Corona-Virus Ende März 2021. Einwanderungsinteressierte können so langsam wieder aufatmen.„Beide Faktoren dürften die Öffnung der Grenzen und so die Einwanderungschancen für Deutschsprachige wieder erhöhen“, erklärt der langjährige Immigrationsberater Peter Hahn.

Neuseeland regeneriert sich selbst – so könnte man die neuste Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in Land der langen weißen Wolke deuten. Wo Wirtschaftswissenschaftler der Reserve Bank während des Lock Downs aufgrund der Corona Pandemie im März 2020 noch Arbeitslosenquoten von bis zu elf Prozent prognostiziert hatten, sank jetzt überraschenderweise die Zahl der Unbeschäftigten im Dezember-Quartal von 5,3 auf 4,9 Prozent. Prognostiziert war hingegen ein Anstieg auf 5,6 Prozent. „Wie sind völlig überrascht, wie stark sich der Arbeitsmarkt Ende 2020 nun tatsächlich zeigt“, erklärt ASB Senior Economist Mike Jones. Im Vergleich dazu hatte Deutschland im Dezember 2020 eine Arbeitslosenquote von 5,9 Prozent mit steigender Tendenz, denn im Januar ging die Zahl sogar auf 6,3 Prozent hoch.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Neuseeländer, ihr Zusammenhalt und ihre Tatkraft zeigt sich derzeit einmal mehr. Scheinbar hilft sich die Bevölkerung momentan selbst mit einer starken Kaufkraft und Unternehmungslust. 10.000 Menschen weniger sind derzeit arbeitslos und in der Wirtschaft konnten 17.000 neue Jobs besetzt werden. „Nicht alle Industriezweige haben hier gleich gut aufgeholt. Das Baugewerbe konnte mit 13.200 neuen Jobs deutlich zulegen, während viele Arbeitsplätze im Tourismusbereich weiter abnahmen“, erklärt Becky Collett, Statistic New Zealand Senior Manager.

Der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn erklärt die Situation aus seinen Beobachtungen folgendermaßen: „Einige Jobs, die beispielsweise häufig von Pacific Islandern gefüllt werden, übernehmen nun Neuseeländer selbst. Viele Schüler jobben so zum Beispiel nach dem Schulabschluss auf den Obstplantagen und helfen bei der Ernte aus. Zudem können Kiwis derzeit ja nur schwer das Land verlassen, reisen jedoch gerne. Sie geben das Geld folglich für Trips im eigenen Land aus. Die Menschen gehen mehr essen, reisen durch Neuseeland, so dass die Gastronomie und die inländische Reise-Branche gut zu tun haben. Nachdem Inlandsreisen oft deutlich günstiger sind als Fernreisen, bleibt vielen Neuseeländern Geld übrig, welches Sie dann für andere Waren wie Autos oder Sportequipment ausgeben. Die Kaufkraft steigt, das kurbelt Wirtschaft und Industrie an.“ Zudem kommen viele Neuseeländer, die im Ausland gelebt haben, aufgrund der Auswirkungen und Einschränkungen durch die Corona-Pandemie jetzt zurück in ihre ursprüngliche Heimat. Mehr Menschen bedeuten auch mehr Umsatz.

Langfristige positive Auswirkungen

„Die sinkende Arbeitslosenquote zeigt, dass der Arbeitsmarkt sich gut erholt und laufend neue Arbeitskräfte gebraucht werden. Mittel- bis langfristig wird das auch den Einwanderern zugutekommen, denn gerade Fachpersonal in vielen Bereichen ist rar“, weiß Peter Hahn.

Ein weiterer positiver Faktor, der die Einwanderung nach Neuseeland künftig wieder in absehbare Nähe rücken kann, ist die anstehende Impfstofflieferung von Pfizer-BioNTech nach Neuseeland. „Mit entsprechender Covid19-Immunität der Bevölkerung hier wird es natürlich wahrscheinlicher, dass auch die Grenzen wieder geöffnet werden können“, erklärt Peter Hahn die Lage. „Derzeit baut Neuseeland auf Eliminierung. Die Pandemie lässt sich durch Grenzschließung, beschränkte überwachte Quarantäneplätze und Auckland als einzigen Einreisestandort noch gut unter Kontrolle halten. Einem Covid19-Ausbruch im Land kann man so entgegenwirken und das Risiko minimieren. Mit einer Immunität im Land könnte man dann auch die Strategie wechseln.“

Geplant sind zunächst 1,5 Millionen Dosen, die ab März nach und nach ins Land geliefert werden sollen. Dr. Ashley Bloomfield, Gesundheitsbeauftragter im Parlament rechnet mit einer pünktlichen, wenn nicht sogar frühzeitigen Lieferung nach Neuseeland und trifft jetzt schon vorbereitende Maßnahmen. Vorrangig immunisiert werden soll das Flughafen-, Airline- und Quarantäne-Personal.

„Sowohl die gesunkene Arbeitslosenquote wie auch die baldige Immunisierung der neuseeländischen Bevölkerung sind durchaus als positive Schritte zu sehen, dass die Chance auf absehbare Einwanderung nach Neuseeland wieder größer wird“, fasst der Einwanderungsberater die positiven News noch einmal zusammen.

Der Bedarf an spezifischen qualifizierten Arbeitskräften zeigt sich bereits jetzt und er wird auch künftig gefüllt werden müssen. „Deutsche Einwanderer als Zielgruppe sind erwünscht, auch wenn sie vermutlich dann nur in Etappen hereingelassen werden“, mutmaßt Peter Hahn. Wann Immigration grundsätzlich wieder möglich sein wird, und wie genau die Labour Regierung die neuen Regeln am Ende formuliert, ist allerdings noch nicht geklärt. „Ich rechne mit einer tatsächlichen Grenzöffnung nicht vor Ende 2021 oder Anfang 2022“, resümiert der Neuseeland-Experte. „Reelle Chancen für Einwanderer auch wieder nach Neuseeland einreisen zu können, sehe ich etwa im März 2022. Das ist jedoch nur meine persönliche Einschätzung nach momentanem Stand.“

Dennoch können Auswanderungspläne bereits jetzt eingeleitet werden. Ob generelle Informationssuche, Anerkennung von Ausbildungen, die Entwicklung der individuellen Einwanderungsstrategie oder die eigene Berufszulassung in Neuseeland organisieren, vorbereitende Maßnahmen könnte man bei ernsthaftem Interesse jetzt schon angehen.

Einwander-Versuch in Corona-Zeiten

Möglich oder sinnlos?

 Mit geschlossenen Grenzen, nur wenigen internationalen Flügen und limitierten Plätzen in dezidierten Quarantäneeinrichtungen scheint es zunächst schier unmöglich, nach Neuseeland einzureisen. Dennoch bearbeitet Peter Hahn derzeit Visa- und Resident-Anträge von Deutschen, die gerne nach Neuseeland einwandern möchten. Die Lage scheint also nicht gänzlich aussichtslos, denn wie immer gibt es Ausnahmen.

Drei Unbekannte für Einwanderungsinteressierte

Derzeit gibt es drei Unbekannte, welche die Einschätzung der Einwanderungschancen für Interessierte schwierig gestalten.

Zunächst hat das Immigrationssystem mit vielen Altlasten der vorangegangenen Legislaturperiode zu kämpfen. „Durch die Koalition von Labour mit der NZ First Partei ist in den vergangenen zwei Jahren in Sachen Einwanderung nahezu nichts passiert“, erklärt Peter Hahn die momentane Situation. „Normalerweise wird alle zwei Jahre von der Regierung eine Einwanderungsquote festgelegt. Doch die Parteien konnten sich auf nichts einigen, unter anderem deshalb blieben viele Anträge einfach liegen. Momentan dauert die Bearbeitung eines Residence Antrags an die zwei Jahre!“ Der sogenannte Backlog, führt zu erheblichen Wartezeiten und seit der Wahl ist noch keine neue Einwanderungsquote festgelegt worden.

Eine weitere Unbekannte für Einwanderungsinteressierte ist der Stand der Immigrationsregularien, welche die Labour-Regierung nach und nach neu erarbeiten möchte. So sollen 2021 die Work Visa Policy, die Investor Category und auch das Punktesystem überarbeitet werden. „Wir können zum jetzigen Zeitpunkt nur in die Wahlprogramme der Labour Partei blicken, um zu erahnen, in welche Richtung die neue Regierung entscheiden wird“, erklärt der Einwanderungsberater mit seinen über 25 Jahren Berufserfahrung. „Die angestrebten Regelungen haben jedoch keinen großen Einfluss auf die meisten meiner Kunden“, kann er beruhigen. „Viele Maßnahmen zielen auf weniger qualifizierte Antragsteller ab, für welche es dann schwieriger werden wird, nach Neuseeland einzuwandern. Die meisten Deutschen haben gute Qualifikationen, eine solide Ausbildung und bringen entsprechende Berufserfahrung mit, so dass sie von geplanten Änderungen im Wesentlichen unberührt sein sollten.“

Das dritte große Fragezeichen derzeit ist die Covid-19-Pandemie. Wie lange werden die Grenzschließungen noch andauern und wann wird es für Ausländer wieder möglich sein, ohne Sonderregelungen nach Neuseeland einzureisen? „Dies sind Faktoren, die von niemandem beeinflussbar sind und somit zu mehr Unplanbarkeit in den einzelnen Einwanderungsverfahren führen können“, so Peter Hahn stirnrunzelnd.

Ausnahmen bestätigen die Regel

„Ich habe einige wenige Kunden, für die es trotz Grenzschließung möglich ist, von Deutschland nach Neuseeland einzureisen und dann sogar entsprechende Visa-Anträge zu stellen.“ Experten, deren Arbeitskraft dringend im Gesundheitswesen gebraucht wird, haben derzeit in Ausnahmefällen die Möglichkeit, per Sonderreisegenehmigung nach Neuseeland einzureisen. „Zunächst benötigen die Antragsteller eine neuseeländische Berufszulassung, die dann mit recht großem Aufwand von Deutschland aus organisiert werden muss. Dann können sich die Gesundheitsexperten, wie in einigen Fällen beispielsweise Ergotherapeuten oder Nuklearmediziner, einen Job in Neuseeland organisieren. Das ist das geringste Problem“, erklärt der Einwanderungsberater. Auch qualifizierte Veterinäre werden dringend gesucht. „Mit diesen Papieren in der Tasche reiche ich zunächst ein sogenanntes Request for travel to New Zealand ein, woraufhin wir dann eine Invitation to Apply für ein sogenanntes Critical Purpose Visitor Visa erhalten, mit welchem die Personen dann einreisen können. Erst wenn sie hier vor Ort sind, kann ich dann ein Work Visa für sie beantragen.

Quarantäne-Debakel

Eine Hürde bei den Reisevorbereitungen ist jedoch das Management eines Fluges in Kombination mit einer Sonderreisegenehmigung und im gleichen Zeitraum die Organisation eines Platzes in einer der gemanagten Quarantäne-Einrichtungen. Denn jede Person, die einreist, muss in Neuseeland zunächst zwei Wochen in Quarantäne. In den Medien wird immer wieder berichtet, dass Fachpersonal nicht einreisen kann, weil über Monate keine freien Quarantäne-Zimmer mehr buchbar seien. Reisende scheinen aus Panik gleich mehrere Plätze zu buchen, andere Einreisende treten den geplanten Flug erst gar nicht an. So blieben täglich zwischen acht und sechzehn der wenigen heiß umkämpften Zimmer leer. „Diese Meldungen wiederholen sich hier in den Medien ständig. Allerdings hatte ich auch schon einige Kunden, wie beispielsweise Installateure einer österreichischen Fabrikbaufirma, die mit Sondergenehmigung temporär einreisen und hier arbeiten durften. Keiner von ihnen hatte Probleme bei der Organisation der Quarantäneplätze“, berichtet Peter Hahn aus seiner Erfahrung. „Vielleicht gibt es Probleme, wenn man an bestimmten Tagen einen Platz braucht und daher unflexibler suchen muss.“

Zudem kommen etwa 3.600 NZD an Kosten für den vierzehntägigen Aufenthalt in den überwachten Einrichtungen auf die ausländischen Passagiere zu.

Partnership Visa für Multikulti-Paare

Auch für Deutsche, die seit längerem eine feste Beziehung mit einem neuseeländischen Partner haben, gibt es gute Chancen, trotz Grenzschließung nach Neuseeland zu gelangen. „Ganz wichtig ist, dass die Beziehung nicht ‚frisch‘ sein sollte. Also wenn beispielsweise ein Neuseeländer mit seiner deutschen Freundin schon lange Zeit zusammenlebt und gerade in Deutschland ist, kann das Paar auch mit ihren Kindern, nach Neuseeland umziehen“, weiß der Einwanderungsberater. „Zunächst gilt es, das Request for travel to New Zealand zu beantragen. Das ist kein Visum! Danach erhält man eine sogenannte Invitation to apply für ein Critical Purpose Visitor Visa. Das eigentliche Partnerschafts-, Work- oder Resident Visa können wir dann erst beantragen, wenn die Kunden hier in Neuseeland sind!“

Ein Plus für interessierte Investoren

Die Unterlagen von Investoren sind derzeit die einzigen Visa-Anträge von Personen, die sich außerhalb Neuseelands befinden, die überhaupt bei der Immigrationsbehörde bearbeitet werden. „Wer also noch in Deutschland lebt und über entsprechende finanzielle Mittel verfügt, der kann sein Einwanderungsverfahren jederzeit starten oder vorantreiben. Denn bis zur Erteilung der Visa kann es einige Zeit dauern. Selbst wenn das Verfahren genehmigt wird, werden die eigentlichen Visa ausgesetzt und erst dann erteilt, wenn die Grenzen Neuseelands wieder aufmachen und eine Einreise möglich wird“, erklärt Peter Hahn. „Insofern machen hier vorbereitende Maßnahmen absolut Sinn momentan.“

Studenten, Hängengebliebene und langfristige Einwanderer

Wer plant, nach Neuseeland zurück zu gehen, um ein Studium fortzusetzen, kann ebenfalls schon entsprechende Vorbereitungen treffen. „Momentan liegt der Fokus ausschließlich auf Studenten, die schon oder noch ein gültiges Student Visa haben und hier schon angefangen hatten, zu studieren. Viele sind aus den unterschiedlichsten Gründen vor dem Lockdown im Ausland hängen geblieben. Diese sollen nach und nach wieder reingelassen werden. Ob und wann neue Studenten wieder einreisen dürfen, ist momentan noch reine Spekulation. Es spricht dafür, dass Studenten bessere Chancen auf eine frühere Einreise als Touristen haben, denn die Unis und Polytechnics und zum Teil auch Secondary Schools hatten sich sehr an die hohen Studiengebühren der Ausländer gewöhnt, die nun fehlen. Zudem sind die Zahlen der Studenten überschaubarer als die etwaiger Touristen aus aller Welt“, so der Einwanderungsberater.

Peter Hahn kümmert sich derzeit auch um einige Antragsteller, die durch den strengen Lock down in Neuseeland hängengeblieben sind. „Wer hier in Neuseeland hängengeblieben ist, weil die Grenzen geschlossen wurden, bekam sein Besuchervisum immer wieder verlängert. Ich habe mehrere Kunden mittlerweile, die beispielsweise auf Weltreise waren und so nun schon seit über einem Jahr in Neuseeland sind. Einige davon haben sich entschlossen, aufgrund der drastischen Corona-Situation in Deutschland und der entsprechenden Ansteckungsgefahr, hierzubleiben.“ Da die Kunden bereits vor Ort sind, werden ihre Visa-Anträge von Immigration New Zealand bearbeitet.

Für alle andere Interessierten heißt es, erst einmal mit Geduld abzuwarten. „Für mache Bewerber kann es sich lohnen, zumindest vorbereitende Maßnahmen für die Einwanderung zu treffen“, erklärt der Neuseeland-Experte. „Dazu kann beispielsweise gehören, jetzt schon einmal seine Ausbildung bewerten zu lassen.“

Die Aussichten, nach Neuseeland einzuwandern, um der Pandemie zu entkommen, sind derzeit nicht für Jedermann rosig. Doch einige Bewerber haben tatsächlich ganz gute Chancen. „Gemessen an der Tatsache, dass viele Verfahren derzeit nicht möglich sind und einzelne Schritte und Regularien zum jetzigen Zeitpunkt schwer planbar sind, habe ich verhältnismäßig viele Anfragen momentan. Das Interesse an Neuseeland ist ungebrochen!“

Neuseeland nach der Wahl

Historischer Sieg für Labour

Neuseeland hat gewählt und das Ergebnis war wirklich eindeutig. Die Kiwis haben ihrer Premierministerin Jacina Ardern und der Labour Partei mit 50 Prozent der Stimmen einen historischen Wahlsieg beschert.

Absolute Mehrheit bei Parlamentswahl

Seit 1996 gab es keine absolute Mehrheit für eine Partei in Neuseeland. Die junge, sympathische Premierministerin Jacinda Ardern, die nicht nur wegen ihrer erfolgreichen Corona-Politik weltweit Anerkennung findet, errang im Oktober bei den Parlamentswahlen den eindeutigen Wahlsieg. Mit 65 von 120 Sitzen im Parlament wird die 40jährige künftig Neuseeland mit ihrer sozialdemokratischen Labour Partei alleine regieren. „Ich möchte eine Premierministerin für alle Neuseeländer sein. In einer Welt, die sich polarisiert und nur noch wenige Menschen fähig sind, die Position des anderen zu sehen, ist es wichtig, zusammen zu halten!“ Mit diesen Worten trat die empathische Frau ans Mikrofon. „Wir hier in Neuseeland sind nicht so. Wir sind klein, wir können zuhören und als eine Nation diskutieren und werden deshalb die Perspektive unserer Mitbürger nicht aus dem Auge verlieren!“ Obwohl Labour alleine regieren kann, vergab Jacinda Ardern zwei Ministerposten an die Grünen. Sie setzte als Außenministerin erstmalig eine Frau mit traditionellem Moko, dem Gesichtstattoo der Ureinwohner, ein.

Dabei war Arderns Wahlsieg alles andere als gesichert. Sie stand vor allem wegen gebrochener Wahlversprechen in der Kritik, da sie 100.000 Häuser für sozial Schwache angekündigt aber nicht realisiert hatte. Als die Corona-Pandemie begann, machte sie jedoch als gekonnte Krisenmanagerin weltweit auf sich aufmerksam und setzte den strengsten Lockdown der Welt durch. Ihre Popularität stieg, denn mit nur 25 Todesopfern und nur einer ersten Welle manövrierte sie ihr Land glimpflich durch die Covid-19-Krise. Nahezu Corona-frei steckt das Land nun jedoch wie viele Länder in einer Wirtschaftskrise. Die internationale Tourismusbranche brach aufgrund der absoluten Abschottung zusammen, einen Teil der Umsätze werden jetzt jedoch durch die im Land reisenden Kiwis zurückgewonnen. Die Menschen in Neuseeland leben heute ohne Masken, ohne Schulschließungen, besuchen Sportveranstaltungen und Restaurants, während der Rest der Welt mit der zweiten Infektionswelle kämpft. Bis heute sind Neuseelands Grenzen jedoch geschlossen, um einen erneuten Ausbruch der Pandemie im Inselstaat zu verhindern.

Doch wie geht es nun in punkto Grenzschließungen und Einwanderungspolitik in Zeiten der Pandemie weiter? Kann man überhaupt nach Neuseeland einwandern momentan? Und wer wird künftig Chancen haben, seinen Traum vom Leben in Aotearoa zu verwirklichen? Lesen Sie im nächsten Artikel, wie Ihr Einwanderungsberater und sein Team live aus Wellington berichten, was die Regierung derzeit plant.

Einwanderung bei Wahlen außen vor

Investoren sind die Gewinner in der Krise

Stand, 02. Oktober 2020

Die Wahlen in Neuseeland stehen bevor und die großen Parteien halten sich bezüglich der künftigen Immigrationspolitik in ihren Wahlprogrammen bedeckt. „Das gab es die letzten Jahrzehnte noch nie, dass die Politik in Schockstarre verfällt und sich niemand traut, neue Absichten oder mögliche Änderungen bezüglich der Einwanderung nach Neuseeland offiziell in seinem Wahlprogramm bekanntzugeben“, erklärt der Immigrationsberater Peter Hahn mit Kopfschütteln. Dennoch geht die Bearbeitung von einigen Anträgen im überlasteten System weiter. Investoren gehen momentan als Gewinner der Situation hervor.

 

Wahlprogramm ohne Einwanderungspolitik

Neuseeland befindet sich derzeit in einer Rezession und steht im Gegensatz zum Nachbarland Australien wirtschaftlich schlechter da. Mitte Oktober finden die Parlamentswahlen statt und weder Labour noch die National Partei gehen das Risiko ein, sich pro oder kontra Einwanderung festzulegen. Ein Wahlprogramm ohne das sonst so bedeutende Thema Immigrationspolitik ist ungewöhnlich. „Das Risiko durch die eine oder andere Tendenz Wählerstimmen zu verlieren, ist den Parteien scheinbar zu groß“, kommentiert Peter Hahn die Situation. Nur die rechtsgerichtete Partei NZ First erwähnt, dass die Einwanderungsquote auf 15.000 pro Jahr reduziert werden solle. Die Grünen haben immerhin ein zweiseitiges Dokument zur künftigen Migrationsabsicht in ihrem Manifest. „Es ist verrückt und enttäuschend zugleich“, erklärt auch David Cooper, von Malcom Pacific Immigration in den neuseeländischen Medien. Neuseeländische Firmen müssen wissen, ob sie nun Zugriff auf ausländische Fachkräfte bekommen können, wenn die notwendige Expertise in Neuseeland fehlt. Momentan wird nur eine Grenzkontrolle betrieben, das ist keine Einwanderungspolitik!“

 

Backlog und die Corona-Pandemie

Hinzu kommt, dass der Berg von unbearbeiteten Anträgen immer größer wird. „Schon jetzt ist der sogenannte Backlog groß genug, um eine typische Einwanderungsquote für zwölf Monate zu füllen. In den letzten zwei Jahren konnte man sich aber selbst innerhalb der Koalitionsregierung nicht auf eine neue Jahresquote einigen. So kann nicht weiter verfahren werden“, gibt auch der langjährige deutsche Immigrationsberater Peter Hahn zu bedenken. Solange NZ First mit in der Regierung sitzt, wird es schwierig werden für jede Partei, auf Herausforderungen der Migrationspolitik zu reagieren. Wird ein Problem gelöst, kreiert sich ein neues und so passiert gar nichts mehr.“

Durch den Lockdown nach Covid19 kam die Bearbeitung aller Anträge aus dem Ausland für viele Monate komplett zum Erliegen. Auf der anderen Seite gewinnt Neuseeland durch sein gutes Management in der Pandemie-Situation an Popularität. „Man hat die Situation hier gut im Griff und das Leben hier fühlt sich wirklich normal an. Restaurants und Schulen sind offen, nur die Grenzen sind eben zu“, beschreibt Peter Hahn die momentane Lage. Im Vergleich zum Rest der Welt führt diese Normalität zu großem Interesse an Aotearoa als Auswanderungsort. Seit April sind deshalb bereits mehr als 40.000 Neuseeländer, sogenannte Expats, im Ausland lebende Kiwis, in ihre Heimat zurückgekehrt. „Für uns als Einwanderungsberater ist es momentan jedoch wahnsinnig schwierig, die Interessierten wirklich zu beraten. Was heute Gesetzesgrundlage ist, kann sich in wenigen Monaten bereits geändert haben. Welche Regelungen gelten dann in ein paar Monaten? Selbst wenn man ein temporäres Arbeitsvisum bekommt, hat man damit auch langfristig die Möglichkeit zu bleiben? Diese Ungewissheit schreckt manche, dringend benötigte Fachkräfte, ab. Die Einwanderungspolitik ist nahezu unvorhersehbar geworden, keiner weiß wirklich, was passieren wird. Nicht einmal die Insider in der Regierung oder bei Immigration New Zealand wissen, wie es weitergeht.“

 

Investoren sind die Gewinner

Grundsätzlich werden derzeit nur Visa bearbeitet, die von Antragstellern eingereicht werden, die sich bereits in Neuseeland befinden. „Hierbei gibt es jedoch zwei Ausnahmen – Partnerschafts Visa und Investoranträge. Monatelang passierte gar nichts, jetzt haben wir gleich drei ‚Invitations to Apply‘ erhalten. Man kann dann offiziell alle nötigen Unterlagen einreichen. Das ist ein deutliches Zeichen, dass man sich doch um die finanzkräftigen Antragsteller bemüht hier in Neuseeland.“ Aus seinen über 25 Jahren Arbeitserfahrung weiß Peter Hahn auch, dass gerade diese Antragsteller eine Auswanderung oft langfristig planen. „Das passt jetzt natürlich super in die momentane Lage, denn wenn der Antrag bearbeitet wird, hat man letztendlich mehrere Jahre Zeit, bis man dann wirklich umzieht. Da die Grenzen ja zu sind, wird es jetzt so gehandhabt, dass wir für unsere Investorkunden zwar Anträge genehmigt bekommen, das eigentliche Visum aber erst erteilt wird, wenn sich die Grenzen irgendwann einmal wieder öffnen.“ Dennoch bedeutet das für alle Interessierten, die mit Hilfe ihres Kapitals auswandern können: Momentan stehen die Chancen deutlich besser nach Neuseeland einwandern zu können als für viele andere.

Eltern nach Neuseeland holen

Die Parent Category wird wieder geöffnet

 

Diese Neuigkeit der neuseeländischen Einwanderungsbehörde dürfte viele Deutsche, die bereits in Neuseeland leben, freuen. Die Parent Resident Visa Kategorie wird im Februar 2020 wieder geöffnet. Die Einwanderungskategorie für Angehörige von bereits immigrierten Zuwanderern war seit Jahren temporär eingestellt worden. Ab Februar 2020 könnte es schließlich wieder möglich werden, seine Eltern dauerhaft nach Neuseeland zu holen. Allerdings wird es dann noch strengere Anforderungen geben, die sowohl Eltern als auch deren in Neuseeland lebende Kinder betreffen.

„Wir haben immer wieder Kunden, die schon seit einigen Jahren hier im Land leben, doch zu ihrem gänzlichen Glück, fehlt dann doch die Familie, insbesondere die eigenen Eltern, die ja immer älter werden und dann so weit weg sind“, weiß der Immigrationsberater Peter Hahn nur zu gut aus seinen 25 Jahren Berufserfahrung. 2016 wurde die dauerhafte Einwanderungsmöglichkeit für Eltern von New Zealand Residents, Bewohnern mit einer uneingeschränkten Aufenthaltserlaubnis oder neuseeländischer Staatsbürgerschaft, auf unbestimmte Zeit eingestellt. Diese kurzfristige Verkündung stieß bei vielen Betroffenen auf Missmut und wurde seither immer wieder in Form von rührenden Familiendramen in den Medien kommuniziert. „Wenn die Parent Resident Visa Kategorie im Februar wieder geöffnet wird, gibt es allerdings viele neue Bestimmungen und Anforderungen, so dass man nicht grundsätzlich sagen kann, die Tür geht dann für betroffene Familien wieder auf!“, warnt Peter Hahn vor verfrühter Euphorie.

Bisheriges Verfahren

Bevor die Kategorie vor Jahren vorübergehend eingestellt worden war, gab es für Eltern von Kindern, die in Neuseeland leben, unterschiedliche Wege innerhalb der Parent Visa Category, selbst eine uneingeschränkte Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen und nach Neuseeland einzuwandern. Es wurde, neben anderen Bedingungen, unter anderem das Kapitalvermögen der Eltern bewertet. Bislang wichtige, sogenannte Settlement Funds, um das Leben in Neuseeland bestreiten zu können, wird es dann nicht mehr geben. Die alten Anforderungen werden jetzt durch nur einen neuen Weg ersetzt. „Die Labour-Regierung hatte sich ja schon im Wahlkampf auf die Fahne geschrieben, die Einwanderungszahlen zu reduzieren und den Fokus auf hochwertige („highly skilled“) Einwanderer zu verlagern.

Dementsprechend kommen jetzt eben nur die gut Verdienenden in den Genuss, ihre Eltern nach Neuseeland holen zu dürfen“, erklärt der Immigrationsberater. „Es gingen ja auch immer wieder Geschichten durch die Presse, dass asiatische Migranten ihre Eltern ins Land holten, dann selbst aber ihren Wohn- und Arbeitsplatz wieder nach Asien verlegten. Die Rentner sollen dann den Berichten zufolge, dem neuseeländischen Staat ‚auf der Tasche gelegen haben‘, während die qualifizierten Arbeitskräfte das Land wieder verlassen hatten. Es stellte sich jedoch heraus, dass es sich hierbei um Einzelfälle gehandelt hatte.“

Durch den stetigen Mediendruck über Monate hinweg, hat die Regierung das Einwanderungsrecht auch in diesem Punkt nun noch einmal unter die Lupe genommen.

Änderungen

Ganz entscheidend wird ab Februar 2020 sein, welche finanziellen Voraussetzungen die Kinder der Antragsteller erfüllen. Die bereits in Neuseeland lebenden erwachsenen Kinder müssen ihre Eltern bei der Einwanderung sponsern. Doch die geforderten Einkommensgrenzen der Sponsoren sind stark angestiegen. So muss ein Sponsor laut neuseeländischem Steuerbescheid 106.080 NZD brutto pro Jahr verdienen, um einen Elternteil sponsern zu können. Das ist bemessen an dem derzeitigen mittleren Jahreseinkommen von 53.040 NZD. „Die Kinder, müssen somit das zweifache jährliche Durchschnittseinkommen nachweisen können, um überhaupt Mutter oder Vater ins Land holen zu können“, erklärt Peter Hahn. „Beim Sponsoring beider Elternteile wird sogar das dreifache Jahresgehalt als Nachweis gefordert. Das sind 159.120 NZD.“ 

Theoretisch können auch Ehepartner in Neuseeland ihr gemeinsames Gehalt zugrunde legen. Dann erhöht sich das erforderliche Jahreseinkommen allerdings für einen Elternteil auf die dreifache Summe und für beide Elternteile auf die vierfache Summe (siehe Tabelle). Wichtig ist auch, dass dieses hohe Einkommen bereits seit mindestens drei Jahren vorhanden ist. 

Hinzu kommt, dass die Eltern Visa Kategorie jährlich auf nur 1000 Visa limitiert ist. Und hier wird tatsächlich in Personen gerechnet und nicht in Anträgen. So zählt ein Rentnerehepaar der gleichen Familie bereits als zwei Personen.

Prozedere 

Zunächst werden die sogenannten Expressions of Interest (EOIs) eingegeben. „Das ist eine Art Absichtserklärung für einen Visa-Antrag. Diese EOIs werden dann, wie auch in anderen Visaverfahren, geprüft und wer die Anforderungen erfüllt, bekommt dann erst einmal eine Einladung, das Visa offiziell zu beantragen“, erklärt der Neuseeland-Experte. Momentan ist die Parent Visa Kategorie allerdings erst einmal ganz geschlossen, was bedeutet, dass bis zur Wiedereröffnung auch keine neuen EOIs mehr eingereicht werden können. Erst im Februar 2020 (genauer Termin wird im November 2019 bekannt gegeben) wird die neue Parent Visa Kategorie wieder geöffnet. Selektiert werden die Bewerber jedoch auch erst ab Mai 2020. „Man muss bedenken, dass momentan noch rund 2000 bis 3000 EOIs im Pool ‚schlummern‘, die erst einmal abgearbeitet werden müssen“, weiß Peter Hahn. „Die alten Antragsteller werden nun angeschrieben, ob sie die neuen Bedingungen erfüllen können oder den Antrag zurückziehen wollen. Wer beispielsweise aus finanziellen Gründen herausfällt, bekommt seine bereits bezahlten Gebühren erstattet. Dann werden die ‚Altlasten‘ nach dem damaligen Eingangsdatum sortiert und bearbeitet. Man kann also davon ausgehen, dass es eine lange Wartezeit geben wird. Ich schätze mal, es wird bei einer Quote von 1000 Visa pro Jahr mindestens ein bis zwei Jahre dauern, bis überhaupt alle alten EOIs abgearbeitet sind und neue Anträge angesehen werden.“

Antragsteller, die schon den eigentlichen Residence Antrag in der Parent Visa Category gestellt hatten, bevor diese Änderungsverkündigung veröffentlich wurde, deren Verfahren wird noch nach den bisherigen Kriterien begutachtet und gehandhabt.

Alternativen

„Für alle Eltern, die im Alter dennoch nach Neuseeland zu ihren Kindern kommen möchten, jedoch die neuen Anforderungen nicht erfüllen können, gibt es noch die Möglichkeit eines sogenannten Parent Retirement Resident Visa. Hier besteht die Möglichkeit, mit entsprechendem Eigenkapital einzuwandern. Das sogenannte Parent and Grandparent Visitor Visa, welches für drei Jahre gilt, kann als Überbrückung genutzt werden“, schließt der Immigrationsberater. 

Wer Interesse daran hat, seine eigenen Eltern dauerhaft nach Neuseeland zu sich zu holen, sollte sich bereits den November vormerken. Geplant ist, dass die neuseeländische Einwanderungsbehörde dann bereits mitteilt, an welchem Tag im Februar 2020, die Parent Visa Catagory wieder geöffnet wird und man seine EOI einreichen kann. Da das Eingangsdatum auch weiterhin für die Bearbeitungsreihenfolge entscheidend ist, bedeutet es tatsächlich: Wer zuerst einreicht, kommt zuerst dran.

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